https://medium.com/@caityjohnstone/the-friendly-mask-of-the-orwellian-oligarchy-is-slipping-off-b896a0a25b5f

 

Die freundliche Maske der Orwellschen Oligarchie rutscht herab

 

von Caitlin Johnstone, 19.05.2018 (zahlreiche links im Original!!)

 

Gina Haspel wurde als Amerikas neue CIA-Direktorin bestätigt und erfüllt den Wunsch ihres Vorgängers Mike Pompeo, die CIA in eine „viel grausamere Agentur“ zu verwandeln. „Bloody Gina“war Berichten zufolge direkt in die Folter von Menschen verstrickt und hat die Folterbeweise ihrer langen und verkommenen Karriere zerstört, die – so sagen manche – den Ruf der CIA schädigen.

 

Andere sagen, das mache sie nur ehrlicher.

 

Die lügende, folternde, propagierende, mit Drogen handelnde, Umstürze organisierende und kriegshetzerische Central Intelligence Agency hat menschlichen Wesen einige der unsäglich schrecklichsten Dinge angetan, die jemals in der Menschheitsgeschichte geschehen sind. Wenn ihr glaubt dass ich übertreibe, dann macht eure eigenen Nachforschungen über die Aktivitäten der CIA, etwa das „Phoenix Programm“. Dabei kamen zum Einsatz: „Vergewaltigung, Massenvergewaltigung, Vergewaltigung mit Aalen, Schlangen oder harten Objekten und Vergewaltigung gefolgt von Ermordung; Elektroschock ('die Bell Telefon-Stunde'), verabreicht mit Kabeln an den Genitalien oder anderen empfindlichen Körperteilen, etwa der Zunge; die 'Wasserbehandlung'; das 'Flugzeug', wobei die Arme des Gefangenen hinter dem Rücken gefesselt werden und das Seil über eine Haken an der Decke gezogen wird bis der Gefangene in der Luft hängt; danach folgen Schläge; Schläge mit Gummischläuchen und Peitschen; der Einsatz von Polizeihunden, um Gefangene zu malträtieren.“ Und „der Einsatz eines 15cm Dübels, der in den Gehörgang meines Gefangenen bis ins Gehirn getrieben wurde, bis er tot war. Das zu Tode hungern (in einem Käfig) einer vietnamesischen Frau, die unter dem Verdacht stand, Teil des politischen Kaders in einem der kleinen Dörfer zu sein … Der Einsatz von elektronischen Geräten wie versiegelten Telefonen, die … an die Scheiden von Frauen und an die Hoden von Männern angebracht wurden, um sie zur Unterwerfung zu schocken.“

 

Das ist die CIA. So war die CIA schon immer. Das meint Mike Pompeo, wenn er sagt, er wolle die CIA „viel grausamer machen“. Die Ernennung von Gina Haspel zur Chefin der Agentur gibt dem Ganzen nur ein ehrliches Gesicht.

 

 

Nichts könnte passender sein als dass die USA jetzt eine tatsächliche, buchstäbliche Folterfrau als Chefin der CIA haben. Es passt auch wie die Faust aufs Auge, dass sie einen milliardenschweren Reality TV Star als Präsidenten haben, einen den Irak vergewaltigenden, neokonservativen Psychopathen der Bush-Ära als Nationalen Sicherheitsberater haben, einen ehemaligen Direktor aus der Verteidigungsindustrie als Verteidigungsminister, einen früheren Goldman Sachs Vorstand als Finanzminister und einen früheren Vorstand von Rothschild Inc. als Handelsminister. Diese Positionen haben schon immer Folter, Unterdrückung, Kriegsgeschäfte und die Gier der Wall Street befördert. Der einzige Unterschied ist, dass sie jetzt ein ehrlicheres Gesicht zeigen.

 

Die Masken der staatenlosen Orwellschen Oligarchen, die unsere Welt dominieren, fallen überall von den Gesichtern.

 

Israel massakriert jetzt ganz offen unbewaffnete palästinensische Zivilisten, was zu einer UN-Untersuchung über mögliche Kriegsverbrechen führt. Nur zwei Nationen haben gegen diese Untersuchung gestimmt, und – was für eine Überraschung – es sind abgesehen von Israel jene zwei Länder, die ihre Existenz eindeutig dem institutionalisierten Abschlachten und der Brutalisierung ihrer Ureinwohner zu verdanken haben: die USA und Australien. Alle anderen Mitglieder des UN-Menschenrechtsrates haben entweder für die Untersuchung gestimmt oder sich enthalten.

 

Die Internetzensur wird immer unverschämter, da unsere Regierungen zunehmend darüber besorgt sind, dass wir falsche politischen Meinungen entwickeln. Seit sich die Establishment-Märchen zu Douma und Skripal nicht richtig durchsetzen konnten, sehen wir immer hektischere Versuche, die öffentliche Debatte zu kontrollieren. Zwei Wochen nachdem uns der Atlantic Council erklärt hat, dass wir zu unserem eigenen Wohl von unseren Regierungen propagiert werden müssen, hat Facebook die Ehe zwischen Silicon Valley und der westlichen Kriegsmaschine endlich öffentlich gemacht, indem man eine Partnerschaft mit dem Atlantic Council ankündigte, um sicherzustellen, dass wir alle die korrekten, autorisierten Informationen erhalten.

 

Der Atlantic Council ist pure Korruption, finanziert von mächtigen Oligarchen, der NATO, dem US Außenministerium, den mit dem Imperium alliierten Golfstaaten und dem militärisch-industriellen Komplex. Viele Verbindungen des anti-russischen Märchens des Establishments lassen sich zu diesem höchst einflussreichen Denkpanzer zurückverfolgen. Vom DNC-Leak zu der diskreditierten Kriegspropagandafirma Bellingcat, zu eingebildeten russischen Trollen, zu der berüchtigten, McCarthy-artigen Schwarzen Liste von PropOrNot, die von der Washington Post veröffentlicht wurde. Dass sich Facebook mit dieser bösartigen, kriegstreiberischen PsyOp-Fabrik beschäftigt, stellt ein offenes Eingeständnis dar, dass die Social-Media-Seite es für ihre Pflicht hält, die Menschen derart zu manipulieren, dass sie die Pläne des westlichen Imperiums unterstützen.

 

Ähnliche Manipulationen sehen wir bei Twitter, das kürzlich ankündigte, dass man die Posts von umstritteneren Konten verbergen wird. Und auch Wikipedia, das die Einträge von anti-imperialistischen Aktivisten schamlos mit karikaturhaften pro-Establishment Kommentaren redigiert.

https://www.gizmodo.com.au/2018/05/twitter-says-it-will-start-hiding-tweets-that-negatively-impact-the-service/

 

Tweet von Caitlin Johnstone @caitoz

Endlich wird die Verbindung aus Silicon Valley und dem militärisch-industriellen Komplex offiziell. Sie turteln schon seit Jahren, jetzt haben sie sich das Ja-Wort gegeben. Freunde, da habt ihr eure königliche Hochzeit.“ May 17, 2018

 

Es ist immer ein gutes Zeichen, wenn sich Leute an der Macht Sorgen machen, dass ihre Untertanen die falschen politischen Meinungen entwickeln. Denn das bedeutet, dass die Wahrheit gewinnt. Das ganze Gewäsch, das wir über „russische Desinformation“ und „russische Propaganda“ hören, ist nur ein Etikett, das von der Massenmedienpropaganda den abweichenden Meinungen umgehängt wird, denn sie haben die Kontrolle über das Narrativ verloren.

 

Und deshalb wird das jetzt so offensichtlich, sie versuchen schon gar nicht mehr, ihre wahre Natur zu verbergen. Unsere neu gefundene Fähigkeit zum Netzwerken und zur Informationsteilung hat ein Ausmaß an freiem Denken ermöglicht, das die Kultur-Ingenieure nicht vorhergesehen haben und dem sie nicht vorgreifen können und sie sind gezwungen, immer offener zuzugreifen, um uns in unsere vorgesehenen Hirnschranken zurückzuweisen.

 

Aber die uns regierenden Oligarchen und ihre Orwellsche Machtstruktur ist bereits in einer Lose-Lose Situation, denn das Imperium, das sie für sich aufgebaut haben, beruht auf der Illusion von Freiheit und Demokratie. Die mächtigsten Herrscher unserer Welt haben das altmodische Thronsitzen und das Hinrichten von Dissidenten auf dem Marktplatz schon lange aufgegeben. Stattdessen nehmen sie eine versteckte Einflussrolle hinter den offiziell gewählten Regierungen ein und benutzen Massenmedienpropaganda, um die Zustimmung der Regierten herzustellen.

 

 

Dieses System ist wesentlich effektiver als das alte Modell, denn eine Bevölkerung wird nie gegen Führer rebellieren, von denen sie gar nicht weiß dass sie existieren. Und es hat den westlichen Oligarchen ermöglicht, ein Ausmaß an Macht und Einfluss anzuhäufen, von dem die alten Könige nur träumen konnten. Aber es gibt da eine Schwäche: sie müssen das Narrativ kontrollieren. Und wenn sie das nicht schaffen, dann können sie nicht zu offenem Totalitarismus übergehen, ohne die Illusion von Freiheit zu zerstören und massiven öffentlichen Aufruhr zu provozieren.

 

Und somit sitzen die den Reichtum besitzenden Manipulatoren in einer Klemme und versuchen mit Medien wie Facebook, Twitter und Wikipedia, die ungewaschenen Massen wieder in ihre Gatter zu treiben. Je unverschämter sie jedoch diese Manipulationen betreiben, desto mehr fällt die Maske ab und umso größer wird das Risiko, dass die Öffentlichkeit realisiert, dass sie in Wahrheit gar nicht frei von Tyrannei und Ausbeutung ist.

 

Die echte Währung auf der Welt ist nicht durch Gold gedeckt, nicht durch Erdöl, nicht durch bürokratisches Papiergeld, ja nicht einmal durch direkte militärische Macht. Nein, die echte Währung auf der Welt ist das Narrativ und die Fähigkeit es zu kontrollieren. Der Unterschied zwischen jenen, die diese Welt regieren und den anderen ist, dass diejenigen, die herrschen, diesen Unterschied verstehen und soziopathisch genug sind, um es zu ihrem eigenen Vorteil auszunutzen.

 

Macht existiert nur dort, wo sie aufgrund der Geschichten existiert, die sich Menschen untereinander erzählen. Die Vorstellung, dass eine Regierung auf eine bestimmte Art und Weise handelt, dass Geld auf eine bestimmte Art und Weise funktioniert, das sind rein gedankliche Konstrukte, die nur so wahr sind wie Menschen es glauben. Jeder könnte morgen zustimmen, dass Donald Glover der unbestrittene König von Amerika ist und dass die neue offizielle US-Währung alte AOL Test-CDs sind, wenn sie das wollten. Und wenn das das neue, dominante Narrativ wäre, dann wäre das auch die Realität. Ebenso könnte jeder der Schaffung eines neuen Systems zustimmen, in dem die gesamte Menschheit profitiert, anstatt nur ein paar soziopathische Plutokraten. Die einzige Sache, die das Geld und die Regierung in eine Richtung lenkt, von der nur unsere momentanen Herrscher profitieren, ist die Tatsache, dass diese Herrscher das Narrativ erfolgreich kontrolliert haben.

 

Diese Katze ist aus dem Sack und sie bekommen sie nicht mehr zurück, das wissen sie. Wir, die Menschen, werden in der Lage sein, unsere eigenen Narrative zu erzeugen und unsere eigenen Regeln zu schreiben.Darüber wie Dinge wie Geld und Regierung funktionieren sollten, und auf keinen Fall wird das so ausgehen, dass die herrschenden Manipulatoren und Täuscher davon profitieren. Deshalb kämpfen sie mit zunehmender Aggression dafür, uns wieder in den Schlaf zu schicken Dabei überdehnen sie sich oft und verhalten sich auf eine Art und Weise, die der Öffentlichkeit einen kurzen Blick hinter die Maske dieser völlig korrupten Machtstruktur gewährt. Und bald wird irgendwann diese Maske ganz abfallen und krachend auf den Boden fallen. Dieser Krach wird das Baby aufwecken und dieses Baby wird nicht mehr einschlafen.


https://original.antiwar.com/david_stockman/2018/05/16/why-the-empire-never-sleeps-the-indispensable-nation-folly-part-2/

 

Warum das Imperium niemals schläft: der Aberwitz der Unentbehrlichen Nation

Teil 2

 

von David Stockman, 16.05.2018

 

Der Aufstieg der mörderischen, totalitären Regime der Nazis und der Stalinisten in den 1930er und die daraus resultierende Feuersbrunst des 2. Weltkriegs muss man korrekterweise als das entscheidende Ereignis des 20. Jahrhunderts bezeichnen. Aber diese Binsenweisheit wirft nur die entscheidende Frage auf.

 

Nämlich, waren diese albtraumhaften Geißeln immer unter der Oberfläche der globalen Zivilisation verborgen? Die nur darauf warteten auszubrechen, wann immer gute Menschen und Nationen ihre Aufsicht verpennt haben, so wie die Standardkritik zum britischen Pazifismus und dem US-Isolationismus lautet, die in den späten 1930ern florierte?

 

Oder handelt es sich um das Äquivalent zu einer Jahrtausendflut – eine Entwicklung, die so unwahrscheinlich, abwegig und unwiederholbar ist, dass sie nur ein schreckliches, aber einmaliges Kapitel der Geschichte definiert, und nicht die gewöhnliche und wahrscheinliche Entfaltung von Angelegenheiten unter Nationen?

 

Wir geben zu, dass die Antwort davon abhängt, wann man beginnt: am 2. April 1917, als Amerika seine historische republikanische Politik der Nichtintervention aufgab und der blutigen Auseinandersetzung an der Westfront des Alten Kontinents beitrat? Oder am 7. Dezember 1941, als Japans Angriff auf Pearl Harbor angeblich Amerika aus seinem isolationistischem Schlaf aufgeweckt und es zur globalen Führung im sogenannten Amerikanischen Jahrhundert aufgerufen hat?

 

Es versteht sich von selbst, dass die Ideologie des Tiefen Staates von der Unentbehrlichen Nation und seine imperialen Projekte ihre Wurzeln in der Pearl Harbor Geschichte haben. Es ist die Behauptung, dass globale Angelegenheiten rasch zu einer Hölle werden, wenn tugendhafte Nationen nicht achtsam sind oder selbst die kleinsten regionalen Aggressionen durchgehen lassen.

 

Die jetzt verblassten Wahrheiten einer republikanischen Nichteinmischung deuten dagegen auf Woodrow Wilsons hinterlistige Kriegserklärung an Deutschland hin, als jenes Ereignis, das den gewöhnlichen Lauf der Geschichte verändert hat und letztendlich zu der Jahrtausendabweichung mit Hitler und Stalin geführt hat.

 

Es ist keine Überraschung, dass die offizielle Geschichtsschreibung des Imperiums den Aufstieg Amerikas im 2. Weltkrieg und danach verherrlicht, aber die Ereignisse von 1917 bis 1919 gerade mal als eine Art Erwachsenwerden beschreibt.

 

Folglich ist die reiche, historisch definierende Essenz des Geschehens während jener ereignisreichen Jahre im Schlachtennebel verloren gegangen, in den elenden Opferstatistiken des Kriegs, in den Erzählungen über das verlängerte diplomatische Gezerre in Versailles und den Schuldzuweisungen für die danach gescheiterte Ratifizierung von Wilsons Völkerbund im US-Senat.

 

In diesem Zusammenhang wird das Scheitern des Völkerbunds (League of Nations) im allgemeinen Narrativ als ein kolossaler Fehler beschrieben. Es wird als ein entscheidender Fehler der Unentbehrlichen Nation angesehen, der den Aufstieg der totalitären Albträume beschleunigt und Amerikas Aufgabe noch verschärft hat, die Welt in den 1940ern in Ordnung zu bringen.

 

In Wahrheit war die Niederlage von Wilsons Vertrag der letzte Seufzer des Republikanismus – eine Echo jener Haltung, die Amerika zu seinen Interessen und einer nicht-interventionistischen Tradition stehen ließ, während sich die Probleme des Großen Kriegs entfalteten.

 

Ja, Henry Cabot Lodge und seine sogenannten Isolationisten des Mittleren Westen (eigentlich die ersten America Firster) haben versucht, die Uhr auf den 1. April 1917 zurückzustellen.

 

Das war der Tag bevor Wilson den Kongress zum Krieg zusammenrief, basierend auf seinem eigenen Größenwahn und den arroganten Manövern seines Außenministeriums. Nachdem William Jennings Bryan aus Anti-Kriegs-Prinzipien im Juni 1915 seinen Rücktritt eingereicht hatte, steckte das Außenministerium mit den Interessen Morgans unter einer Decke (die hatten nämlich mit ihrer Finanzierung Englands und Frankreichs Milliarden riskiert) und sie haben den messianischen Wilson im Grunde in den Krieg manövriert.

 

Folglich sind die mächtigen Wahrheiten dessen, was der Niederlage des Völkerbunds vorausging, in der Standard-Geschichtsschreibung verloren gegangen. In der Folge wollen wir hier diese wichtigen Entwicklungen und Wendepunkte wiederbeleben, denn sie beweisen eindeutig, dass die Jahrtausendflut des Totalitarismus im 20. Jahrhundert ihren Ursprung in den närrischen Entscheidungen Wilsons und ein paar anderer hatte. Und nicht in der DNA der Menschheit und auch nicht in einer Todessehnsucht der Länder liegt.

 

Und es ist auch keine Angelegenheit der akademischen Geschichtsschreibung; es macht in der heutigen Welt den großen Unterschied, weil praktisch jedes Manöver des imperialen Washingtons, etwa die gegenwärtigen, hirnrissigen Attacken gegen den Iran, auf dem Hitler- und Stalinsyndrom basiert. Das heißt, der uralte Glaube, dass es immer einen anderen gibt, der hinter den gewöhnlichen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Konflikten der Nationen lauert.

 

Natürlich trifft das Gegenteil zu. Würde die Welt tatsächlich eine Unentbehrliche Nation benötigen, so wäre das ganze Konstrukt eines Imperiums umsonst. Der Daseinsgrund der Imperialen Stadt und all ihrer hegemonialen Projekte aus „Führung“, Einmischung, Intervention und Besatzung gehören eigentlich in den Mülleimer der Geschichte.

 

Hiermit folgt eine zusammengefasste Erklärung der Jahrtausendflut. Sie erläutert, warum Hitler und Stalin niemals hätten passieren dürfen – und warum der darauf folgende Heiße, Kalte und Ewige Krieg den Tatbestand eines Imperiums verurteilt und keine Begründung dafür liefert.

 

Wie wir in Teil 1 hingewiesen haben, hätte der Große Krieg Ende 1917 durch gegenseitige Erschöpfung, Bankrott und Abzug von den völlig stillstehenden Schützengräben an der Westfront zu Ende gehen sollen. Am Ende wurden im Verlauf von vier Jahren mehr als 3,3 Millionen getötet und 8,3 Millionen verwundet, für blutige Frontveränderungen, die man in ein paar Kilometern und Metern messen konnte.

 

Hätte sich Amerika jedoch auf der anderen Seite des atlantischen Grabens herausgehalten, so wäre das endgültige Ergebnis ein ganz anderes gewesen. Vor allem wäre die frisch geborene Demokratie, die im Februar 1917 in Russland an die Macht kam, nicht so leicht in ihrer Krippe erdrosselt worden.

 

Dann hätte es mit Sicherheit nicht die verheerende Sommeroffensive der Kerensky-Regierung gegeben, um Deutschland an der Ostfront zurückzudrängen, wo die zaristischen Armeen erniedrigt und dezimiert wurden.

 

Ein frühes Ende des Kriegs in Russland hätte wiederum die nachfolgenden massiven, bewaffneten Aufstände in Petrograd im November 1917 verhindert, die zufällig die Machtübernahme durch Lenin und seine kleine Bande von Bolschewisten ermöglicht hat.

 

Soll heißen, dass 20. Jahrhundert hätte nicht so angelegt werden müssen, dass es sich unweigerlich in diesen stalinistischen Albtraum verwandelt. Und der kasernierte Sowjetstaat hätte nicht 75 Jahre lang den Frieden der Länder vergiftet, während ein nukleares Damoklesschwert über dem Planeten hing.

 

Gleichfalls hätte es nicht den Irrtum gegeben, der als Friedensvertrag von Versailles bekannt wurde, einem vergifteten Frieden der Sieger. Aber ohne die Milliarden an Hilfe, Munition und zwei Millionen frischer, junger Knetmasse aus Amerika hätte es keine alliierten Sieger gegeben, wie wir im weiteren Verlauf zeigen werden.

 

Ohne Versailles wiederum hätte es die „Dolchstoß“-Legende nicht gegeben, mit der erzwungenen Unterzeichnung der „Kriegsschuld“-Klausel durch die Weimarer Regierung; keine Fortsetzung von Englands brutaler Blockade nach dem Waffenstillstand, was Hunderttausende deutscher Frauen und Kinder in Hunger und Tod stürzte; und keine demobilisierte deutsche Armee von 3 Millionen Mann, gedemütigt, mittellos, verbittert und auf einem permanenten politischen Amoklauf der Rache.

 

Und auch die Zerstückelung Deutschlands am Versailler „Friedenstisch“ wäre nicht geduldet worden. Und so kam es, dass fast ein Fünftel des deutschen Vorkriegsterritoriums und der Bevölkerung in Stücken an Polen (der Danzig-Korridor und Oberschlesien), die Tschechoslowakei (das Sudetenland), Dänemark (Schleswig), Frankreich (die Saar, Elsass-Lothringen und das neutralisierte Rheinland) und an Belgien (Eupen und Malmedy) verteilt wurde.

 

 

Dieser beträchtliche Gebietsverlust bedeutete auch, dass Deutschland 50% seiner Kapazität zur Eisenproduktion verlor, 16% seiner Kohleproduktion und 100% seiner weit verteilten Kolonien in Afrika und Ostasien an England und Frankreich.

 

Schon klar, Gott hat die Karte von Europa nicht an seinem sechsten Arbeitstag erschaffen. Aber es trifft absolut zu, dass es der Versailler „Diebstahl“ der riesigen Gebiete und der vielen Menschen war, der zum Treibsatz für Hitlers revanchistische Agitation wurde. Und es war diese Kampagne zur Wiedererlangung der verlorenen Gebiete, die die Nazis mit patriotischer öffentlicher Unterstützung im Rumpfbereich des Vaterlandes genährt hat.

 

Die französisch-belgische Besetzung des Ruhrgebiets 1923 wäre ebenfalls nicht geschehen, denn die Rechtfertigung für diese Invasion deutschen Gebiets war, dass sie Deutschen ihre Kriegsreparationen nicht bezahlt haben – eine gewaltige Summe, die nach heutiger Kaufkraft mehr als $500 Milliarden betragen würde.

 

Und so geschah es, dass die Reparationskrise zu Deutschlands irrer Gelddruckerei und der Zerstörung der deutschen Mittelschicht bei der Hyperinflation 1923 führte. Und ohne diese die Gesellschaft zerstörende Entwicklung, zusammen mit dem oben Gesagten, hätten die Geschichtsbücher niemals über den Aufstieg Hitlers an die Macht berichten können und über all das Übel, das sich daraus ergeben hat.

 

Sogar John Maynard Keynes, der in Versailles als Vertreter des britischen Finanzministeriums dabei war, konnte erkennen, dass der Carthagische Frieden von Versailles nur die Saat für den ökonomischen Zusammenbruch in Deutschland und überall im Kriegsgebeutelten Europa gelegt hat.

 

In seinem berühmten Traktat „Die wirtschaftlichen Folgen des Friedensvertrages“ sah Keynes das kommende Desaster richtig vorher:

 

Der Vertrag beinhaltet keine Vorkehrungen für eine wirtschaftliche Gesundung Europas – nichts, um die geschlagenen Zentralmächte zu guten Nachbarn zu machen; nichts, um die neuen Staaten in Europa zu stabilisieren; nichts, um Russland zurückzuholen; noch fördert es in irgendeiner Weise ein Bündnis der Solidarität unter den Alliierten selbst; in Paris wurde kein Abmachung erreicht um die ungeordneten Finanzen Frankreichs und Italiens zu reparieren, oder um die Systeme der Alten und der Neuen Welt anzupassen.

 

Der Vierer-Rat legte keinen Wert auf diese Themen und war mit anderem beschäftigt – Clemenceau mit der wirtschaftlichen Vernichtung seines Feindes, Lloyd George mit einem Deal, den er zuhause präsentieren konnte und für eine Woche Ruhe hatte und der Präsident damit, nichts zu tun, dass nicht gerecht und richtig war. Es ist eine erstaunliche Tatsache, dass die fundamentalen wirtschaftlichen Probleme eines Europas, das hungerte und sich vor ihren Augen auflöste, genau die Frage war, bei der es unmöglich war, das Interesse der Vier zu wecken. Auf ökonomischem Gebiet waren die Reparationen das Hauptthema und sie entschieden es als Problem der Theologie, der Politik, der Wahlschikane, von jedem Gesichtspunkt aus, mit Ausnahme der wirtschaftlichen Zukunft jener Staaten, deren Schicksal sie betreuten.

 

.. wirtschaftliche Entbehrung läuft in kleinen Stufen ab, und so lange die Menschen geduldig leiden, kümmert sich die Außenwelt sehr wenig darum. Die körperliche Leistungsfähigkeit und der Widerstand nehmen langsam ab, aber das Leben geht irgendwie weiter, bis die Grenze der menschlichen Ausdauer endlich erreicht ist und dann rütteln die Ratschläge der Verzweiflung und des Wahnsinns die Leidenden aus ihrer Lethargie auf, die der Krise vorausgegangen ist. Der Mensch schüttelt sich und die alten Gewohnheiten lösen sich. Die Macht der Gedanken ist souverän, und er hört auf jede Anweisung mit Hoffnung, Illusion oder Rache, die ihm zugetragen wird....“

 

Zufällig beantwortete Adolf Hitler selbst Keynes' Frage und schrieb in „Mein Kampf, dass der ungerechte Vertrag von Versailles der Schlüssel zur Mobilisierung der deutschen Nation sei:

 

Welchen Nutzen man aus dem Vertrag von Versailles ziehen könnte. … Jeder einzelne Punkt dieses Vertrages könnte in die Köpfe und Herzen des deutschen Volkes eingebrannt werden, bis 60 Millionen Männern und Frauen ihre Seelen mit einem Gefühl von Wut und Scham entflammen sehen; und wie aus einem Schmelzofen entspringt ein Strom aus Feuer und daraus wird ein stählerner Wille geschmiedet, mit dem allgemeinen Ruf: „Wir werden wieder Waffen besitzen!

(Anm.d.Ü.: das ist eine Rückübersetzung aus dem Englischen)

 

Woodrow Wilson hat also viele Fragen zu beantworten, denn er ist der Vater des Carthagischen Friedens, der die Welt in Versailles zerbrochen hat. Aber diese Angelegenheit ist weitaus größer als die Narretei von Wilson, als er die USA im April 1917 in den Krieg geführt hat.

 

Seine Gründe dafür sind umso wichtiger. Wilsons 14 Punkte und sein Slogan „macht die Welt für die Demokratie sicher“ waren im Wesentlichen die ursprüngliche und beginnende Vision der Unentbehrlichen Nation.

 

Ironischerweise wird nun diese falsche Idee, die den ganzen Zug der Ereignisse des 20. Jahrhunderts auslöste und was das Amerikanische Imperium gebar, jetzt dazu benutzt, die fortgesetzte Unordnung und das Chaos zu rechtfertigen, das man auf die Welt losgelassen hat.

 

Dementsprechend ist Wilsons „Kriegsschuld“ ein mächtiges Schandmal, das sich auf die meisten Kriege des 20. Jahrhunderts erstreckt. Es lässt sich in acht Hauptaussagen zusammenfassen, die erklären, warum die Jahrtausendflut des Totalitarismus entstanden ist und warum die Torheit der Unentbehrlichen Nation falsch darin verankert ist.

 

Hauptaussage Nr. 1:

 

Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass es im Ersten Weltkrieg nichts gab, was es wert war, dafür zu sterben. Und dass es darin kein erkennbares Prinzip menschlicher Besserung gab. Es gab viele Schuldige, aber keinen Unschuldigen.

 

Stattdessen war es ein vermeidbares Unglück, das aus einer Kakophonie aus politischer Inkompetenz, Feigheit, Habsucht und Narreteien entstand.

 

Zum Teil kann man dem bombastischen und impulsiven Kaiser Wilhelm die Schuld geben, weil er 1890 mit seiner dämlichen Entlassung von Bismarck die Bühne bereitet hat; mit seinem Versäumnis, das russische Rückversicherungsabkommen kurz danach zu erneuern (was den Zar dazu zwang, sich mit Frankreich zu verbünden); und sein abenteuerlicher Aufbau der deutschen Marine zur Jahrhundertwende (was den Großteil der öffentlichen Meinung in England gegen Deutschland aufbrachte).

 

Ebenso kann man die Franzosen beschuldigen, weil sie sich in einem Beistandspakt gekettet haben, der leicht durch die Intrigen des dekadenten Hofes in Sankt Petersburg ausgelöst werden konnte, wo der Zar immer noch auf göttlichen Rechten pochte und die Zarin hinter dem Vorhang mit den heimtückischen Ratschlägen Rasputins regierte.

 

Und man kann ähnlich den russischen Außenminister Sasonow verurteilen, für dessen Wahn einer größeren slawischen Größe, die Serbiens Provokationen nach Sarajewo ermutigt hatten; und man kann auch den tattrigen Kaiser Franz Joseph dafür kritisieren, dass er in seinem 67. Jahr der Regentschaft an seinem Thron klebte und damit sein zerfallendes Reich für die selbstmörderischen Impulse von General Conrads Kriegspartei anfällig machte.

 

Und man kann auch den doppelzüngigen Bundeskanzler Bethmann-Hollweg tadeln, weil der den Österreichern erlaubt hat zu glauben, der Kaiser habe ihre Kriegserklärung an Serbien unterstützt; und Winston Churchill und die Londoner Kriegspartei anprangern, weil sie nicht erkannt haben, dass die Invasion Belgiens beim Schlieffen-Plan keine Bedrohung für England darstellte, sondern eine unvermeidliche deutsche Verteidigung gegen einen Zweifrontenkrieg.

 

Aber nach all dem kann man vor allem nicht von einer Verteidigung der Demokratie reden,einer Rechtfertigung des Liberalismus oder der Vereitelung einer preußischen Autokratie und des Militarismus.

 

Der britischen Kriegspartei, die von Leuten wie Churchill und General Kitchener angeführt wurde, ging es nur um den Ruhm des Imperiums und nicht um eine Rechtfertigung der Demokratie.

 

Und auch Frankreichs vorrangiges Ziel war das revanchistische Streben nach Elsass-Lothringen. Letzteres war für 600 Jahre deutschsprachiges Gebiet, bis es im 17. Jahrhundert von Louis XIV erobert wurde, und dann mit Gewalt von Deutschland in der erniedrigenden Niederlage 1870 von den Franzosen zurückerobert wurde.

 

In jedem Fall war die deutsche Autokratie bereits ziemlich am Ende, wie sich durch die Einführung der allgemeinen Sozialversicherung und die Wahl einer sozialistisch-liberalen Mehrheit im Reichstag am Vorabend des Krieges zeigte; und das Gulasch aus Nationalitäten in Österreich-Ungarn, auf dem Balkan und im Osmanischen Reich wäre sowieso in einer nationalistischen Zersplitterung ausgebrochen, unabhängig vom Ausgang des Ersten Weltkrieges.

 

Kurz gesagt, beim Ergebnis stand kein Prinzip oder eine höhere Moral auf dem Spiel.

 

Hauptaussage Nr. 2:

 

Der Krieg stellte für die USA überhaupt keine Bedrohung der Nationalen Sicherheit dar. Wenn man natürlich davon ausgeht, dass die Gefahr nicht die Mächte der Entente waren – sondern Deutschland und seine Verbündeten.

 

Aber es bestand von Anfang an keine Gefahr, dass Deutschland und seine heruntergekommenen Verbündeten Amerika bedrohen könnten – und das wurde bis April 1917 überwältigend deutlich, als Wilson Amerika in den Krieg führte.

 

In der Tat hat sich die deutsche Armee nur wenige Wochen, nachdem die Schlieffen-Plan-Offensive am 11. September 1914 scheiterte, in einem blutigen, Bankrott machenden Zweifrontenkrieg festgefressen. Das garantierte ihren unerbittlichen Niedergang und ihre völlige Unfähigkeit in Bezug auf Finanzen und Arbeitskraft, um auch nur in Richtung Amerika zu schielen.

 

Gleichfalls war nach der Skagerakkschlacht im Mai 1916 die deutsche Hochseeflotte in ihren Heimathäfen gefangen – eine unbewegliche Flotte aus Stahl, die für die 4.000 Meilen entfernte Küste Amerikas keine Gefahr war.

 

Und was den Rest der Zentralmächte anbelangt, so hatten das Osmanische und das Habsburgische Reich bereits einen Termin mit dem Mülleimer der Geschichte. Müssen wir uns jetzt noch mit einer möglichen Gefahr des vierten Mitglieds auseinandersetzen, Bulgarien?

 

Hauptaussage Nr. 3:

 

Wilsons Vorwand für den Krieg mit Deutschland – der U-Boot-Krieg und das Zimmermann-Telegramm – sind nicht die Hälfte dessen wert, was ihnen die Historiker des Kriegsstaats zuschreiben.

 

(Anm.d.Ü.: Das Zimmermann Telegramm vom Januar 1917 beinhaltet den Vorschlag eines Militärbündnisses zwischen Deutschland und Mexiko)

 

Und was die sogenannte Freiheit der Meere und die neutralen Schifffahrtsrechte anbelangt, so ist die Geschichte ganz einfach.

 

Im November 1914 erklärte England die Nordsee zu einem „Kriegsgebiet“; die neutrale Schifffahrt wurde durch Seeminen bedroht; alles, was der deutschen Armee – direkt oder indirekt – als Schmuggelware dienen könnte, würde beschlagnahmt oder vernichtet werden; und es wurde angekündigt, dass die daraus resultierende Blockade deutscher Häfen dazu diente, sie in die Unterwerfung zu treiben.

 

Im Gegenzug kündigte Deutschland ein paar Monate später seine U-Boot Kriegspolitik an, die den Nachschub an Nahrung, Rohmaterialien und Waffen für England aufhalten sollte. Es war das verzweifelte Gegenmittel einer Landmacht gegen Englands vernichtende Seeblockade.

 

Dementsprechend gab es in den nordeuropäischen Gewässern einen totalen Krieg – und die traditionellen „Rechte“ der Neutralen wurden bedeutungslos und von beiden Seiten missachtet.

 

In der Tat war England bei der Bewaffnung von Handelsschiffen und dem Verstauen von Munition auf Passagierschiffen heuchlerisch und äußerst rücksichtslos gegenüber der daraus resultierenden Gefahr für unschuldige Zivilisten. Das kam tragisch zum Ausdruck, als im Schiffsbauch der Lusitania 4,3 Millionen Schuss Gewehrmunition und hunderte Tonnen anderer Munition transportiert wurde, als sie von einem deutschen U-Boot im Mai 1915 vor der Küste Irlands versenkt wurde.

 

Deutschlands Zuflucht in den sogenannten „grenzenlosen U-Boot-Krieg“ im Februar 1917 war ebenso brutal und dumm, aber das geschah als Antwort auf massiven innenpolitischen Druck während des „Steckrübenwinters“ in Deutschland. Da hungerte das Land bereits buchstäblich unter der englischen Blockade.

 

Bevor er im Juni 1915 aus Gewissensgründen zurücktrat, lag Minister William Jennings Bryan schon richtig. Wäre er weniger diplomatisch gewesen, dann hätte er gesagt, dass auf keinen Fall amerikanische Jungs am Kreuz der Cunard-Liners gekreuzigt werden sollten, nur damit ein paar tausend wohlhabende Plutokraten ihr mutmaßliches „Recht“ ausüben können, sich im Luxus zu wälzen, während sie wissen, dass sich andere in Gefahr begeben.

 

Was das Zimmermann Telegramm betrifft, so wurde das gar nicht an Mexiko übermittelt, sondern von Berlin als internes diplomatisches Kommuniqué an den deutschen Botschafter in Washington gesandt, der sich stark dafür engagierte, sein Land aus einem Krieg mit den USA herauszuhalten.

 

Zufällig wurde dieses Kommuniqué im Februar 1917 vom britischen Geheimdienst abgefangen. Und die haben es mehr als einen Monat lang zurückgehalten, um einen geeigneten Moment abzuwarten, um Amerika in eine Kriegshysterie zu versetzen.

 

In Wahrheit war diese sogenannte „Bombe“ eigentlich nur eine Überlegung innerhalb des Außenministeriums zu einem möglichen Plan, mit dem mexikanischen Präsidenten über eine Allianz zu sprechen, für den Fall, dass die USA zuerst Deutschland den Krieg erklären.

 

Ist das überraschend oder ein Kriegsgrund?

 

Hat nicht die Entente (England, Frankreich und Russland) Italien bestochen und ihnen für dessen Kriegseintritt große Stücke von Österreich versprochen?

 

Ist nicht das ahnungslose Rumänien schließlich der Entente beigetreten, weil man ihm Transsylvanien versprach?

 

Haben die Griechen nicht endlos über türkische Gebiete verhandelt, die ihnen für einen Beitritt zur Allianz angeboten wurden?

 

Hat Lawrence von Arabien nicht den Statthalter von Mekka bestochen und ihm riesige arabische Gebiete von den Türken versprochen?

 

Warum sollten dann die Deutschen – wenn sie zu einem Krieg mit den USA gezwungen würden – nicht die Rückgabe von Texas versprechen?

 

Hauptaussage Nr. 4:

 

Europa hat einen kurzen Krieg erwartet, und den bekam es eigentlich auch, als die Schlieffen-Offensive Mitte September 1914 an der Marne 50 km vor Paris zum Stehen kam.

 

Innerhalb von drei Monaten hatte sich die Westfront zu einem Gemisch aus Blut und Schlamm geformt und verfestigt – ein grauenhafter, 400 Meilen langer Korridor aus sinnlosem Blutvergießen, unerhörtem Gemetzel und unablässiger militärischer Dummheit, der sich von der flandrischen Küste über Belgien und Nordfrankreich bis zur Schweizer Grenze erstreckte.

 

Die nächsten vier Jahre sahen eine gewellte Linie aus Gräben, Stacheldrahtverhauen, Tunnels, Artilleriestellungen und mit Granatsplittern verbrannte Erde, die sich selten mehr als ein paar Kilometer in die eine oder andere Richtung bewegte. Und die am Ende auf der alliierten Seite mehr als 7 Millionen Opfer forderte und auf der deutschen Seite fast 5 Millionen Opfer.

 

Wenn es irgendeinen Zweifel daran gibt, dass Wilsons katastrophale Intervention einen Zermürbungskrieg, eine Pattsituation und schließlich eine gegenseitige Erschöpfung in einen Pyrrhussieg für die Alliierten verwandelt hat, so zeigt sich das an vier Entwicklungen während des Jahres 1916.

 

Als Erstes haben die Deutschen eine massive Offensive gestartet, um die Festung Verdun zu stürmen – die historischen Verteidigungszinnen an Frankreichs Nordostgrenze, die es dort seit römischen Zeiten gab und die nach Frankreichs erniedrigender Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg 1870 massiv verstärkt worden waren.

 

Aber trotz der Mobilisierung von 100 Divisionen, dem bis dahin größten Artillerie-Bombardement und wiederholten Infanterie-Offensiven von Februar bis November, was zu mehr als 400.000 deutschen Verlusten führte, scheiterte die Verdun-Offensive.

 

Das zweite Ereignis war ein Spiegelbild – die massive britisch-französische Offensive, bekannt als die zweite Schlacht an der Somme, die am 1. Juli 1916 mit ähnlich zerstörerischem Artillerie-Feuer begann und dann drei Monate lang Infanteriewellen in das deutsche Maschinengewehrfeuer und deren Artillerie schickte.

 

 

 

Es endete in einem kolossalen Scheitern, aber erst nachdem es zu 600.000 englischen und französischen Opfern gekommen war, darunter eine Viertel Million Tote.

 

Und zwischen diesen Blutbädern wurde das Patt durch die Schlacht bei Skagerrak verstärkt. Die kostete die Briten weitaus mehr versenkte Schiffe und ertrunkene Matrosen als die Deutschen, aber es führte auch dazu, dass die Deutschen ihre Flotte in ihre Häfen verlegte und nie wieder die Royal Navy in einer offenen Schlacht herausforderte.

 

Schließlich bekamen zum Jahresende 1916 die Generäle Hindenburg und Ludendorff, die im Osten die russische Armee mit nur einem Neuntel der deutschen Armee zerstört hatten, das Oberkommando an der Westfront.

 

Sie haben umgehend die deutsche Kriegsstrategie radikal verändert, da sie erkannt haben, dass die wachsende alliierte Überlegenheit bei den Mannstärken (durch die Einberufungen 1916 in Großbritannien und die Mobilisierung von Kräften im ganzen Commonwealth) einen Durchbruch mit einer deutschen Offensive nahezu unmöglich machte.

 

Das Ergebnis war die Siegfriedstellung (Hindenburg Line) – ein militärisches Wunder, das auf einer schachbrettartigen Anordnung aus gehärteten MG-Stellungen und Manöverkräften basierte, und nicht auf einer Masseninfanterie an der Frontlinie. Und auch aus einem komplizierten Labyrinth ausgeklügelter Tunnels, tiefen Erdhütten, Eisenbahnverbindungen, schwerer Artillerie und flexiblen Reserven im Hinterland.

 

Zusätzliche Verstärkung kam durch die Verlagerung der deutschen Ostarmeen an die Westfront – was an der Siegfried-Linie zu 200 Divisionen und vier Millionen Mann führte.

 

Das vereitelte jede Hoffnung auf einen Sieg der Entente.

 

Ab 1917 gab es in England und Frankreich nicht mehr genug Männer im wehrfähigen Alter, um die Siegfried-Linie zu überwinden, die dazu gedacht war, die Armeen der Entente, die von Schlächtern wie den Generälen Haig und Joffre angeführt wurden, auszubluten bis deren Regierungen Friedensverhandlungen zustimmen würden.

 

Mit der Auflösung der russischen Armee im Osten und dem eingefrorenen Stillstand im Westen Anfang 1917 war es nur eine Frage von Monaten, bevor es zu Meutereien entlang der französischen Linie, zu einer Demoralisierung in London, zu Massenhunger und Not in Deutschland und einem weltweiten Bankrott gekommen wäre, was zu einem Frieden aus Erschöpfung und einer Europaweiten politischen Revolte gegen die Kriegstreiber geführt hätte.

 

Wilsons Intervention verwandelte somit eine unmögliche Pattsituation in einen unberechtigten Sieg für die Entente: es war nur eine Frage der Zeit, bis Washingtons nie dagewesene Mobilisierung von Mensch und Material während des Gleichgewichts im Jahr 1917 die Schlachtfelder Frankreichs flutete und die Waagschale des Kriegs kippte.

 

Wilsons Kreuzzug hat die Welt nicht neu erfunden, aber er hat die Konturen des 20. Jahrhunderts radikal umgelenkt, indem er den Sieg der Entente und die Jahrtausendflut des nationalsozialistischen und des stalinistischen Totalitarismus, der daraus entstand, ermöglicht hat.

 

Und das ist noch nicht einmal die Hälfte dessen – es gab auch eine bedeutende wirtschaftliche und finanzielle Dimension.

 

Wie wir in Teil 3 zeigen werden, ermöglichte Wilsons Kreuzzug auch den Aufstieg des modernen Zentralbankwesens; und es war Letzteres, das den modernen Kriegsstaat und den Aberwitz der Unentbehrlichen Nation ermöglicht hat, eine tödliche Bedrohung für den Frieden und den kapitalistischen Wohlstand im Inland und im Ausland.

 


https://original.antiwar.com/David_Stockman/2018/05/15/why-the-empire-never-sleeps-the-indispensable-nation-folly-part-1/

 

Warum das Imperium niemals schläft: der Schwachsinn von der Unentbehrlichen Nation

Teil 1

 

von David Stockman, 16.05.2018

 

 

So wie es zuvor schon mit Rom geschah, so ruiniert das Imperium Amerika. Die wahren finanzielle Kosten belaufen sich auf mehr als $1.000 Milliarden pro Jahr (wenn man die $200 Milliarden für die Veteranen und den Schuldendienst für Kriege hinzuzählt). Aber das kann unmöglich bezahlt werden.

 

Denn das 78 Millionen starke Heer der Baby Boomer hat in der amerikanischen Politik das Sagen. Und die werden einfach nicht zulassen, dass der Wohlfahrtsstaat aus jährlich $3 Billionen an Pensionszahlungen und Krankenversorgung gekürzt wird.

 

Die Trumpisten und die Republikanische Partei (GOP) haben das bereits in trockenen Tüchern, denn sie haben eine Reform der Sozialversicherung und der Krankenkassen verweigert und sich als völlig unfähig dabei erwiesen, politisch Obamacare/Medicaid anzugehen. Gleichzeitig stimmen die Boomer weiter für den Steuerirrsinn der GOP und verweigern sich damit den Steuern, die Washingtons gähnendes Defizit vermindern würden.

 

Noch wichtiger ist, dass jene Generation schon lange den Frieden aufgegeben hat, die 1968 zum Pentagon marschiert ist um gegen den Irrsinn und die Barbarei von Lyndon B. Johnsons Vietnamkrieg zu protestieren. Damit haben die Boomer den endgültigen Aufstieg des Kriegsstaats hingenommen, der ins Kraut geschossen ist, seit die USA nach dem Verschwinden der Sowjetunion aus den Geschichtsbüchern 1991 zur einzigen Supermacht geworden sind.

 

Dennoch gibt es einen Grund, warum nach dem Ende des 77-jährigen Weltkriegs, der mit den „Kanonen im August“ 1914 begann, die Welt nicht in der Lage war, wieder den vorherigen Status Quo von relativem Frieden und globalem kapitalistischem Wohlstand zurückzuerlangen.

 

Und dazu kommt, dass sich die uralte Ideologie von der amerikanischen Einzigartigkeit und der unentbehrlichen Nation pikanterweise von den Realismus-Fesseln des Kalten Kriegs befreit hat als der Eiserne Vorhang fiel.

 

Infolge dessen kam es zu einem Streben nach lupenreiner globaler Hegemonie. Kurz danach verwandelte sich (unter Bush Senior und den Clintons) Washington in die Imperiale Stadt und wurde nicht nur zu einem Wespennest des Militarismus, sondern auch zu einem endlosen Gewirr aus Denkpanzern, NGOs, Beratern und Beratungsunternehmen, „Kanzleien“, Lobbys und gewissenlosen Geschäftemachern.

 

Das unbeschreibliche Gedeihen Washingtons entspringt diesem imperialen Wespennest. Und es ist die Vorstellung von dieser Unersetzlichen Nation, die das Bindemittel liefert zwischen der Imperialen Stadt und der Arbeit des Imperiums und die den massiven Appetit für den Kriegsstaat liefert.

 

Man muss nicht erwähnen, dass das Imperium eine schreckliche Sache ist, denn es ist der Erzfeind eines gesunden Staates, des kapitalistischen Wohlstands und der konstitutionellen Freiheit.

 

Es gedeiht und metastasiert, indem es die republikanischen Grundsätze der Nichteinmischung im Ausland und des friedlichen Handels mit allen Nationen der Welt zugunsten seiner selbsternannten Rolle als globaler Polizist aufgibt. Anstelle der Verteidigung der Heimat ist die Politik des Imperiums die eines internationalen Wichtigtuers, eines militärischen Hegemons und eines brutalen Vollstreckers von Washingtons Anweisungen, Sanktionen, Roten Linien und vogelfreien Regimen.

 

Nichts ist kennzeichnender für den Betrug am republikanischen Nichtinterventionismus als die diversen Brennpunkte, die das Imperium heute plagen. Dazu gehört die Ukraine/Krim-Konfrontation mit Russland, das Regimewechsel-Fiasko in Syrien, der US-gesponserte Völkermord im Jemen, die gescheiterte und blutige 17-jährige Okkupation Afghanistans, die Einmischung der Siebten Flotte im Südchinesischen Meer und vor allem das rasch eskalierenden Missgeschick mit dem Iran.

 

Was Letzteres betrifft, so gibt es absolut keinen Grund für den Angriff des Imperiums auf den Iran. Der berühmte Marsmensch wäre in der Tat völlig perplex, warum Washington gegen die puritanischen und autoritären, aber relativ machtlosen religiösen Führer in den Krieg ziehen will.

 

Schließlich hat der Iran das Atomabkommen (JCPOA) nach Feststellung der glaubwürdigen Behörden nicht verletzt – oder nicht einmal laut weniger glaubwürdigen wie der CIA. Und übereinstimmend haben die Behörden gesagt, dass der Iran seit 2003 nicht einmal ein Forschungsprogramm für eine nukleare Bewaffnung betrieben hat.

 

Und das mäßige BIP von $430 Milliarden entspricht acht Tagen des US-Bruttoinlandsprodukts, womit die theokratischen Führer kaum eine glaubwürdige Gefahr für Amerika darstellen.

 

Auch könnte das winzige Verteidigungsbudget von $14 Milliarden – was sieben Tagen des US-Verteidigungshaushalts entspricht – den amerikanischen Bürgern kaum einen Schaden zufügen.

 

In der Tat hat der Iran keine Hochseemarine, die außerhalb des Persischen Golfs wirksam operieren könnte. Seine weitreichendsten Flugzeuge könnten ohne Luftbetankung kaum Rom erreichen. Und ihr Arsenal an hauptsächlich defensiven Mittelstreckenraketen kann den größten Teil der NATO nicht erreichen, geschweige denn den amerikanischen Kontinent.

 

Die Antwort an die Frage der Marsianer lautet natürlich, dass der Iran überhaupt keine Gefahr für die Sicherheit des amerikanischen Festlands ist, aber dass sie sich halt grob den Diktaten des amerikanischen Imperiums widersetzen.

 

Soll heißen, dass sie sich eine mutmaßlich unabhängige Außenpolitik zugelegt haben, mit von Washington verpönten Allianzen mit Syrien, der führenden politischen Partei im Libanon (Hisbollah), den herrschenden Autoritäten (und US-Marionetten) in Bagdad und der herrschenden Macht in der jemenitischen Hauptstadt Sana'a (den Houthis).

 

All dies wird von Washington als nicht genehme „regionale Instabilität“ angesehen und die Bündnisse mit Iran werden willkürlich als Akte staatlich geförderten Terrorismus bezeichnet.

 

Das gleiche gilt für Washingtons Protestgeschrei gegen Irans bescheidenen Bestand an Kurz- und Mittelstreckenraketen. Diese Waffen sind offenkundig Instrumente zur Selbstverteidigung, aber das imperiale Washington besteht darauf, dass ihr Zweck aggressiver Natur ist – anders als praktisch bei jeder anderen Nation, die amerikanischen Waffenhändlern Geschäfte anbietet.

 

Zum Beispiel hat Irans Erzrivale auf der anderen Seite des Persischen Golfs, Saudi Arabien, modernere ballistische Raketen mit noch größerer Reichweite (2.600km). Ebenso Israel, Pakistan, Indien und ein halbes Dutzend anderer Länder, die entweder Verbündete Washingtons sind oder eine Sondergenehmigung haben, weil sie damit die US-Waffenexporte ankurbeln.

 

Kurz gesagt ist Washingtons eskalierender Krieg gegen den Iran eine Übung in globaler Hegemonie und keine territoriale Selbstverteidigung. Was sich der Marsmensch wirklich fragen würde ist, wie es im Imperium dazu kommen konnte?

 

Wie konnte sich die historische Idee der Selbstverteidigung in Washingtons arrogante Behauptung verwandeln, man stelle die „Unersetzliche Nation“ dar, die das Bollwerk der Menschheit gegen globale Unordnung und Chaos unter den Nationen darstelle?

 

 

Wie oben angedeutet, ist der Iran nur ein Rechtfertigungsgrund für das Handeln der Unersetzlichen Nation. Aber die anderen momentanen Brennpunkte sind nicht weniger Übungen in hegemonialer Aggression.

 

So hat Washington die ukrainische Konfrontation angefangen, indem es den Umsturz im Februar 2014 gesponsert, finanziert und anerkannt hat, indem eine Russland-freundliche Regierung durch eine militant nationalistische und zutiefst Russland-feindliche Regierung ersetzt wurde. Das hat die tiefen Wunden aufgerissen, die bis zu Stalins brutaler Herrschaft in der Ukraine und de ukrainischen Kollaboration mit Hitlers Wehrmacht auf dem Weg nach Stalingrad und zurück reichen.

 

Damit wurde der durch Angst ausgelöste Separatismus im russischsprachigen Donbass und das 96%-Referendum auf der Krim ausgelöst, um sich formell wieder Mütterchen Russland anzuschließen (die Krim wurde ursprünglich 1783 von den Osmanen gekauft). (Anm.d.Ü.: und in den 1950ern vom Ukrainer Chruschtschow an die Ukraine verschenkt.)

 

Selbst eine flüchtige Vertrautheit mit russischer Geschichte und Geographie würde einen daran erinnern, dass die Ukraine und die Krim Moskaus Angelegenheit sind und nicht die Washingtons.

 

Noch hinterhältiger sind die rhetorischen Provokationen und die Manöver der Siebten US-Flotte, die von Washington angeordnet wurden, bezüglich Chinas lächerlicher Sandburgen im Südchinesischen Meer. Was immer sie auch auf diesen Menschengemachten Inselchen treiben, sie sind keine Gefahr für die Sicherheit Amerikas – und es gibt auch keinen plausiblen Grund anzunehmen, dass sie eine Gefahr für den globalen Handel darstellen.

 

Schließlich sind es die merkantilistischen Ökonomien Chinas und Ostasiens, die sofort zusammenbrechen würden, wenn man versuchen würde, den Welthandel zu unterbrechen.

 

Das heißt, jeder theoretische rote Militärschuh würde zuerst auf die Roten Souveräne Pekings zurückfallen, weil es die harten Deviseneinnahmen ihrer Exportmaschine sind, die das rote Schneeballsystem vor dem Zusammenbruch bewahren und das chinesische Volk für ihre kommunistischen Overlords begeistern.

 

Unnötig zu erwähnen, dass diese Art von Interventionen bis vor 100 Jahren in der schläfrigen Stadt Washington DC überhaupt nicht vorstellbar gewesen wäre. Aber seine unheilvolle Entwicklung von der Hauptstadt einer wirtschaftlich orientierten Republik zum Sitz der Macht in einem global mobilisierten Imperium entspringt letztlich der Weltanschauung von einer Unersetzlichen Nation.

 

So wollen wir in einer mehrteiligen Serie in die historischen Wurzeln dieser Einbildung/Arroganz eintauchen. Denn sie garantieren nicht nur endlosen Katastrophen im Ausland, sondern am Ende auch eine fiskalische und finanzielle Horrorshow im Inland.

 

Ja, solange sich das Imperiale Washington über den Planeten ausdehnt, mit seinen diversen selbsternannten Missionen der Stabilisierung, der „Friedensmissionen“, der Strafaktionen, Angriffen und Besatzungen, solange gibt es Null Chance, dass Amerikas kollabierende finanzielle Bilanz gerettet werden kann.

 

Die Narretei von der Unentbehrlichen Nation hängt somit wie ein modernes Damoklesschwert über der Finanzblase.

 

Aber ein Imperium ist eine zersetzende Regierungskrankheit. Es metastasiert irgendwann in eine imperiale Arroganz, Überdehnung und Selbstherrlichkeit. Und zuletzt, so wie momentan, wird es zur Beute von kriegerischen Kriegstreibern und Schurken.

 

John Bolton und Mike Pompeo sind der lebende Beweis dafür.

 

Und gebt euch auch jetzt keiner Täuschung hin: Trumps Rückzug aus dem Atomabkommen und die drohende Wiedereinsetzung maximaler Sanktionen sind ein kriegerischer Akt unter anderem Namen.

 

Ja, die Feinschmecker des außenpolitischen Establishments betrachten die Wirtschaftssanktionen als eine Art mildtätiges Instrument aufgeklärter Diplomatie – die Karotte, die vor dem Stock kommt. Aber das ist nur scheinheiliges Geschwätz.

 

Wenn man die Tiefseehäfen des Planeten piesackt, um die Erdölverkäufe des Iran zu blockieren, die dessen Haupteinnahmequelle und lebenswichtige Quelle für Devisen sind; oder wenn man den Zugang seiner Zentralbank zum globalen Geldumschlagsystem SWIFT abschneidet; oder wenn man Freund und Feind gleichermaßen dazu drängt, jedes Investment und jeden Handel einzustellen – dann ist das ein Akt der Aggression, der genauso bedrohlich und schädlich ist wie ein Angriff mit Cruise Missiles.

 

Wenigstens wurde das einst so verstanden. Noch 1960 hat der große Dwight Eisenhower (sehr) zögerlich zugestimmt, über Gary Powers U-2 Flugzeug zu lügen, als die Sowjets es abgeschossen und den CIA-Piloten lebend gefangen genommen haben.

 

Aber Ike tat das weil er altmodisch genug war um zu glauben, dass schon das Eindringen in feindlichen Luftraum ohne Genehmigung ein Kriegsakt sei – und das hatte er nicht vor, ungeachtet des Überwachungsprogramms der CIA.

 

Heute dagegen dringt Washington eifrig in den Wirtschaftsraum dutzender fremder Länder ein. In der Tat listet das Office of Foreign Asset Control (OFAC) im Finanzministerium stolz 30 verschiedene Sanktionsprogramme auf, darunter Weißrussland, Burundi, Kuba, Kongo, Libyen, Somalia, Sudan, Venezuela, Jemen und Zimbabwe – neben den sichtbareren Programmen gegen die angeblichen Übeltäter Iran, Russland und Nordkorea.

 

Auch das sind die Spuren eines Imperiums, und nicht die Maßnahmen einer Heimatverteidigung, wie sie einer nach Frieden strebenden Republik anstehen. Denn das würde etwa $250 Milliarden pro Jahr kosten und sich auf eine bereits vorhandene und bezahlte dreifache nukleare Kapazität verlassen, und eine angemessene Navy und Luftwaffe zum Schutz der Küsten der Heimat und des Luftraums.

 

Die zusätzlichen $500 Milliarden in Trumps aufgeblasenem Budget für Nationale Sicherheit in Höhe von $750 Milliarden sind die Kosten für das Imperium. Das ist die vernichtende fiskalische Last, die dem Irrsinn der Unentbehrlichen Nation und der verhängnisvoll falschen Annahme entspringt, der Planet würde ohne die guten Dienste des Amerikanischen Imperiums ins Chaos stürzen.

 

Unnötig zu sagen, dass wir nicht daran glauben, dass der Planet ohne Washingtons Fürsorge dem Chaos anheimfällt. Schließlich verweist die historische Bilanz von Vietnam über Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien und Iran auf das genaue Gegenteil.

 

Genauer gesagt, das Mem von der Unentbehrlichen Nation stammt nicht aus dem universellen Zustand der Menschheit und der Nationalstaaten, in die sie aufgeteilt wurde, sondern aus den einmaligen, außergewöhnlichen und historisch abweichenden Umständen des 20. Jahrhunderts, die in Hitlers Deutschland und in Stalins Russland zu riesigen totalitären Staaten und zu den daraus resultierenden Massenmorden und Unterdrückungen geführt haben.

 

Aber wie wir in Teil 2 ausführlicher beschreiben werden, war das stalinistische Russland und Nazideutschland nicht in die DNA der Menschheit eingeschrieben – als ein Horror, der jederzeit passieren kann.

 

Im Gegenteil, das wurde wirksam im April 1917 geboren und ausgebrütet, als die USA in den sogenannten Großen Krieg eintraten. Und das geschah absolut nicht aus Gründen der Verteidigung der Heimat oder irgendeinem Prinzip, das mit der legitimen Außenpolitik der amerikanischen Republik im Einklang stand.

 

Daher kann man diesen monumentalen Fehler voll und ganz Thomas Woodrow Wilson zuschreiben – einem größenwahnsinnigen Irren, der der absolut schlechteste Präsident in der Geschichte Amerikas war; und der Amerika aus den schlechtest möglichen Gründen in den Krieg führte – dem großspurigen Wunsch, am Friedenstisch der Nachkriegszeit einen gewichtigen Platz zu haben, um die Welt so zu verändern, wie Gott ihn dazu inspiriert hatte, es einzulösen.

 

Die Wahrheit ist jedoch, dass der europäische Krieg nicht die leiseste Bedrohung für die Sicherheit der Bürger von Lincoln in Nebraska, oder Worcester in Massachusetts oder Sacramento in Kalifornien darstellte. In dieser Hinsicht war Wilsons angebliche Verteidigung der „Freiheit der Meere“ und der Rechte der Neutralen eine leere und abgedroschene Plattitüde; sein Aufruf, die Welt für die Demokratie zu sichern, ein lächerliches Hirngespinst.

 

Und ja, die geschüttelte Welt nach dem blutigsten Krieg in der Menschheitsgeschichte war eine Welt, über die Wilson offensichtlich nichts wusste. Und ihr Aufbau war eine Aufgabe, für die er charakterlich ungeeignet war – und seine berüchtigten 14 Punkte waren ein Hirngespinst, die so abstrakt substanzlos waren, dass man sie als mentale Knetmasse bezeichnen kann.

 

Oder wie sein Alter Ego und Speichellecker Colonel House es formulierte: die Intervention hat Wilson in die Lage versetzt, „den edelsten Part zu spielen, den jemals ein Menschensohn erhalten hat“.

 

Und so hat sich Amerika in das europäische Gemetzel gestürzt und für immer seine jahrhundertelange republikanische Tradition des Antimilitarismus und der Nichteinmischung in die Streitereien der Alten Welt verschüttet. Aus Wilsons historisch irrender Kehrtwende entstand am Ende die Narretei mit der Unentbehrlichen Nation. Das sollten wir in die Bilanz dieser Serie aufnehmen.

 

Für jetzt reicht es zu sagen, dass bei Wilsons Intervention überhaupt nichts Nobles herauskam.

 

Sie führte zu einem Frieden rachsüchtiger Sieger, triumphierender Nationalisten und geldgieriger Imperialisten – andernfalls hätte der Krieg mit einem verdreckten Frieden der gegenseitig erschöpften Bankrotteure geendet und auf beiden Seiten mit diskreditierten Kriegsparteien.

 

Mit dieser Veränderung des Laufs der Geschichte hat Wilsons Krieg Europa in den Bankrott geführt und den Totalitarismus des 20. Jahrhunderts in Russland und Deutschland geboren.

 

Diese Entwicklungen haben schließlich zur Weltwirtschaftskrise geführt, zum Wohlfahrtsstaat und der Keynesianischen Ökonomie, zum 2. Weltkrieg, dem Holocaust, dem Kalten Krieg, dem permanenten Kriegsstaat und seinem militärisch-industriellen Komplex.

 

Sie haben auch Nixons Zerstörung des soliden Geldes hervorgebracht, Reagans Versagen bei der Zähmung des Big Government und Greenspans zerstörerischen Kult der monetären Zentralplanung.

 

Daraus entsprangen auch Bushs Interventionskriege und Besatzungen, ihr tödlicher Schlag gegen die gescheiterten Staaten in den Ländern des Islam, die von den imperialistischen Kartenzeichnern in Versailles törichterweise geschaffen wurden und in endlosen Wellen aus Rückschlägen und Terrorismus resultierten, die jetzt die Welt heimsuchen.

 

Und nicht zuletzt ist ein Missstand aus Wilsons Krieg das moderne Schurkenregime mit der Gelddruckerei der Zentralbanken und die Bernanke-Yellen-Powell Plage der Blasenökonomie, die unaufhörlich das Eine Prozent mit den monumentalen Profiten der durch die Zentralbank ermöglichten Spekulation überschüttet.

 

Wie das alles passieren konnte, erfahrt ihr demnächst!

 

 

                                                                                                                      *

 

 

David Stockman war zwei Legislaturperioden Kongressabgeordneter für Michigan. Er war auch Direktor des Office of Management and Budget unter Präsident Ronald Reagan. Nachdem er das Weiße Haus verlassen hat, hatte Stockman eine 20-jährige Karriere an der Wall Street. Er ist Autor von drei Büchern: „The Triumph of Politics: Why the Reagan Revolution Failed“, „The Great Deformation: The Corruption of Capitalism in America“ und „TRUMPED! A Nation on the Brink of Ruin...And How to Bring It Back“. Und er ist Gründer von „David Stockman's Contra Corner“ und „David Stockman's Bubble Finance Trader“

 


https://thesaker.is/the-big-sulk-the-us-is-the-spoiled-brat-at-every-party/

 

Ziemlich üble Laune – die USA sind bei jeder Party der verzogene Fratz

 

15.05.2018

 

Dieser Kommentar wurde vom Moderator HS ausgewählt. Er stammt aus den Kommentaren unter dem Post „Ramin Mazaheri im Sputnik-Interview zum Bruch des JCPOA durch die USA“. Der Moderator ist der Meinung, dass dieser Kommentar dem US-Ausstieg aus dem Iran-Abkommen eine interessante Dimension hinzufügt.

 

Kommentar von Cat Pillar

 

Die USA sehen in dieser Affäre nur deshalb wie die Spinner aus, weil keine der anderen beteiligten Parteien sagt, was das wirkliche Problem ist: Geld.

 

Das „iranische Atomabkommen“ hat einen Scheiß mit iranischen Atomraketen zu tun. Der Iran hat keine Atomraketen gebaut und alle wussten es. Es ging bei dem Deal nur um … die Belohnung dafür, die Atomraketen nicht zu bauen, die sie nicht gebaut haben, d.h. die Aufhebung der US-Sanktionen und die Aussicht auf fantastische Investitionsmöglichkeiten.

 

Aber der Iran handelt in jeder Währung, außer US-Dollar. Das ist es. Keine US-Dollar. Punkt. Darum haben die USA sie überhaupt sanktioniert. Darum haben die Verhandlungen auch 9 Jahre gedauert – Der Iran handelt nicht in US-Dollar – NIIEEMALS. (Die Jungs wissen wie man einen Groll hegt.)

 

Daher gab es vor dem Deal Tauschhandel und Rubel mit Russland, Tauschhandel und Rupien mit Indien usw. Seit die Sanktionen aufgehoben sind gibt es … Trommelwirbel ...Euros! Jetzt erfolgt der Handel, die Geschäfte und Schuldenzahlungen mit dem Iran in Euros.

 

Darum geht es, wenn Trump rumjammert „Sie verletzen den Geist des Deals“ und „Das ist ein sehr schlechter Deal für die USA.“ Ja, das ist er.

 

Es ist ein hübscher Deal für den Iran (sie können handeln und gedeihen). Es ist ein hübscher Deal für die Handelspartner (sie können handeln und investieren). Es ist ein besonders hübscher Deal für die EU (sie bekommen den Handel und Investitionen UND die ganzen Geschäfte in ihrer Währung!) Ganz großes Grinsen in der EU – das ist echt „Geld umsonst“. Jeder andere, der mit dem Iran handelt, kauft und verkauft mit Euros und weil der Euro ihre eigenen Währung ist – müssen sie auch für den Kauf/Verkauf von Euros nichts bezahlen. Nette groooße Einsparungen – die Sahne auf der Torte.

 

Aber die USA bekommen so gut wie nix! Weil sie mit dem Iran nicht Handel treiben (ok, so gut wie nix) UND … sie bekommen nichts von den grenzüberschreitenden Transaktionsgebühren, weil der Handel nicht in USD geschieht. … jedesmal 9% wenn ein Dollar gekauft oder verkauft wird – das ist verdammt viel neu gedrucktes Geld, das sie nicht bekommen!

 

Also versuchen die USA die Handelspartner des Iran zu zwingen, ihnen die Milliarden in Bußgeldern zu zahlen, die sie ansonsten bekommen hätten, wenn die ganze Geschäftemacherei in Dollar abgewickelt würde. (Jene Milliarden, die stattdessen an die EU gehen.)

 

Die Rhetorik ist nur hohles Geklapper.

 

Folge dem Geld!

 


https://www.paulcraigroberts.org/2018/05/14/putins-strategy-finally-beginning-work/

 

Fängt Putins Strategie endlich an zu wirken?

 

Von Paul Craig Roberts, 14.05.2018

 

 

Ich habe das christliche Verhalten des russischen Präsidenten Wladimir Putin schon erklärt, wenn er bei den Provokationen des Westens seine andere Wange hinhält, um Europa davon zu überzeugen, dass Russland vernünftig handelt, aber Washington nicht . Und dass Russland für Europas Interessen und Souveränität keine Gefahr darstellt, aber Washington schon. US-Präsident Donald Trump könnte durch seine Gefälligkeit gegenüber Israel und den Rückzug aus dem multinationalen iranischen Atomabkommen der Strategie Putins zum Erfolg verholfen haben.

 

Die drei wichtigsten europäischen Vasallenstaaten Washingtons, Britannien, Frankreich und Deutschland, widersetzen sich Trumps einseitigen Aktionen. Trump ist der Meinung, dass das multinationale Abkommen allein von Washington abhängt. Wenn Washington das Abkommen aufkündigt, dann ist das das Ende des Abkommens. Es spielt keine Rolle, was andere Vertragspartner wollen. Folglich will Trump die früheren Sanktionen gegen Geschäfte mit dem Iran wieder einführen und neue Sanktionen hinzufügen. Sollten Britannien, Frankreich und Deutschland mit ihren Geschäftsverträgen mit dem Iran weitermachen, dann wird Washington auch seine Vasallenstaaten sanktionieren und Aktivitäten britischer, französischer und deutscher Firmen in den USA verbieten. Washington glaubt, dass die europäischen Profite in den USA jene übersteigen, die man mit dem Iran machen kann und daher auf die Linie Washingtons einschwenken werden, so wie es die Vasallenstaaten in der Vergangenheit getan haben.

 

Und so könnte es kommen. Aber dieses Mal gibt es Nebenwirkungen. Ob sich das auf die starken Worte über einen Bruch mit Washington beschränkt, bleibt abzuwarten. Trumps neokonservativer und pro-israelischer Nationaler Sicherheitsberater John Bolton hat europäischen Firmen befohlen, ihre Geschäfte mit dem Iran abzusagen. Trumps Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, hat deutschen Firmen befohlen, sofort ihre Geschäftsaktivitäten mit dem Iran einzuschränken. Die Schikane Europas und die unverblümte Missachtung europäischer Interessen durch die USA haben die langjährige Unterwerfung Europas plötzlich allzu offensichtlich und unangenehm gemacht.

 

Bundeskanzlerin Angela Merkel, bisher eine loyale Washingtoner Marionette, sagte, dass Europa Washington nicht länger vertrauen könne und „sein Schicksal in die eigenen Hände nehmen müsse“.

 

Der Europäische Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagte, dass Washingtons Führung versagt habe und dass es an der Zeit sei, dass die EU die Führungsrolle übernehmen und „die Vereinigten Staaten ersetzen“ müsse. Verschiedene Minister aus der französischen, britischen und deutschen Regierung haben sich dieser Meinung angeschlossen.

 

Das Titelblatt des deutschen Magazins Der Spiegel zeigt zur Schlagzeile „Goodbye Europe!“ Trump, wie er Europa den Stinkefinger zeigt. Das Magazin erklärt, dass es „für Europa an der Zeit ist, dem Widerstand beizutreten“.

 

Auch wenn europäische Politiker für ihr Vasallentum gut bezahlt worden sind, könnten sie das jetzt als eine unwürdige und unangenehme Last empfinden.

(Anm.d.Ü.: Ich denke hier irrt PCR. Der „Widerstand“ bezieht sich einzig und allein auf die Person Trump. Alles andere aus Washington wird geschluckt.)

 

Ich respektiere zwar die Tugend Putins, dass er nicht auf Provokationen mit Provokationen antwortet, aber ich habe meine Sorge zum Ausdruck gebracht, dass Putins Hinnahme der Provokationen zu noch mehr Provokationen ermutigen, die sich in ihrer Intensität steigern werden, bis ein Krieg oder eine Kapitulation Russlands die einzigen Optionen sind. Aber sollte die russische Regierung eine aggressivere Haltung gegenüber den Provokationen einnehmen, so würde das Gefahren und Kosten dieser Provokationen für die Europäer bringen, deren Zustimmung zu Washington die Provokationen erst ermöglichen. Jetzt sieht es so aus, als hätte Trump selbst den Europäern diese Lektion erteilt.

 

Russland hat mehrere Jahre der syrischen Armee dabei geholfen, Syrien von jenen Terroristen zu säubern, die Washington geschickt hat, um die syrische Regierung zu stürzen. Aber trotz der russisch/syrischen Allianz macht Israel mit seinen illegalen militärische Attacken auf Syrien weiter. Diese Angriffe könnten gestoppt werden, wenn Russland Syrien mit dem Luftverteidigungssystem S-300 ausrüsten würde.

 

Israel und die USA wollen nicht, dass Russland das S-300 Luftverteidigungssystem an Syrien verkauft. Denn Israel will Syrien weiterhin angreifen. Und die USA wollen, dass Syrien weiterhin angegriffen wird. Denn sonst würde Washington Israel einbremsen.

 

Mehrere Jahre bevor Washington seine islamistischen Stellvertreter zum Angriff auf Syrien geschickt hat, hat Russland dem Verkauf von modernen Luftverteidigungssystemen an Syrien zugestimmt. Aber man hat sich Washington und Israel gebeugt und die Systeme nicht ausgeliefert. Jetzt hören wir nach dem Besuch Netanjahus in Russland von dem Putin-Berater Wladimir Kozhim, dass Russland seine modernen Luftverteidigungssysteme weiterhin nicht an Syrien liefert.

 

Vielleicht glaubt Putin, er müsse das tun um Washington keinen Vorwand zu liefern, Europa wieder in Reih und Glied mit Washingtons aggressiver Politik zu bringen. Für alle, die das nicht so sehen, lässt es Russland jedoch wieder einmal schwach erscheinen und nicht dazu bereit, einen Alliierten zu verteidigen.

 

Falls Putin glaubt, dass er auf Netanjahu irgendeinen Einfluss bezüglich einer friedlichen Lösung mit Syrien und Iran habe, dann hat die russische Regierung nicht verstanden, was Israels Absichten sind oder was die 17 Jahre Krieg aus Washington im Nahen Osten bedeuten.

 

Ich hoffe, dass Putins Strategie funktioniert. Falls nicht, so muss er seine Haltung gegenüber den Provokationen ändern oder es wird zu einem Krieg kommen.

 


https://journal-neo.org/2018/05/14/brzezinski-s-ghost-shapes-washington-eurasia-geopolitics/

 

Der Geist von Brzezinski formt die eurasische Geopolitik Washingtons

 

von F. William Engdahl, 14.05.2018

 

 

Eines der herausragendsten Kennzeichen einer wahrlich bemerkenswerten Trump-Präsidentschaft ist bisher (wenn wir mal das absichtliche Theater mit Tweets und Skandalen beiseite lassen), wie präzise die aktuellen politischen Entwicklungen einer grundlegenden Strategie in der Geopolitik Washingtons folgen. Das reicht mindestens bis 1992 zurück. Das trifft für die vor kurzem getroffene, unglückliche und durchaus illegale Entscheidung zum Ausstieg aus dem iranischen Atomabkommen zu. Das trifft auch im Fall der unaufhörlichen Verteufelungskampagne á la Kalter Krieg gegen Russland und die Einsetzung bösartiger, neuer Sanktionen zu. Und das gilt auch für den drohenden Handelskrieg , den die Trump-Regierung mit der Volksrepublik China angefangen hat.

 

Im Gegensatz zu dem weitverbreiteten Glauben, US-Präsident Trump handele nur impulsiv oder er sei unberechenbar, glaube ich, dass das Gegenteil zutrifft. Die strategischen geopolitischen Entscheidungen der Trump-Regierung sind eine Antwort, nicht des Präsidenten selbst, sondern eher der Mächtigen, des permanenten Establishments, das in Wahrheit das kontrolliert was man den Tiefen Staat nennt. Die Geopolitik dieser Politik bestimmt zu einem großen Teil, wen sie als Präsidenten zulassen.

 

Die erste offizielle Formulierung der heutigen Außenpolitik Washingtons stammt von 1992, als Dick Cheney unter Bush Senior Verteidigungsminister war. Die Sowjetunion war zusammengebrochen und Bush hatte triumphal Amerika zur einzigen Supermacht ernannt. Cheneys Stellvertreter Paul Wolfowitz war in der Zeit von 1994-1999 für die Ausarbeitung eines Leitfadens für die Verteidigungsplanung verantwortlich. Das Ergebnis war unverblümt und wurde später vom Senator Ted Kennedy als imperialistisch beschrieben. In Teilen besagt die uneditierte Wolfowitz-Doktrin: „Unser vorrangiges Ziel ist es, den erneuten Aufstieg eines neuen Rivalen zu verhindern, sei es auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion oder anderswo... jede feindliche Macht daran zu hindern, eine Region zu kontrollieren, deren Ressourcen unter einer gefestigten Kontrolle ausreichen würden, eine globale Macht zu erzeugen.“ Unter George W. Bush tauchte nach 2002 die Wolfowitz-Doktrin erneut als Bush-Doktrin auf, als Vorbereitung des Irak-Kriegs. Darin wird der Unilateralismus und der Einsatz von Präventivkriegen als zentral für die US-Politik genannt

 

Grundlegende Geopolitik

 

Um auf meinen Titel zurückzukommen, zitiere ich aus dem Buch des verstorbenen Präsidentenberaters Zbigniew Brzezinski, „Die einzige Weltmacht: Amerikanische Strategie der Vorherrschaft“, um darzulegen, was heute unter Trump die US-Außen- und Verteidigungspolitik ist. Es handelt sich um nichts weiter als die Ansprache der geopolitischen Herausforderungen von Brzezinski und die Idee des Präventivkriegs der Bush-Wolfowitz-Doktrin im Zusammenhang mit dem heute entstehenden Widerstand gegen Amerikas Dominanz als einzige Supermacht.

 

Brzezinski war natürlich der Architekt von Jimmy Carters afghanischem Krieg gegen die sowjetische Armee, mit dem Einsatz islamisch-terroristischer Mudschahedin, die vom CIA, dem saudischen Geheimdienst und der pakistanischen ISI trainiert wurden.

 

1997 schrieb er, dass es „zwingend erforderlich ist, dass kein eurasischer Herausforderer entsteht, der in der Lage ist, Eurasien zu dominieren und damit Amerika herauszufordern.“ Weiter erklärte er: „Potentiell wäre das gefährlichste Szenario eine 'anti-hegemoniale' Koalition, die sich nicht aus Ideologie vereint, sondern aus komplementären Missständen... eine große Koalition aus Russland, China und vielleicht dem Iran... Um diese Möglichkeit zu verhindern... braucht es gleichzeitige geopolitische Fähigkeiten der USA an den westlichen, östlichen und südlichen Grenzen Eurasiens.“

 

Wenn wir dazu das jüngste Dokument des Pentagon zur Nationalen Verteidigungsstrategie hinzufügen, welches Russland und China als die größten potentiellen Bedrohungen für die amerikanische Hegemonie definiert, und das mit den wachsenden Beziehungen zwischen Russland, China und dem Iran seit der Aufhebung der Sanktionen 2015 kombinieren, vor allem in Syrien, dann wird deutlich was Washington macht. Es handelt sich um den umfassenden Versuch, Russland, China und Iran zu zerschlagen, was ich als die Eurasische Herausforderung an den einzigen Hegemon bezeichne.

 

Wie Brzezinski dargelegt hat, spielt es für die amerikanischen Zwecke einer fortgesetzten Dominanz keine Rolle, dass es zwischen Russland, China und dem Iran ethnische, religiöse und andere Differenzen gibt. Die US-Außenpolitik seit September 2001 hat diese drei zunehmend zu einer Kooperation gezwungen, trotz der Differenzen. Denn sie sehen das als eine Verteidigung ihrer nationalen Souveränität.

 

Das Ziel Russland...

 

Betrachtet die jüngsten Ereignisse im Licht der Brzezinski-Warnung zu Eurasien von 1997. Washington hat sich bei der vorgespielten Skripal-Vergiftung, die ohne Beweise Russland in die Schuhe geschoben wurde, hinter Großbritannien gestellt. Ein gefälschter Chemiewaffenangriff außerhalb von Damaskus wurde dann als Vorwand für eine illegale US-Bombardierung benutzt, dabei wurden alle Grundsätze der UN-Charta und des internationalen Rechts missachtet. Im Nachhinein war das eher ein Test für eine mögliche russische Reaktion. Ob jetzt die Tomahawks und andere Raketen der USA getroffen haben oder nicht – für Israel und andere US-Alliierte wurde ein Präzedenzfall geschaffen, um die Angriffe auf den Iran in Syrien zu eskalieren.

 

Dann sind da die teuflischen, neuen und lähmenden Sanktionen gegen „Putins Oligarchen“, etwa gegen Deripaska und Rusal, den weltweit zweitgrößten Aluminiumproduzenten. Washington sucht schon gar nicht mehr nach Ausreden für neue Sanktionen. Sie geben als Grund einfach an, dass die russische Regierung „in eine Reihe bösartiger Aktivitäten weltweit“ verwickelt ist.

 

Die neuen Sanktionen bestrafen jede Bank im Westen oder Investoren, die Anteile an den sanktionierten russischen Firmen haben, selbst wenn sie vor den neuen Sanktionen erworben wurden. Das ist die neue Form des Finanzkriegs des US-Finanzministeriums, genauso tödlich wie ein heißer Krieg, wenn nicht mehr. Das wurde in Folge von 9/11 entwickelt und wurde seither zu einer vernichtenden Waffe der Kriegsführung verfeinert. Es nutzt die Tatsache aus, dass die Welt durch eine ökonomischen Globalisierung im Handel und bei den Zentralbankreserven in überwältigenden Maße immer noch auf den Dollar angewiesen ist.

 

Erstmalig ist unter den jüngsten Sanktionen gegen russische Oligarchen und Firmen nicht nur der künftige Zugang zu Krediten auf den westlichen Kapitalmärkten blockiert. Nichtrussische Investoren, die in den vergangenen Jahren Milliarden in ausgewählte russische Firmen investiert haben, müssen panikartig ihre Investitionen liquidieren oder sie bekommen es mit sekundären Sanktionen für ihre russischen Beteiligungen zu tun. Aber wer wird kaufen? Die zwei größten Clearingesellschaften in der EU, Clearstream und Euroclear, wurden bereits dazu gezwungen, die Verwahrung sanktionierter russischer Sicherheiten zu verweigern. Auch die Verwahrung russischer Aktien stellt sie vor Sanktionen. Angenommen, eine chinesische Staatsbank leiht sich Geld im Dollarmarkt, so ist es ihr praktisch verboten, Geschäfte mit sanktionierten russischen Firmen zu tätigen.

 

Das Ziel China...

 

Während Washington den Druck auf Putins Russland wegen Syrien und der Ukraine erhöht, beginnt man die erste Stufe eines Wirtschaftskriegs mit China, der eindeutig verheerend sein wird. Dazu benutzt man den Handel als Hebel. Wie ich in einem früheren Artikel beschrieben habe, zielt Washington darauf ab, China dazu zu zwingen, seine Strategie aufzugeben, seine Wirtschaft in den nächsten zehn Jahren zu einem führenden Hi-Tech-Produzenten zu machen. Die Strategie nennt sich China 2025 und ist das Herzstück von Xi Jinpings strategischem Plan der Belt Road Initiative, auch Projekt der wirtschaftlichen Seidenstraße genannt.

 

Ein erster Vorgeschmack dessen was Washington plant, um Chinas Schritte zu einem Hi-Tech Weltführer gemäß China 2025 zu vereiteln, ist die Behandlung der führenden chinesischen Telekom-Hersteller ZTE und Huawei, zwei Herausforderer von Apple. ZTE wurde im April von Washington sanktioniert, wegen angeblicher Verkäufe von Telekommunikationsausrüstung an den Iran. US-Zulieferern wurde untersagt, wichtige Komponenten an die chinesische Tech-Firma zu liefern. Die Firma hat vorübergehend ihren Betrieb eingestellt und versucht derzeit, einen Aufschub durch die USA zu erreichen.

 

Das Ziel Iran...

 

Und nun zerreißt unter heftigen Protesten aus Deutschland, Frankreich und anderer EU-Staaten Trump einseitig das iranische Atomabkommen. Das Ziel ist eindeutig die Wiedereinführung lähmender Sanktionen gegen den Iran und die kleinen Fortschritte seit 2015 zu zerstören. Die Tatsache, dass sich die EU weigert, das Abkommen aufzukündigen, wird am Ende wenig Bedeutung haben, da die US-Sanktionen gegen den Iran auch EU-Firmen mit Sanktionen bedrohen, die mit dem Iran Geschäfte machen.

 

Ein Teil von Trumps Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran ist, dass die USA anderen Ländern wie China, Japan oder EU-Ländern 180 Tage Zeit geben, alle Kaufverträge für iranisches Erdöl zu kündigen. Europäische Firmen wie Airbus, die milliardenschwere Aufträge für Flugzeugkäufe im Iran haben, werden gezwungen sein, diese aufzukündigen. Ab 6. August wird der Kauf von US-Dollar, der Handel mit Gold und bestimmten anderen Metallen sanktioniert, ebenso die Luftfahrt- und die Automobilindustrie. Nach dem 4. November werden die US-Sanktionen die iranischen Finanz- und Erdölinstitutionen betreffen und die Sanktionen gegen Personen auf der früheren Sanktionsliste des US-Finanzministeriums werden wieder eingeführt.

 

Das eindeutige Ziel ist, diese vernichtenden neuen Waffen des US-Finanzministeriums gezielt einzusetzen, um die zerbrechliche Wirtschaft des Iran in eine Krise zu stürzen. Zur gleichen Zeit gibt es Berichte, dass der Nationale Sicherheitsberater John Bolton für eine Stärkung der iranischen Mudschadin Khalq (MEK) wirbt, eine terroristische Organisation, die erneut eine Farbrevolution auslösen soll. MEK wurde 2012 von der Terrorliste des US-Außenministeriums gelöscht, unter der Außenministerin Clinton.

 

CENTCOM

 

Treten wir einen Schritt von den speziellen Details eines jeden Landes und den Aktionen Washingtons gegen jedes dieser Länder zurück, so sehen wir, dass die drei eurasischen Mächte – Russland, China und Iran – systematisch und bisher mit unterschiedlichem Erfolg aufs Korn genommen werden.

 

Ende Februar hat General Votel, der Kommandeur des US Central Command, oder CENTCOM, den DoD News ein Interview gegeben. Darin erwähnt Votel neben Russland und insbesondere dessen Verwicklung in Syrien und neben China mit seiner neuen Belt Road Initiative und dessen Militärbasis in Dschibuti und anderswo auch die Verbindungen der beiden zum Iran. Votel sagt, dass „sowohl Russland als auch China multidimensionale Beziehungen zum Iran unterhalten. Die Aufhebung der Sanktionen gemäß dem Joint Comprehensive Plan of Action eröffne dem Iran den Weg für eine volle Mitgliedschaft in der Shanghai Cooperation Organization.“

 

Witzigerweise erzeugt die gleichzeitige Eröffnung eines Dreifrontenkriegs, wenngleich es derzeit nur ein Wirtschaftskrieg ist, einen strategischen Bedarf der drei Mächte zu einer noch engeren Zusammenarbeit. China ist der größte Abnehmer für iranisches Erdöl. Russland liefert militärische Ausrüstung und verhandelt über viele weitere Dinge. Jeder in diesem Dreieck – China, der Iran und Russland – hat aus Gründen des Selbsterhaltungstriebs keine bessere Option, als Angesichts von Washingtons geopolitischem Dreifrontenkrieg noch mehr als bisher zusammenzuarbeiten – bei allem Misstrauen oder allen Differenzen.


https://thesaker.is/iran-trumps-broken-deal-maneuver-to-war/

 

Der Iran – Trumps Vertragsbruch – ein Kriegsmanöver?

 

Von Peter Koenig, 11.05.2018

 

 

Trumps „Vertragsbruch“, seine irrationale Entscheidung, sich aus dem JCPOA zurückzuziehen, einfach das iranische Atomabkommen genannt, hat kaum ein anderes Motiv als eine weitere Provokation zu einem Krieg. Die Entscheidung ist total unvernünftig. Wir sollten nicht vergessen, dass der Deal neun Jahre diplomatische Bemühungen beanspruchte, Verhandlungen unter dem Namen „5+1“ der Mitglieder des UN-Sicherheitsrats, plus Deutschland – und natürlich dem Iran. Er wurde schließlich am 14. Juli 2015 in Wien unterzeichnet.

 

Ein kurzer Rückblick: Von Anfang an, schon in Trumps Präsidentschaftswahlkampf, war er gegen den Deal. Es sei ein schlechter Deal, „der schlechteste, den Obama machen konnte“ – er hat das immer wiederholt, ohne zu sagen, was daran schlecht sei. Und er hat auch nicht verraten, wer der „Flüsterdolmetscher“ war, der dieses Mal nicht zu Obama mit seinen unvernünftigen Anliegen vordringen konnte.

 

Ich vermute, dass Trump nicht wusste, und auch heute noch nicht weiß, was an dem Deal schlecht war/schlecht sein soll. Jeder Deal, der ein Land nuklear abrüstet, ist ein Deal für den Frieden und damit ein guter Deal, zumindest wenn man die Gewinnmotive für Krieg außer acht lässt. Die Gründe, die Trump bei seiner Ankündigung zum Ausstieg aus dem Nuklearabkommen angegeben hat – man könne dem Iran nicht trauen, der Iran sei ein terroristisches Land, das alQaeda und andere Terrorgruppen unterstütze, das ballistische Raketensystem des Iran, und so weiter und so fort... diese Gründe sind lächerlich, es sind Lügen, widersprüchlich und haben nichts mit der Substanz des Deals zu tun – was Trump offen gesagt in seiner breiten und weitreichenden Bedeutung bis zum heutigen Tag nicht ganz versteht, was traurig ist.

 

Was er aber versteht, das sind seine sehr engen Verbindungen zu Israel, besser gesagt zu seinem Kumpel Bibi Netanjahu. Und das nicht zuletzt dank Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn, der langgehegte Geschäftsverbindungen zu Israel hat und auch eng mit Netanjahu befreundet ist. Selbst die Massenmedien erwähnen diese Tatsache. Aber das ist nur ein zusätzliches Gewicht in Trumps Vorliebe für Israel,denn das Sagen in der US-Außenpolitik hat der finstere, tiefe Staat, der sich aus Typen wie Netanjahu zusammensetzt. Trump weiß, dass das politische und sonstige Überleben davon abhängt, wie ordentlich man deren Befehlen folgt.

 

                                                                                                            *

 

Aber zurück zur Realität: Erstens hat die Atomkommission in Wien (IAEA) bis zuletzt bestätigt, dass der Iran nicht die Absicht hat, ein nukleares Waffenprogramm zu starten. Sie haben diesen Befund seit der Unterzeichnung des Deals acht Mal bestätigt. Zweitens: die europäischen Alliierten – sprich Vasallen – haben bis jetzt ihre starke Meinungsverschiedenheit zu Trumps Entscheidung zum Ausdruck gebracht, vor allem die drei M's – May, Merkel und Macron. Der weniger edle Grund dafür könnte mit ökonomischen Interessen zu tun haben, denn sie haben mit dem Iran bereits milliardenschwere Handels- und Technologieverträge abgeschlossen. Drittens: selbst die gemäßigte und diplomatische Außenministerin der Europäischen Union, Federica Mogherini, sagte deutlich, dass es keinen Grund für einen Ausstieg aus dem Deal gebe und dass die EU sich an den Deal halten werde. Die EU hat in der Vergangenheit jedoch eher demonstriert, dass sie kein Rückgrat besitzt. Haben sie jetzt – aus Geschäftsgründen – plötzlich entschieden, dass sie sich ein Rückgrat zulegen? – Das wäre schön, aber bisher ist es nur ein Traum.

 

Natürlich werden Russland und China an dem Deal festhalten. Schließlich ist ein internationales Abkommen ein internationales Abkommen. Der einzige Schurkenstaat auf dem Globus, und selbsternannte außerordentliche Nation, denkt da aber anders. Buchstäblich bei jeder Gelegenheit, wenn es ihnen gefällt. Und in diesem Fall macht es für die Vereinigten Staaten nicht einmal Sinn sich zurückzuziehen. Im Gegenteil. Theoretisch könnte der Iran jetzt sofort mit einem Nuklearprogramm anfangen und in paar Jahren oder früher wären sie mit Nuklearwaffen ausgerüstet.

 

Aber der Iran ist eine kluge und zivilisierte Nation. Man hat das Nichtverbreitungsabkommen unterzeichnet und zumindest bisher hat Irans Präsident Hassan Rouhani verkündet, sich daran zu halten. Das könnte sich natürlich ändern, je nachdem wie sich die Europäer in Zukunft verhalten. Werden die dem Druck aus USA nachgeben? Oder werden sie endlich ihre Souveränität zurückerlangen und eine unabhängige, autonome europäische Einheit werden, die in der Lage und bereit dazu ist, Geschäftsbeziehungen mit jedem aufzunehmen, wenn sie es für richtig halten, unabhängig von illegalen US-Sanktionen? Das würde natürlich den Iran und normalisierte Beziehungen zu Russland einschließen, ihrem natürlichen Partner über Jahrhunderte, bevor die außergewöhnliche Nation aufstieg. – Die Zeit wird zeigen, ob das nur ein Hirngespinst ist.

 

Was erwarten sich also Trump und seine Puppenmeister von diesem ungesetzlichen Ausstieg aus einem internationalen Abkommen? – Ein Schritt zu einem „Regimewechsel“? – Wohl kaum. Sie wissen bestimmt, dass sie mit dieser undiplomatischen Entscheidung Präsident Rouhani in das Lager der Hardliner treiben, jener große Fraktion im Iran, die von Anfang an gegen diesen Deal war.

 

Diese Entscheidung ist auch ein Rückschlag für die „Fünfte Kolonne“ der Atlantiker, die im Iran ziemlich stark ist. Sie sehen sich vom Westen verlassen und jetzt ist klar, dass der Iran jenen Kurs beschleunigen wird, den man bereits eingeschlagen hat, nämlich die Hinwendung zum Osten, mit einer Mitgliedschaft in der Eurasischen Wirtschaftsunion und mit einem formellen Aufnahme in die Shanghai Cooperation Organization (SCO) als reguläres Mitglied. Bei beiden haben Russland und China den Vorsitz.

 

Und nicht zu vergessen, Präsident Xi Jinping hat kürzlich glasklar gesagt, dass der Iran ein überaus wichtiges Bindeglied innerhalb der Neuen Seidenstraße sein wird, der BRI oder Belt and Road Initiative, einem chinesischen sozio-ökonomischen und kulturellen Vorhaben, das vermutlich die nächsten paar hundert Jahre bestimmen wird, mit Billionen an Investitionen für Transport, industrielle Fertigung, Erziehung, Forschung und kulturelle Infrastruktur. Die Verbindung Asiens mit dem westlichen Europa, Afrika, dem Nahen Osten und sogar Südamerika. BRI ist sogar in der chinesischen Verfassung verankert.

 

Es gibt einen guten Grund, warum dieses gigantische chinesische Programm in den westlichen Massenmedien kaum erwähnt wird. – Jene Konzern-Oligarchen, die diese Medien kontrollieren, wollen nicht, dass die Welt über die betrügerische Wirtschaft des Westens Bescheid weiß, aufgebaut auf Schulden und einem monetären Pyramidensystem (einem riesigen Schneeballsystem), das allmählich einfällt und jene, die daran festhalten, alleine und im Elend zurücklässt.

 

Nun, Präsident Xi bietet – ganz in friedlicher, chinesischer Tao-Tradition – den Ländern der Welt an, dieser großen sozio-ökonomischen Initiative beizutreten – ohne Druck – nur ein Angebot. Viele haben das bereits akzeptiert, darunter der Iran, Indien, Türkei, Griechenland... und der Druck aus der Geschäftswelt und von Politikern in Europa, Teil dieses fantastischen Projekts zu werden, nimmt zu. BRI ist ein unaufhaltsamer Zug.

 

Welchen Nutzen werden US-westliche Sanktionen für einen Iran haben, der sich vom Westen löst? Und der sich immer weiter von der westlichen Wirtschaft und ihrem Geldsystem verabschiedet? – Gar keinen. Wie Mr. Rouhani sagte, wird der Iran kurzzeitig Einbußen erleiden, aber am Ende „werden wir uns schließlich erholen“. Nur weil man zwischen dem Westen und dem Osten laviert – eine Linie, die Präsident Rouhani zu gehen versucht hat, haben die westlichen Sanktionen irgendeine Bedeutung. Von diesem Standpunkt aus kann man leicht erkennen, dass sich Trump selbst in den Fuß geschossen hat.

 

Aber es gibt da diesen anderen Zweig des Tiefen Staats – der Militär-Sicherheits-Industrie-Komplex – diese Multi-Billionen Dollar Kriegsmaschine – ein Apparat, der sich größtenteils selbst füttert: er produziert um zu zerstören und er muss immer mehr zerstören um sein Überleben zu garantieren. Das würde erklären, warum Obama zwei Kriege geerbt hat und seine Präsidentschaft mit sieben Kriegen beendete – die wurden an Trump weitergereicht, und der tut sei Bestes um sie am Laufen zu halten. Aber das reicht nicht, er braucht neue Kriege um das bodenlose Kriegsmonster zu füttern – denn dieses Monster ist zu einem Synonym für die US-Wirtschaft geworden. Das heißt: ohne Krieg bricht die Wirtschaft zusammen.

 

Die Kriege halten auch die Wall Street am Leben. Krieg ist, so wie der Immobilienmarkt, Schulden-finanziert. Außer dass die Kriegsgelder Staatsschulden sind, die nie zurückgezahlt werden – daher Ponzi-Schema oder Schneeballsystem. Neues Geld, neue Schulden, aus dem Nichts erzeugt, refinanzieren alte Schulden und häufen sich zu Schulden auf, die nie zurückgezahlt werden. 2008 hat dass General Accountability Office (GAO) (Anm.d.Ü.: der US-Rechnungshof) bei „nicht erfüllten Verpflichtungen“, oder „ungedeckten Verbindlichkeiten“, die projizierte Schuld über die nächsten fünf Jahre auf $48 Billionen geschätzt, etwa das 3,2 fache des BIP. Im April 2018 betrug das BIP in etwa $22 Billionen, im Vergleich dazu betragen die ungedeckten Verbindlichkeiten etwa $140 Billionen, fast das 6,5 fache des BIP. Ponzi würde sich mit einem riesigen Lächeln im Grabe umdrehen.

 

Da Washingtons Außenpolitik von zionistischen Think Tanks geschrieben wird, ist es verständlich, dass mehr Kriege benötigt werden. Ein großer Kandidat ist der Iran. Aber warum? Der Iran tut niemandem weh, das gleich gilt für Syrien – keinem tun sie weh, auch nicht der Irak, oder Libyen. Dennoch gibt es eine gewisse Gruppe von Leuten, die wollen, dass diese Länder zerstören werden. Es ist der winzige kleine Schwanz, der mit dem Monster-Hund wedelt – für die Ressourcen und ein Greater Israel – wie inoffizielle Karten bereits andeuten – das sich vom Euphrat über das Rote Meer bis an den Nil erstreckt und Teile von Syrien, Irak, ganz Palästina natürlich, Jordanien, Saudi Arabien und Ägypten absorbiert.

 

Quelle: globalsecurity.org

 

Jene, die die US Think Tanks kontrollieren, stellen sicher, dass dieses Ziel in den Köpfen der US-Entscheider verankert wird. Das würde für den Plan einer globalen Hegemonie des Auserwählten Volkes (nicht zu verwechseln mit der „außerordentlichen Nation“) eine riesige Errungenschaft bedeuten. Obwohl der Iran in diesem Bild nicht enthalten ist, so wäre der Iran der ernsteste und geeignetste Gegner – Feind – in einem solchen Plan.

 

Mit dem Bruch des Atomabkommens erwarten Trump und sein Meister , vor allem Netanjahu, jetzt oder später eine heftige Reaktion des Iran. Und wenn keine solche Reaktion kommt, dann eine False Flag – sagen wir eine Rakete auf Israel, dann würden sie behaupten, dass das aus dem Iran kommt – und Bingo, die gehirngewaschene Bevölkerung des Westens schluckt das und es gibt einen Grund für eine direkte Konfrontation zwischen Israel und dem Iran – natürlich mit Unterstützung Washingtons. Das wäre dann der Krieg Nummer 8 seit Obama Anfang 2009 übernommen hat. Und das würde jede Menge Tod und Zerstörung bringen – und sehr wahrscheinlich Russland und China involvieren – und – würde das nur ein konventioneller Krieg innerhalb des Nahen Ostens bleiben? – Oder würde sich das global über den Planeten als nuklearer 3. Weltkrieg ausbreiten? – Würden die herrschenden Eliten ihr eigenes Leben riskieren? Man weiß es nicht. Das Leben in einem Bunker ist nicht so hübsch wie in einer Luxusvilla oder auf einem Luxusboot. Das wissen sie.

 

Das ist das Dilemma, das die meisten, die hinter Trumps Entscheidung stehen, wohl noch nicht ganz durchdacht haben. Zugegeben, es ist nicht leicht, geradeaus und vor allem voraus zu denken, wenn man durch Gier und sofortigen Profit verblendet ist – so wie es die westliche neoliberale/faschistische Doktrin diktiert.

 

Meine Vermutung ist, aber nagelt mich da nicht fest, dass diese Trump-Entscheidung, den „Deal zu brechen“, der Beginn eines katastrophalen und dabei immer schnelleren Niedergangs des globalen westlichen Hegemonie-Projekts sein wird.

 

 

 

Peter Koenig ist Ökonom und geopolitischer Analyst. Er ist auch Spezialist für Wasserressourcen und die Umwelt. Er arbeitet über 30 Jahre lang rund um die Welt für die Weltbank und die WHO auf dem Gebiet von Umwelt und Wasser. Er hält an Universitäten in den USA, Europa und Südamerika Vorträge. Er schreibt regelmäßig für Global Research, ICH, RT, Sputnik, Press TV, The 21st Century, TeleSur, The Vineyard of the Saker Blog und andere Webseiten. Er ist Autor von „Implosion – An Economic Thriller about War, Environmental Destruction and Corporate Greed“, einem auf Fakten und 30 Jahren Erfahrung rund um die Welt bei der Weltbank basierenden Roman. Er ist auch Koautor von „The World Order and Revolution! – Essays from the Resistance“.

 

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https://caitlinjohnstone.com/2018/05/11/iran-is-completely-different-this-us-led-regime-change-will-totally-work/

 

Der Iran ist ganz was anderes! Dieser US-geführte Regimewechsel wird funktionieren!“

 

von Caitlin Johnstone, 11.05.2018     (zahlreiche links im Original)

 

 

Es gibt in dem Comic-Streifen Peanuts einen Running Gag, wo ein zur Glatze neigendes, depressives Kind namens Charlie Brown von seiner sadistischen Nachbarin Lucy dazu überredet wird, einen Football zu kicken. Charlie Brown lehnt den Vorschlag von Lucy zunächst ab, denn er erinnert sich daran, dass Lucy jedesmal, wenn er den Football kicken will, den Ball in letzter Sekunde wegzieht und er unter Schmerzen und erniedrigt auf die Schnauze fällt. Aber er, ganz der Trottel, gibt dann doch den Beteuerungen Lucys nach, dass es dieses Mal ganz anders sei.

 

Dieser Gag fällt mir immer ein, wenn mir Trump-Unterstützer beteuern, dass ein US-geführter Regimewechsel im Iran ganz anders sein wird als in Afghanistan, Irak oder Libyen.

 

Dieser Plan „strebt eine Reform der langwährenden amerikanischen Außenpolitik gegenüber dem Iran an und betont ausdrücklich die Politik für einen Regimewechsel“, durch das Anschüren von Unruhen und durch Hilfe „für eine bereits verärgerte iranische Öffentlichkeit“, um „das herrschende Regime der Hardliner durch eine Demokratisierungsstrategie zu stürzen, die sich darauf konzentriert, einen tieferen Keil zwischen das iranische Volk und das herrschende Regime zu treiben.“

 

Und soweit ich sagen kann, ist die Basis von Trump damit größtenteils einverstanden. Die Tatsache, dass dieser Plan keine amerikanischen Soldaten gefährdet, zusammen mit der Tatsache, dass der Iran keine säkulare Regierung hat, scheint in der breiteren MAGA-Menge Widerstand zu verhindern, wenn man eine Strategie verfolgt, die im Grunde die selbe wie in Libyen und in Syrien ist.

 

Die iranischen Mullahs müssen verschwinden, so erzählt man mir. Die Menschen im Iran wollen Freiheit und Demokratie. Dieses Mal wird alles anders sein. Lucy wird uns ganz bestimmt den Football kicken lassen.

 

Wie oft müssen Amerikaner mit der selben Leier verarscht werden, bevor sie ihre Lektion endlich kapieren? Der US-geführte Interventionismus für Regimechange ist buchstäblich niemals hilfreich, buchstäblich immer katastrophal, erreicht buchstäblich nie das was seine Befürworter behaupten und ist buchstäblich immer extrem lukrativ für die vom Krieg profitierenden Plutokraten.

 

Tweet von Caitlin Johnstone@caitoz

Um die Ereignisse auf der Welt besser zu verstehen, denkt daran:

-Krieg ist schrecklich

-Neokons irren sich zu allem

-die Massenmedien sind im Besitz von Milliardären, deren Königreiche auf dem Status Quo aufgebaut sind

-ignoriert die Worte von Politkern; beobachtet ihre Taten

-letzten Endes geht es nur um die Anhäufung von mehr Macht

May 10, 2018

 

Wenn ich nur jedem einen Ratschlag geben könnte, wie man bei der US Außenpolitik Tatsachen von Fiktion unterscheidet, dann wäre es, daran zu erinnern, dass sich die Neokonservativen in allem geirrt haben. Trump-Unterstützer wissen das, aber trotzdem unterstützen sie eine Iran-Agenda, die schon lange von Trump-Hassern beworben wird, die sie verachten, wie etwa Bill Kristol und John McCain, nur weil diese spezielle Intervention auch von der Trump-Regierung unterstützt wird.

 

Jene Leute, die sich zum Irak geirrt haben, zu Libyen geirrt haben und zu Syrien falsch lagen, werden nicht plötzlich zum Iran richtig liegen. Sie haben sich damals geirrt. Sie irren sich heute. Sie liegen immer falsch. Lucy wird dich niemals diesen verdammten Football treten lassen, Charlie Brown!

 

John Bolton war ein riesiger Fan für den Interventionismus im Irak, Libyen und Syrien, und er ist so verrückt und dumm, dass er heute immer noch behauptet, der Irak wäre eine gute Idee gewesen. Dieser Mann, der gerade mit einem Angriff auf Nordkorea komplett falsch lag, genau dieser Mann steht mit einem Plan in Verbindung, der innerhalb des Nationalen Sicherheitsrats zirkuliert, um einen Aufstand gegen die iranische Regierung zu provozieren. Nachdem er öffentlich die Bewaffnung von Demonstranten befürwortete und nachdem er einen gewalttätigen Terroristen-Kult dazu aufrief, die Opposition gegen Teheran anzuführen.

 

Habt ihr noch alle Tassen im Schrank?? Ihr Trump-Supporter werdet belogen. Offen. Wiederholt. Die Tatsache, dass der Iran nicht säkular ist und dass sich der gegenwärtige Präsident als Republikaner ausgibt, ändert daran nichts. Wenn es im Iran zu einem Aufstand kommt, dann wird die CIA beteiligt sein, dann wird es gewalttätig, dann wird sich das in eine humanitäre Katastrophe verwandeln und es wird in einer gewaltigen Explosion aus Tod, Destabilisierung, Leid und Terrorismus enden, so wie die anderen Male zuvor. Hört damit auf, so etwas zu befürworten.

 

Der Aufstand in Syrien wurde von den USA und seinen Alliierten geplant, Jahre bevor die Gewalt 2011 ausbrach. Die CIA hat das Gebiet mit von den USA bewaffneten Terroristen überschwemmt, eine halbe Million Menschen wurden dabei abgeschlachtet und das Blutvergießen ist noch lange nicht zu Ende. Jene Trump-Unterstützer die erkennen können wie falsch und böse das war, sollten in der Lage sein zu erkennen wie falsch und böse es wäre, die selbe Sache im Iran zu verüben, nur damit eine langgehegte neokonservative Agenda vorankommt. Denn genau das planen sie auszuführen.

 

Werd' endlich klug, Charlie Brown. Lass dich nicht schon wieder verarschen.

 

 

                                                                                                *

 

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http://thesaker.is/the-skripals-will-most-likely-never-be-allowed-to-talk/

 

Die Skripals werden wohl nie wieder reden dürfen

 

vom Saker, 11.05.2018 für Unz Review

 

 

Diese Woche gab es bedeutsame Entwicklungen, alle schlecht. Darunter Putins Wiederernennung von Medwedew als seinen Premierminister und Bibi Netanjahus Einladung zur Siegesparade in Moskau, obwohl der just am Abend seines Besuches Syrien bombardiert, einen russischen Verbündeten. Und in Moskau vergleicht Netanjahu den Iran mit Nazi-Deutschland – keine Überraschung. Wie überaus originell und tiefsinnig! Dann hat er, während er noch in Moskau weilte, eine weitere Bombardierung Syriens befohlen. Aber was soll man schon von einem selbstverliebten Narzissten erwarten, der es angemessen findet, dem japanischen Premierminister das Dessert in einem speziell angefertigten Schuh zu servieren?

 

 

Dieser Mensch ist eindeutig vollkommen durchgedreht (was ihn überhaupt nicht weniger bösartig oder gefährlich macht). Aber es ist die russische Reaktion, die so völlig widerlich ist: nichts, absolut gar nichts. Im Gegensatz zu anderen habe ich deutlich gesagt, dass es nicht Russlands Verantwortung ist, Syrien (oder den Iran) vor den Israelis zu „schützen“. Aber ich habe keinen Zweifel, dass Netanjahu soeben Putin eine Nase gedreht hat und dass Putin das hingenommen hat. Bei all meinem Respekt vor Putin, aber dieses Mal hat er Netanjahu erlaubt, ihn so zu behandeln wie es Trump mit Macron gemacht hat. Außer dass in diesem Fall Putin so in seiner eigenen Hauptstadt behandelt wurde. Dass macht es noch schlimmer.

 

(Interessant: Während Netanjahu über den „Nazi-Iran“ jammert, hat er etwas zutiefst tiefsinniges und wahres gesagt. Er sagte: „Eine wichtige Lehre aus der Geschichte: wenn eine mörderische Ideologie entsteht, dann muss man dagegen vorgehen, bevor es zu spät ist.“ Das ist in der Tat genau das, was die meisten Menschen auf der Welt über Israel und seine zionistische Ideologie fühlen. Aber leider Gottes wird ihre Stimme von denen, die über sie herrschen, völlig ignoriert. Und ja, mir kommt es vor als wäre es schon „zu spät“. Und für unsere kollektive Feigheit werden wir einen schrecklichen Preis zahlen müssen – die meisten von uns scheißen sich die Hosen voll, wenn wir über unsere zionistischen Overlords die ganze Wahrheit aussprechen sollen.)

 

Dann haben wir natürlich Donald Trump, der aus dem sogenannten JCPOA ausgestiegen ist, obwohl der Iran alle Regeln einhält und trotz der Tatsache, dass die USA nicht die Befugnis haben, sich einseitig aus diesem multilateralen Abkommen zurückzuziehen. Aber er ist halt ein Größenwahnsinniger, ganz zu schweigen davon, dass er ein rückgratloser Lakai der Israel-Lobby ist. Trump hat all das ignoriert und damit weitere Spannungen zwischen den USA und dem Rest der Welt geschaffen, und die USA werden sie jetzt erpressen und schikanieren, um sie zu einer Unterstützung der USA in deren eifernder Unterwürfigkeit zu Israel zu zwingen. Was die „hochentwickelte“ Strategie Israel anbelangt, so ist die extrem primitiv: erst bringt man Trump dazu, maximale Spannungen mit den Iran zu erzeugen, dann greift man die Iraner in Syrien so offensichtlich und arrogant wie möglich an, lockt die Iraner in eine Vergeltungsaktion, dann schreit man so laut wie möglich „Oy Vey!!!“, erwähnt ein oder zweimal den Holocaust, wirft mit den „6 Millionen Menschen“ um sich und bringt die USA dazu, Syrien anzugreifen.

 

Wie jemand die Israelis respektieren, geschweige denn bewundern kann, das ist jenseits meines Fassungsvermögens. Ich kann mir sicher keine verächtlichere, hässlichere, psychopathische Bande megalomanischer Schurken (und Feiglinge) vorstellen als die Israelis. Ihr etwa?

 

Nichtsdestotrotz scheint es offenbar so, dass die Zionisten genug Macht besitzen, um nicht nur eine, sondern zwei (angebliche) Supermächte dazu zwingen können auf ihre Forderungen einzugehen. Nicht nur das, sie besitzen auch die Macht das zu tun, während sie diese beiden Supermächte gegeneinander auf einen Kollisionskurs bringen. Das zeigt zumindest zwei Dinge: die Vereinigten Staaten haben jetzt die Souveränität komplett verloren und sind jetzt ein israelisches Protektorat. Und was Russland anbelangt, nun, es schlägt sich vergleichsweise besser, aber die Wiedererlangung der vollen Souveränität, für die das russische Volk mit seiner überwältigenden Unterstützung für Putin gestimmt hat, wird nicht geschehen. Ein Kommentar in einem russischen Chat formulierte es so: „Putin hat das Volk betrogen – wir haben nicht für Medwedew gestimmt“. Ich bin mir nicht sicher, ob „hat das Volk betrogen“ fair ist, aber die Tatsache, dass er eine Mengen Menschen enttäuscht hat, ist nach meiner Meinung einfach nicht zu leugnen.

 

Es ist noch viel zu früh, um zu diesem Zeitpunkt irgendwelche Schlussfolgerungen zu ziehen, und es gibt immer noch viel zu viele Unwägbarkeiten. Aber ich gebe zu, dass ich sehr besorgt bin und dass ich zum ersten Mal seit vier Jahren große Zweifel an einer fundamentalen politischen Entscheidung von Putin besitze. Ich hoffe inständig dass ich falsch liege. Wir werden es relativ bald herausfinden. Ich hoffen nur, dass das nicht durch einen großen Krieg geschieht.

 

In der Zwischenzeit will ich noch mal auf den Skripal-Fall blicken. Es gibt eine überaus bizarre Sache, die ich ursprünglich verworfen habe, die aber zunehmend verstörend ist: die Tatsache, dass die Briten offensichtlich Sergei und Yulia Skripal in Isolationshaft halten. Mit anderen Worten: sie wurden gekidnappt.

 

Es gab ein einziges Telefonat zwischen Yulia Skripal und ihrer Schwester Victoria (Anm.d.Ü.: So weit ich weiß es es nicht die Schwester, sondern eine Cousine), in dem Yulia sagte, sie sei in Ordnung (sie hat eindeutig versucht, Victoria zu beruhigen). Aber es war klar, dass sie nicht offen reden konnte. Darüber hinaus hat Yulia gesagt – als Victoria erwähnte, sie möchte Yulia besuchen – dass „niemand dir ein Visum geben wird“. Seitdem herrscht völlige Funkstille. Das russische Konsulat hat zahllose Anträge für einen Besuch gestellt, aber alles was die Briten seitdem getan haben, ist ein Brief des Scotland Yard, der offensichtlich nicht von Yulia verfasst wurde und in dem es heißt:

 

Ich habe Zugang zu Freunden und Familie und mir wurden die speziellen Kontakte zur russischen Botschaft erklärt, die mir dankenswerterweise ihre mögliche Unterstützung jeder Art angeboten haben. Im Moment will ich mich ihrer Dienste nicht bedienen, aber wenn ich meine Meinung ändere, dann weiß ich wie ich sie erreichen kann.“

 

Welche Freunde?! Welche Familie?! So ein Unsinn!

 

Ihre Schwester hat mehrfach über verschiedene Kanäle versucht, mit ihr Kontakt aufzunehmen, darunter offizielle, und in ihrer völligen Verzweiflung hat sie folgende Botschaft auf Facebook gepostet:

 

 

Meine geliebte Schwester Yulia! Du kommunizierst nicht mit uns und wir wissen nichts über dich und Sergey Victorivich. Ich weiß, dass ich kein Recht habe, mich in deine Angelegenheiten ohne deine Erlaubnis einzumischen, aber ich mache mir zu viele Sorgen. Ich sorge mich um dich und deinen Vater. Ich sorge mich auch um Nuar. (Nuar ist der Hund von Yulia Skripal, den sie in einer Tierunterkunft zurückließ als sie nach UK reiste.) Er ist jetzt in einem Hunde-Hotel und sie wollen bezahlt werden. Wir müssen entscheiden was wir mit ihm tun sollen. Ich bin bereit ihn bei mir aufzunehmen bis du heimkommst. Neben Nuar mach ich mir Sorgen um dein Apartment und dein Auto. Über deren Sicherheit und Unterhalt ist nichts entschieden. Wir können dabei helfen, aber wir brauchen eine Vollmacht für mich oder meine Schwester Lena. Wenn dir das wichtig ist, dann unterzeichne in einem russischen Konsulat in irgendeinem Land eine juristische Vollmacht. Wenn du das nicht willst, dann verstehen wir das und mischen uns nicht in deine Angelegenheiten ein.

           Vika“

 

Es kam nie eine Antwort.

 

Ich habe bei Google eine Suche nach „Skripal“ gemacht. Ein Eintrag vom 10. April besagt, dass sie aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Das ist der jüngste Eintrag den ich gefunden habe. Ich habe bei Wikipedia gesucht. Das Selbe, es gibt nichts.

 

(Anm.d.Ü.: Der britische Staat hat den Medien zu Skripal praktisch einen Maulkorb verpasst. Es gibt zwei sogenannte „D-Notices“ an die britischen Massenmedien (Defence and Security Media Advisory Notice) (DSMA).

https://www.globalresearch.ca/u-k-defense-notice-d-notice-here-are-the-official-state-censorship-documents-relating-to-the-skripal-affair/5639929

 

Ich muss zugeben, als ich das erste Mal über die russischen Klagen hörte, da dacht ich, das sei keine große Sache. Ich dachte: „Die Briten haben den Skripals gesagt, Putin versuche sie zu vergiften,sie haben wahrscheinlich Angst und sind womöglich immer noch von dem krank was sie abbekommen haben, aber die Briten würden niemals zwei ausländische Staatsbürger entführen, vor allem nicht auf so öffentliche Art und Weise.“

 

Da bin ich mir nicht mehr so sicher.

 

Schaffen wir zuerst mal das Offensichtliche beiseite: Die Angst um die Sicherheit der Skripals. Das ist völliger Blödsinn. Die Briten können in UK ein Treffen mit einem russischen Diplomaten organisieren, an einer hoch gesicherten britischen Einrichtung, mit Panzern, Spezialteams der SAS in Bereitschaft, Hubschrauber in der Luft, Bomber usw. Der russische Diplomat könnte mit ihnen durch Panzerglas und Telefon reden. Und weil die Russen ja alle so gefährlich sind, könnte man ihn nach Waffen durchsuchen. Alles was die Skripals sagen müssten wäre: „Vielen Dank, wir brauchen eure Dienste nicht.“ Ende der Unterhaltung. Aber die Briten verweigern sich sogar dem.

 

Aber angenommen, die Skripals sind so vor den bösen Russen verängstigt, dass sie sich kategorisch weigern. Sogar vor einer Videokonferenz. Angenommen, sie wären traumatisiert?

 

Wie sieht es mit einer Pressekonferenz aus?

 

Noch verstörender ist, dass zumindest nach meiner Erkenntnis niemand in den westlichen Konzernmedien um ein Interview mit ihnen nachgefragt hat. Snowden kann aus Russland in Sicherheit und sogar über Video bei große Konferenzen reden, aber die Skripals können mit niemandem reden?

 

Aber das Schlimmste dabei ist: Es sind jetzt zwei Monate vergangen, dass die Skripals von britischen Behörden in völliger Geheimhaltung gehalten werden. Zwei Monate, das sind 60 Tage. Fragt einen Vernehmungsspezialisten oder einen Psychologen, welche Auswirkungen 60 Tage mit „spezieller Behandlung“ bei einem Menschen haben können.

 

Ich lehne die russischen Aussagen über ein „Kidnapping“ nicht mehr ab. Was ich sehe ist das: Im Grunde ist die Skripal False Flag abgestürzt und verbrannt, genauso wie MH17 oder der Chemieangriff von Duma. Aber im Unterschied zu MH17 oder Duma sind die Skripals zwei Zeugen, deren Aussagen das Potential haben, einen gigantischen Skandal nicht nur für die Regierung von May auszulösen, sondern auch für all jene rückgratlosen Europäer, die ihre „Solidarität“ mit Britannien gezeigt haben. Mit anderen Worten: die Skripals werden wohl nie offen reden dürfen: sie müssen entweder getötet oder gehirngewaschen werden, oder sie müssen verschwinden. Jede andere Option würde zu einem Skandal planetarischen Ausmaßes führen.

 

Ich kann nicht so tun als würde ich mit Sergei Skripal fühlen. Der Mann war ein Offizier, der einen Eid geschworen hat und dann sein Land an die Briten verraten hat (er war ein britischer Agent, kein russischer wie die Presse schreibt). Jene die ihn festhalten sind seine früheren Bosse. Aber Yulia? Sie ist vollkommen unschuldig und am 5. April (als sie mit Viktoria telefonierte) war sie bei guter Gesundheit und bei klarem Verstand. Jetzt hat man sie verschwinden lassen und ich weiß nicht was schlimmer ist: die Tatsache, dass sie nie mehr auftauchen könnte, oder dass sie eines Tages wieder erscheint, nach monatelanger britischer „Beratung“. Was ihren Vater anbelangt, er hat für seinen Verrat bezahlt und auch er verdient ein besseres Schicksal als vergiftet und benutzt zu werden, und dann zu verschwinden.

 

Im großen Plan der Dinge (dem zionistischen Krieg gegen unseren ganzen Planeten) mögen zwei Personen wie Sergei und Yukia Skripal keine Rolle spielen. Aber wir könnten uns wenigstens an sie und ihre missliche Lage erinnern.

 

Dabei stellt sich auch die Frage, in was für einer Gesellschaft wir leben. Ich bin nicht darüber schockiert, dass der britische Staat zu solchen Methoden greift (das hat er schon immer getan). Ich darüber schockiert, dass in einer sogenannten westlichen „Demokratie“ mit ihren Freiheiten, dem Pluralismus und „europäischen Werten“ die Briten mit so etwas davonkommen.

 

Wie wär's mit etwas Solidarität mit den Skripals, ihr Europäer?!

 

Der Saker


 

https://www.internationalman.com/articles/brinkmanship/

 

Das Spiel mit dem Feuer

 

von Jeff Thomas, 08.05.2018

 

 

Ein beliebtes Spiel unter den jungen Taugenichtsen in den USA der 1950er war das „Hosenscheißer-Spiel“ („chicken“). Dabei fuhren zwei Fahrer mit ihren Autos mit hoher Geschwindigkeit aufeinander zu. Wer zuerst auswich war der „Hosenscheißer“.

 

Natürlich würde eine vernünftige, reife Person beide Fahrer nicht nur als Selbstmordkandidaten betrachten, sondern auch als außerordentlich dumm. (Man kann sich vorstellen, dass dieses Spiel manchmal katastrophal ausging.)

 

Die Fähigkeit bis an die Grenze zu gehen, ohne einen Krieg auszulösen, ist die notwendige Kunst … wenn man Angst davor hat, bis an die Grenze zu gehen, dann ist man verloren.“ – John Foster Dulles, 1955

 

Etwa zur selben Zeit kreierte Adlai Stevenson, der zweimalige Präsidentschaftskandidat der Demokraten den Begriff „brinkmanship“ (das Spiel mit dem Feuer). So hat es John Foster Dulles im obigen Zitat definiert.

 

Das Spiel mit dem Feuer ist im Grunde das „Hosenscheißer-Spiel“. Nur dass es von Männern in Anzügen gespielt wird und potentiell weitaus katastrophaler ist.

 

Allgemein wird angenommen, dass Menschen in Anzügen und Menschen „in Verantwortung“ irgendwie rationaler und/oder intelligenter seien als Teenager, die eine motorisierte Mutprobe veranstalten, aber dem ist nicht so. Die Anzugträger verleihen ihrer Idiotie nur einen besseren Dreh und riskieren dabei das Leben von zig Millionen Menschen.

 

Das Spiel mit dem Feuer wurde zum Schlagwort für die US-Politik gegenüber Russland und nebenbei gegen Kuba.

 

In einem internationalen Rempel-Match, das bis in die 1960er dauerte, verpassten die USA Russland einen Dulles-mäßigen Rempler. Die Russen haben zurück gerempelt und so weiter. Jeder wusste, dass er nicht der erste sein konnte, der zurückzog, oder er wäre verloren, wie Mister Dulles sagte.

 

Dieses Sache erreichte mit der kubanischen Raketenkrise 1962 ihren Höhepunkt. Die UdSSR verschiffte ihre Raketen mit nuklearen Sprengköpfen nach Kuba und die USA sind ihnen auf die Schliche gekommen. Präsident Kennedy blockierte 12 Tage lang Kuba und die Welt lebte am Abgrund eines Atomkriegs.

 

Mister Kennedy hat natürlich den Generalstab der Militärs zusammengerufen – die respektabelsten und erfahrensten Generäle der US-Streitkräfte. Ihre gemeinsame Empfehlung an Mr. Kennedy lautete: „Drücken Sie auf den Knopf – jetzt!“ Sie sagten, dass die Russen ohne Zweifel ihre Finger auch am Abzug hätten, und dass der „Sieger“ jener sein würde, der zuerst auf den Knopf drückt.

 

Trotz ihrer einstimmigen und vehementen Empfehlung hatte Mister Kennedy die Hoffnung, dass sich das Armageddon vermeiden ließe. Er kontaktierte Chruschtschow, den Premier der UdSSR, dessen Generäle ihm ebenfalls gesagt haben sollen: „Drücken Sie auf den Knopf – jetzt!“

 

Aber erstaunlicherweise behielten die beiden Führer einen kühlen Kopf und fanden ein Arrangement, bei dem beide substantiell aus der Lage herauskamen.

 

Es ist wichtig zu betonen, dass das eine höchst ungewöhnliche Entwicklung war. Wir sehen in der Geschichte fast nie zwei große Führer, die ihre Egos zur Seite legen, ruhig und besonnen handeln und das Wohl von Millionen über ihre eigene Sehnsucht stellen, als „Sieger“ hervorzugehen.

 

Die militärischen Führer der beiden Imperien waren mit dieser Entscheidung natürlich nicht einverstanden. Sie wollten unbedingt das „Hosenscheißer-Spiel“ spielen und sich um die Ergebnisse zu einem späteren Zeitpunkt kümmern (wenn es den noch gäbe).

 

Wäre er gefragt worden, Mister Dulles hätte sicher mit ihnen übereingestimmt.

 

Eine weitere Person, die ebenfalls zugestimmt hätte, war Angaben zufolge Fidel Castro. Auch wenn sein Land in so einem Konflikt ohne Zweifel katastrophal verwüstet worden wäre, so war er doch wütend, dass er bei der Diskussion zwischen den Führern der beiden Imperien nicht dabei sein durfte. Er war weit weniger um die Zukunft des kubanischen Volks (und der Menschheit allgemein) besorgt, als darum, nicht als wichtiger Spieler in der Diskussion anerkannt zu werden.

 

Mister Castro war natürlich auch ein militärischer Mensch und wie die Geschichte zeigt, neigen militärische Menschen zu einem „Zuerst schießen, dann fragen“. Die ganze Geschichte hindurch haben Napoleon, Stalin, Hitler, Churchill, Patton, MacArthur und andere bewiesen, dass sie jede Anzahl an Leben aufs Spiel setzen, um als „Sieger“ hervorzugehen.

 

Im Krieg stellt sich das Problem, dass Generäle auf beiden Seiten (wie wir bei der Kuba-Krise gesehen haben) in gleichem Maß entschlossen sind, als Sieger hervorzugehen – ein Zustand, der praktisch unzählige Tote und Zerstörung garantiert. Die Geschichte ist voll von nationalen Führern, die den Krieg bis zum letzten Mann geführt haben – und dann Frauen und Kinder in den Kampf geworfen haben, lange nachdem jede Hoffnung auf einen Sieg verloren war.

 

In der Geschichte gibt es wenige Kennedys und Chruschtschows. Aber es gibt unzählige Napoleons, Pattons, MacArthurs usw. Alle waren große Taktiker; aber sie haben auch zugelassen, dass ihre Egos ihren gesunden Menschenverstand überschattet haben. Und jeder war scharf darauf, rücksichtslos aggressiv zu sein, was manchmal zu einer Niederlage geführt hat.

 

Man sollte auch erwähnen, dass 1962 der Verteidigungsminister kein Mann des Militärs war, sondern ein Geschäftsmann. Als Geschäftsmann glaubte Robert McNamara daran, dass Verhandlungen immer einer blinden Aggression vorzuziehen seien und er war bei der Unterstützung von Mister Kennedys Wunsch wichtig, mit den Russen nach einer Lösung zu suchen.

 

Auch das ist eine historische Seltenheit. Derzeit wird dieser Posten in den USA von dem General „Mad Dog“ Mattis eingenommen und der Nationale Sicherheitsberater ist ein gewisser John Bolton – ein kriegerischer und besessener Mensch wie aus dem Bilderbuch.

 

Dazu kommt ein Präsident, der seine Einstellung zum Iran so formuliert hat: „Ich würde ihnen den Arsch wegbomben!“ (Nicht wirklich diplomatisch.)

 

Somit hat die US-Regierung wieder einmal das Spiel mit dem Feuer als nationale Politik gewählt und wieder einmal wird Russland provoziert. Bei der Kuba-Krise hat sich China schnell hinter Russland gestellt und das können wir auch jetzt wieder erwarten.

 

Der Hauptunterschied zwischen 1962 und heute ist, dass die Welt im großen und ganzen die USA als den Aggressor betrachtet – und nicht als den Verteidiger von Demokratie, so wie es die USA selbst darstellen. Und heute haben die USA weniger Karten in der Hand.

 

Wenn die Kuba-Krise also eine historische Anomalie war, was ist aus historischer Sicht die Regel?

 

Nun, die USA haben das Spiel mit dem Feuer sicher nicht erfunden. Es ist üblich, dass eine Nation oder ein Imperium eine andere Nation so weit treibt, bis die Situation explodiert. Vor dem Ersten Weltkrieg war ganz Europa so auf Krawall gebürstet, dass ein geringfügiges Ereignis – die Ermordung eines einzigen Mannes – ausreichte, um das Pulverfass zu entzünden.

 

1941 hat Japan Pearl Harbor nur angegriffen, weil die USA deren Nachschub an Erdöl abgeschnitten hatten.

 

Der Spanisch-Amerikanische Krieg wurde mit der Versenkung eines Schiffes im Hafen von Havanna gerechtfertigt – und bis heute ist unklar, ob das durch ein Feuer im Maschinenraum geschah.

 

Auf ähnliche Art wurde die Amerikanische Revolution durch eine Pattsituation zwischen Siedlern und britischen Truppen ausgelöst, wo jemand von der einen oder anderen Seite vielleicht aus Nervosität den Abzug seiner Muskete betätigt hat und damit Chaos auslöste.

 

Die Liste solcher Zündfunken für Kriege ist endlos. Praktisch allen Kriegen in den vergangenen hundert Jahren ging ein Spiel mit dem Feuer voraus, gefolgt von einem relativ geringfügigen „auslösenden“ Ereignis. In allen Fällen haben jene, die eine vollständige Vergeltung forderten, versprochen, dass der Krieg kurz und siegreich sein werde. Und ausnahmslos lagen sie alle offensichtlich falsch.

 

Wieder einmal spielen die Führer mit dem Feuer. Wenn der Krieg ausbricht, dann könnte es wieder an einem geringfügigen Ereignis liegen, einer False Flag, oder am Versagen eines militärischen Kommandeurs, der sich nicht an die Befehle gehalten hat. Dann werden die Ereignisse eskalieren, so wie das immer der Fall ist. Und in einem oder zwei Jahren wird sich die Welt fragen: „Wie konnte das nur so außer Kontrolle geraten?“


https://medium.com/@caityjohnstone/we-are-being-lied-to-about-yet-another-middle-eastern-country-by-yet-another-us-president-d6d701b77a6b

 

Ein weiterer US-Präsident belügt uns über ein weiteres Land im Nahen Osten

 

von Caitlin Johnstone, 09.05.2018

 

 

Wisst ihr, wer der größte Einzelspender für einen Kandidaten im US-Wahlkampf 2016 war?

 

Hillary Clintons massive $1,2 Milliarden teure und verlustreiche Kampagne bringt euch vielleicht dazu zu glauben, dass es einer von den vielen, vielen mächtigen Einflussnehmern war, der sich vor ihrer Krönung auf ihre Seite schlagen wollte. Aber dem ist nicht so. Der größte Wahlkampfspender war der Oligarch Sheldon Adelson, der für den Wahlkampf von Trump $25 Millionen spendierte und der 2013 sagte, dass die USA eine Atombombe auf den Iran abwerfen sollte.

https://www.jpost.com/Diplomacy-and-Politics/Adelson-US-should-drop-atomic-bomb-on-Iran-329641

 

Nach seinem Wahlsieg hat Adelson weitere $5 Mio. für Trumps Amtseinführung spendiert, die größte Einzelspende, die je für die Amtseinführung eines Präsidenten gespendet wurde. Newt Gingrich, noch so ein von den Milliardären gesponserter Politiker, hat gesagt, dass Adelsons „zentrale Herzensangelegenheit“ Israel ist.

 

Letzte Woche hat Israels Premierminister Benjamin Netanjahu, ein weiterer Adelson-Lakai, eine absurde und unehrliche Präsentation geliefert und für die Beendigung des Joint Comprehensive Plan of Action argumentiert, auch bekannt als das iranische Atomabkommen. Heute hat sich Trump aus dem Nuklear-Deal zurückgezogen und gegen den Iran neue aggressive Sanktionen angekündigt, wie ein kleiner artiger Junge. Eli Clifton von Lobelog hat einen Artikel veröffentlicht, wie zwei weitere pro-israelische, anti-iranische Oligarchen, Bernard Marcus und Paul Singer neben Adelson dabei mitgeholfen haben, diese Entscheidung umzusetzen.

https://lobelog.com/three-billionaires-paved-way-for-trumps-iran-deal-withdrawal/

 

Wenn ihr wissen wollt, welche Politik ein Politiker ernsthaft verfolgt, dann ignoriert seine Wahlkampf-Rhetorik und seht euch seine größten Spender an.

 

In seiner Stellungnahme zur Entscheidung über den Rückzug aus dem Deal wiederholte Trump die krasse und beweisbare Lüge, der Iran sei „der führende Staatssponsor für Terrorismus“, eine Lüge, die er auf seinem Twitter-Account nochmal wiederholte. Die Veteran Intelligence Professionals for Sanity (VIPS), die bei jedem Versuch einer US-Regierung, fälschlicherweise Eskalationen gegen nicht gefügige Regierungen herzustellen, durchweg auf der richtigen Seite der Geschichte standen, haben letzten Dezember ein Memo veröffentlicht und darin erklärt, warum diese oft wiederholten Anschuldigungen komplett falsch sind und dass die tatsächlichen führenden Staatssponsoren für Terrorismus US-Alliierte sind. Gestern hat VIPS ein weiteres Memo an den Präsidenten veröffentlicht, in welchem sie dem Präsidenten die betrügerische Zirkusnummer von Netanjahu beschreiben und erklären, warum es ein Fehler ist, aus dem Iran-Deal auszusteigen.

https://consortiumnews.com/2018/05/07/trump-urged-not-to-pull-out-of-iran-nuclear-deal/

 

Trump nannte den Iran-Deal auch einen „einseitigen“ Gefallen für den Iran. Aber das genaue Gegenteil ist richtig. Und er sagte, sollte der Iran Nuklearwaffen erhalten, so würde das ein „nukleares Wettrüsten im Nahen Osten“ auslösen. Als würde der größte regionale Feind des Iran nicht bereits Nuklearwaffen besitzen. Er erwähnte die Präsentation von Netanjahu, als hätte die irgendwelche neuen Informationen enthüllt. Das ist aber nicht der Fall. Der Iran hält sich voll an den JCPOA, und wir werden von einem weiteren US-Präsidenten über ein weiteres Land im Nahen Osten belogen.

 

Wie ich in meinem letzten Artikel zu diesem Thema voraussagte, hat diese aggressive Belagerungstaktik bereits begonnen. Amerikas neuer Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, hat keine Zeit verloren und deutsche Firmen dazu aufgerufen, den Handel mit dem Iran einzustellen.

https://www.jpost.com/International/New-US-Ambassador-to-Germany-calls-on-companies-to-end-Iran-trade-553530

 

Der Handel zwischen den beiden Ländern hat sich seit dem Nuklear-Deal 2015 ständig erhöht. Die USA, Israel und ihre Alliierten planen, den Iran wie eine Python zu umschlingen, bis er dem Blob des westlichen Imperiums unterliegt, wahrscheinlich mit Hilfe eines CIA-unterstützen Aufstands.

 

Auch Israel hat keine Zeit verschwendet und sofort iranische Ziele in Syrien angegriffen, um dann öffentlich vor einem „Angriff“ (sprich: Vergeltung) des Iran zu warnen. Syrien ist natürlich ein weiteres Land, das alle Angebote ablehnt, sich vom Blob verschlingen zu lassen.

 

Sheldon Adelson weiß es nur zu gut: letzten Endes geht es um den Blob des Imperiums. Eine Gruppe aus Oligarchen-kontrollierten Ländern, die so eng verwoben sind, dass sie oft mehr oder weniger als eine einzige Einheit in der Außenpolitik funktionieren, versucht Nationen, die sich einem Beitritt zu dieser Allianz verweigern, zu schikanieren und zu unterwandern, bis sie sich ergeben oder zusammenbrechen. Dieser Machtzugriff wird zunehmend verzweifelter, denn China steigt auf und die USA nähern sich einer Zeit nach der Dominanz. Das zwingt unfolgsame Regierungen dazu, sich zu einer zunehmend engeren, eigenen Allianz gegen den Blob anzuschließen.

 

Ich finde die Idee von dem „Blob“ sehr nützlich, um die Weltereignisse zu verstehen und vorauszusagen wie sie sich entwickeln. Wenn die Welt von einem Organismus wie in dem Film von 1958 „Der Blob“ verschlungen würde und nach jeder Mahlzeit größer und stärker werden würde, dann würde es Sinn ergeben, dass er sich zuerst auf die schwächere Beute konzentriert, bevor er sich einer größeren Beute zuwendet. Aus diesem Grund sieht man, wie das US-zentrierte Imperium aggressiv auf die schwächeren unfolgsamen Regierungen losgeht, etwa Irak, Libyen, Nordkorea und Syrien. Und bei den mächtigeren Rivalen wie Russland und China ist man weit weniger auf direkte Konfrontation aus. Der Gedanke ist, die kleineren Rivalen in den Blob aufzunehmen und damit das US-zentrierte Imperium zu stärken und seine Rivalen zu schwächen, bevor der Endkampf gegen China beginnen kann.

 

Das Problem dabei ist natürlich, dass die Sache von Oligarchen gesteuert wird, die so verkommen und soziopathisch sind, dass sie denken es sei normal, von den USA Dinge wie den Abwurf einer Atombombe auf den Iran zu fordern. Unter Anleitung von zutiefst bösen und ungemein törichten Menschen, für die Möglichkeit eines Weltkriegs und eines atomaren Holocaust nichts weiter als das Ergebnis eines halbwegs interessanten Spiel ist, werden Kriege angefangen und zwischen nuklearen Supermächten ein neuer Kalter Krieg angezettelt. Sie zocken mit unser aller Leben, nur um die globale Dominanz sicherzustellen. Aus keinem anderen Grund als für ihren eigenen irrsinnigen Egoismus.

 

 

Hier geht es nicht darum, den Iran von Atomwaffen abzuhalten. Es geht nicht um Zionismus oder Islamophobie und auch nicht um christlichen Fundamentalismus, letztendlich nicht einmal um Geld. Das sind nur die Mechanismen zur Manipulation und Kontrolle. Letzten Endes geht es um Macht. Es geht um ein paar Individuen, die soziopathisch genug waren um alles zu tun, um sich ihren Weg an die Spitze der Welt zu bahnen und die, immer noch nicht zufrieden, jetzt versuchen, über so viele Menschen wie möglich so viel Kontrolle wie möglich zu erlangen. Es ist ein Spiel um die Weltherrschaft, ungehindert durch Gewissen oder einen Moralkodex.

 

Der Drang, seinen Stamm zu dominieren, ist ein tiefer primitiver Impuls, der fest in unserer evolutionären Programmierung verankert ist. Wenn sich das auf globaler Ebene abspielt und nicht durch die natürliche Fähigkeit für Empathie kontrolliert wird, dann erzeugt das eine Dynamik, in der Soziopathen versuchen, die Welt zu kontrollieren. In einem System, in dem Geld (A) sich direkt in politische Macht überträgt und (B) die Fähigkeit von Soziopathen belohnt, alles zu tun um voranzukommen, ist das ein sehr erreichbares Ziel.

 

Man hat uns über den Irak belogen. Man hat uns über Libyen belogen. Man hat uns über Syrien belogen. Man belügt uns über den Iran, und zwar aus den exakt gleichen Gründen. Wir, das Volk, müssen diese soziopathischen Monster bekämpfen und die Kontrolle über den Planeten zurückerobern.


 

https://www.paulcraigroberts.org/2018/05/08/americas-word-worthless/

 

Amerikas Versprechen sind wertlos

 

von Paul Craig Roberts, 08.05.2018

 

 

Wir können jetzt die Hoffnung aufgeben, dass die Wahlversprechen Trumps jemals US-Politik werden, der Abzug aus Syrien, die Normalisierung der Beziehungen zu Russland und das Ende der Auslagerung amerikanischer Arbeitsplätze. Mit der Nichtachtung des Versprechens der US-Regierung und dem Rückzieher aus dem iranischen Atomabkommen, einem Abkommen, das von den USA, UK, Frankreich, Deutschland, Russland, China und dem Iran unterzeichnet wurde, hat Präsident Trump bloßgelegt, dass sein Regime völlig in den Händen zionistischer Kriegstreiber ist.

 

Das war vorher schon klar, aber Amerikas alleinige Neuausrichtung zu einem erfundenen Konflikt mit dem Iran ist der Beweis dafür, dass die US-Außenpolitik in den Händen Israels liegt. Man muss sich nur Nikki Haley ansehen, die US-Botschafterin bei der UN, wie sie AIPAC zu Kreuze kriecht, oder dem US-Außenminister Mike Pompeo dabei zusehen, wie er die Füße von Netanjahu küsst. Oder das Leuchten im Gesicht des neokonservativen israelischen Agenten John Bolton, dem Nationalen Sicherheitsberater des amerikanischen Präsidenten, als er erkannt hat, dass sich seine Pläne für einen Konflikt mit dem Iran durchgesetzt haben. In der Tat ist das gesamte Trump-Regime gegenüber Israel so kriecherisch, dass das Trump-Regime wie ein barbarischer Stamm erscheint, der vor dem König der Könige katzbuckelt.

 

Washingtons wichtigste europäische Vasallen haben gesagt, dass sie sich an das abkommen halten werden, Wir werden sehen ob sie dem Druck und den Geldsummen standhalten können, die man zu ihrem Gesinnungswandel einsetzen wird.

 

Die ist ein neuer Test für Russland. Kann Russland die Destabilisierung des Irans besser aufhalten als die Destabilisierung Syriens? Kann Russland noch einmal die Entschlossenheit aufbringen, seine Südflanke zu schützen?

 

Man fragt sich, ob Trumps unüberlegte Entscheidung eine Lehre war für Putin, Lawrow und die atlantischen Integrationisten, die sich der Realität so lange verweigert haben, dass die Abkommen, die sie so verzweifelt mit Washington anstreben, schon vor ihrer Unterzeichnung völlig wertlos sind.

 

Wird Russland endlich aufwachen und damit aufhören, mit seiner außergewöhnlichen Unentschlossenheit weitere gefährliche Situationen heraufzubeschwören? Wenn Putin nicht mit der Faust auf den Tisch haut, dann wird er uns noch alle umbringen.


https://www.strategic-culture.org/news/2018/05/07/nato-promoter-colonialism-21-century.html

 

Die NATO: Förderer des Kolonialismus im 21. Jahrhundert

 

von Wayne Madsen, 07.05.2018

 

 

Es gibt fünf NATO-Mitglieder, die immer noch Kolonien besitzen. Diese NATO-Staaten haben nicht die Ansicht, ihren Territorien bald die Unabhängigkeit zu schenken. Frankreich, des Vereinigte Königreich, die Niederlande, Dänemark und die Vereinigten Staaten bestehen nicht nur darauf, die Überbleibsel ihrer kolonialen Vergangenheit zu behalten, ihre Kolonien sind auch mit der militärischen Infrastruktur der NATO verwoben.

 

Die fortdauernde Gegenwart französischer, britischer, holländischer, dänischer und amerikanischer Kolonien rund um die Welt erweitert die sogenannte „North Atlantic Treaty Organization“ bis in den Südatlantik, die Karibik, den Pazifischen und den Indischen Ozean. Wenn es jemals eine Organisation gegeben hat, die sich irreführender Werbepraktiken schuldig gemacht hat, dann die NATO.

 

Jüngste Versuche für mehr politische Autonomie in den französischen Überseegebieten Guadeloupe, Martinique und Französisch-Guayana, letzteres ist die Heimat für den strategisch bedeutenden französischen Weltraumbahnhof Kourou, wurden von Paris mit Gleichgültigkeit bis extremer Feindschaft beantwortet. Am 26. Januar 1968 warnt ein GEHEIM-Bericht der CIA vor sowjetischen Versuchen, in Französisch-Guayana eine Weltraumüberwachungsstation zu errichten. Im selben Jahr wurde in der französischen Kolonie in Kourou das Guayana Space Center gegründet. Die NATO befahl die Unterdrückung jeder Unabhängigkeitsbewegung aus dem Volk von Guayana, um das Zentrum allein in den Händen Frankreichs und der Europäischen Weltraumagentur zu belassen. Im März und April 2017 kam es zu Protesten, als guayanische Demonstranten den Weltraumbahnhof Kourou blockierten und protestierten, dass Frankreich das Volk der Kolonie ignoriere. Die Jugendarbeitslosigkeit beträgt zum Beispiel atemberaubende 55 Prozent.

 

Britische Schritte, die finanzielle Unabhängigkeit der karibisch-atlantischen Territorien der Cayman-Inseln, der Turks and Caicos, Bermudas, Anguilla und der Britischen Jungferninseln (BVI) zu bremsen, haben in jenen Gebieten zu Anklagen geführt, die Briten würden in diesen autonomen Gebieten den Kolonialismus wieder einführen. Die Holländer waren die krassesten Neo-Kolonialisten, indem sie die autonomen Regierungen in St. Maarten, Bonaire, St. Eustasius und Saba eingeschränkt haben. Die Holländer haben 2015 ein Referendum in Bonaire völlig ignoriert, das eine Eingliederung der Insel in die Niederlande zu 65% abgelehnt hat. 2014 hat ein Referendum in St. Eustasius die Eingliederung in die Niederlande ebenfalls abgelehnt. Die holländischen Kolonialisten haben im Auftrag und mit Einverständnis der NATO dennoch die direkte Herrschaft über die beiden Inseln eingeführt.

 

Die NATO behandelt die karibischen und atlantischen Territorien ihrer Mitglieder als „Festland“, wo bereits Luft- und Marinestützpunkte existieren oder für militärische Zwecke ausgebaut werden können. Unabhängigkeitsbemühungen oder eine stärkere Autonomie sind nicht im Interesse der NATO. Über ihren Stellvertreter in Kopenhagen hat die NATO jede Bemühung der Färöer und Grönlands zu einer Unabhängigkeit vereitelt– beides dänische Territorien, die auf dem Papier Autonomie genießen. Die NATO will ihre Präsenz in der US-Basis Thule fortsetzen und China von Bergbau-Vorhaben in dem sich rasch aufwärmenden Grönland abhalten, einem Gebiet mit bekannten großen Vorkommen Seltener Erden. Vor kurzem haben Wahlen in Grönland zu einem Sieg für Premierminister Kim Kielsen und seiner Vier-Parteien-Koalition geführt, die eine Unabhängigkeit von Dänemark bevorzugen. Eine dieser Parteien, Nunatta Qitornai, wünscht eine sofortige Unabhängigkeit von Dänemark. Ein geplantes Referendum auf den Färöer-Inseln für eine neue Verfassung wurde um sechs Monate verschoben. Das Referendum, das zu einer Unabhängigkeit von Dänemark führen könnte, ist womöglich aufgrund einer direkten Einmischung der NATO über ihre Stellvertreter in Kopenhagen und der färöischen Hauptstadt Torshavn verschoben worden.

 

Die Holländer haben in den karibischen Gebieten Aruba und Curacao Forderungen nach mehr Autonomie ignoriert. Beide Orte sind Stützpunkte des Militärs und der Geheimdienste der USA und der NATO, wo ihre Luftwaffe und Marine auf die Regierung Venezuelas und linke Gruppierungen in Kolumbien abzielen. Die U.S. 12th Air Force, die in der Davis-Monthan Air Force Base in Arizona stationiert ist, betreibt am Hato International Airport in Curacao und am Reina Beatrix International Airport in Aruba zwei „kooperative Sicherheitsstandorte“.

 

Ein Stationierungsabkommen (Status of Forces Agreement, SOFA) zwischen den Vereinigten Staaten und den Niederlanden von 2012 gewährt dem US-Militär in Bonaire, Saba, St. Eustasius und St. Maarten bis 2021 für „Ausbildung“ und andere Zwecke Zugang. Nach der Unterzeichnung dieses Abkommens wurde die spezielle Autonomie für diese Territorien von den Regierungscliquen in Den Haag und Amsterdam nach und nach aufgeweicht.

 

Jüngste Schritte der britischen Regierung, ihre karibischen und anderen Territorien vor Ende 2020 zu einem öffentlichen Register zu verpflichten oder zu riskieren, dass ihre finanziellen Angelegenheiten direkt von London übernommen werden, haben in den britischen Kolonien zu einer Revolte geführt, vor allem jenen in der Karibik. London behauptet, dass dieses öffentliche Register notwendig sei, um den Fluss von „schmutzigem Geld“ und verdeckten Konzernkonstrukten in Folge der Finanzskandale der Steuerschlupflöcher, der „Panama und Paradise Papers“, zu verhindern. Die britischen Territorien behaupten, dass nach der Einführung eines öffentlichen Registers die Offshore-Firmen und ihr Geld einfach zu anderen Orten auswandern, wo es weiterhin das Steuergeheimnis gibt.

 

Um den Diktaten Londons zu entgehen, spielen natürlich einige britische Territorien bereits mit dem Gedanken an eine Unabhängigkeit. Der Premier der BVI, Orlando Smith, sagte, Londons Schritt zur Einmischung in die Autonomie der BVI lasse Zweifel an der verfassungsmäßigen Beziehung zwischen dem Vereinigten Königreich und dem Volk der BVI aufkommen. BVI bemüht sich um eine direkte Verbindung zur karibischen Gemeinschaft unabhängiger Nationen (CARICOM), ohne Einmischung der Londoner Kolonialbehörden. BVI ist jetzt bei den Treffen der CARICOM und der Vereinigung der Karibischen Staaten mit ihrem eigenen Minister für Auswärtige Angelegenheiten vertreten. Der Premier der Cayman-Inseln, Alden McLaughlin, verlangt ebenfalls mehr Kontrolle über die Angelegenheiten seiner Inseln, einschließlich der nationalen Sicherheit und einer Mitgliedschaft in der Welthandelsorganisation. Die britischen Behörden haben das nicht nur zurückgewiesen, sondern unternehmen Schritte, der populären Offshore-Steueroase finanzielle Regulierungen zu verpassen.

 

Die territorialen Führer der Karibik weisen darauf hin, dass diese Anforderungen an sie nicht für die Isle of Man und die Bailiwicks von Jersey und Guernsey gelten, die als Kronkolonien von Queen Elizabeth nicht den Launen des britischen Parlaments unterworfen sind. Sollte London den Kronkolonien (der Karibik) ihren Willen aufdrücken, so würden sie bekanntgeben, dass sie ihre Verbindungen zur britischen Krone abbrechen und für eine Unabhängigkeit stimmen werden.

 

Die NATO will natürlich keine Unabhängigkeitsschritte der Inseln in der Irischen See, im Kanal oder der Karibik. Die Trump-Regierung führt die Zweite Flotte der US Navy wieder ein, die von Präsident Obama 2011 aufgelöst worden war. Sie ist für den Nordatlantik zuständig, einschließlich Bermuda und Grönland, das auch die Unabhängigkeit von seinen dänischen Kolonialherren anstrebt. Die Vierte Flotte der US Navy dominiert weiter die karibischen Territorien der U.S. Virgin Islands und von Puerto Rico; die britischen Gebiete der Caymans, Turks and Caicos, Anguilla, BVI und Montserrat; die holländischen Gebiete Aruba, Curacao, Bonaire, Saint Maarten, Saba und St. Eustasius; und die französischen Territorien von Guadeloupe und St. Barthelemy, Martinique und Französisch-Guayana. Das U.S. Southern Command mit Sitz in Miami übt über die gesamte karibische Region eine politische Dominanz im Stile eines Vizekönigs aus.

 

Die NATO behält auch die französische Kolonie Neukaledonien im Pazifik aufmerksam im Auge. Weder die NATO noch Australien wollen, dass die Wähler von Neukaledonien sich im anstehenden Referendum in diesem November für eine Unabhängigkeit entscheiden. Festland-Franzosen, die das Inselgebiet kolonisiert haben, drängen auf ein „Nein“ bei der Wahl und der französische Präsident Emmanuel Macron hat vor kurzem die Kolonie besucht und die Bedeutung einer Aufrechterhaltung der kolonialen Beziehungen zu Frankreich betont. Es gibt einen bedeutenden psychologischen Feldzug, um die eingeborenen Kanakys davon zu überzeugen, dass die französischen Kolonialisten im Kampf gegen die Unabhängigkeit bereits die Mehrheit hätten. Eine weitere psychologische Kampagne wird mit der falschen Behauptung geführt, China würde im nahen Vanuatu eine Marinebasis errichten.

 

Die NATO, die immer noch den Begriff „Nordatlantisch“ benutzt, will ihren kolonialen Fußabdruck rund um die Welt nicht verlieren. Von Mayotte im Indischen Ozean bis St. Helena im Südatlantik und Guam im Westpazifik. Die NATO wird seit langem beschuldigt, in Afrika, dem Nahen Osten und Asien neokoloniale Kriege zu führen. Aber wenn es um Wald-und-Wiesen-Kolonialismus geht, so ist die NATO bestrebt, die Kontrolle über die territorialen Brückenköpfe ihrer Mitgliedsstaaten auf den sieben Weltmeeren zu behalten.


https://medium.com/@caityjohnstone/how-to-silence-rt-forever-4efd51dad5ed

 

Wie man RT für immer zum Schweigen bringt

 

von Caitlin Johnstone, 07.05.2018

 

 

Die Anhänger des westlichen Imperiums geben immer offener zu, dass sie Zensur und Propaganda einzusetzen wollen, um gegen Russland den „Informationskrieg“ zu gewinnen.

 

Neulich war in einem Artikel des Guardian von der Notwendigkeit westlicher Regierungen zu lesen, eine koordinierte Kampagne durchzuführen, um „russische Desinformation zu bekämpfen“. Weil Russland kein Interesse daran habe, „ein gemeinsames Verständnis der Wahrheit zu erreichen“, d.h. den unbewiesenen Behauptungen des Westens zuzustimmen und Russland soll vor den langgehegten Plänen des Westens (und die Behauptungen dienen diesen Plänen) kapitulieren.

 

Zuvor sahen wir schon einen Artikel in Defense One von einem Vertreter des Atlantic Council, der zur Schaffung einer „NATO für den Informationskrieg“ aufrief, um die Menschen im Westen zu ihrem eigenen Wohl vor russischen Interessen zu schützen.Der Autor dieses Artikels ging so weit und schlug vor, dass der vom Kreml unterstützte TV-Sender RT in den westlichen Ländern verbannt werden sollte.

 

Immer wieder geht es um RT. Weil der Sender im Vergleich zu anderen russischen Medien relativ bekannt ist, wird er zu einem idealen Emmanuel Goldstein gemacht. Für die zwei täglichen Hass-Minuten des Imperiums. RT wird mittlerweile von den Anhängern des Establishments so sehr verschmäht, dass das Zitieren in einer Online-Debatte ausreicht, und es wird nicht nur dein Argument verunglimpft, sondern deine gesamte Position (und oft auch deine Person, da du als „russischer Bot“ bezeichnet wirst), selbst wenn dein Zitat völlig aus unabhängig verifizierbaren Fakten besteht.

 

 

Zum Glück gibt es für die hysterisch kreischenden Anhänger von Big Brother einen ganz einfachen und 100% sicheren Weg, wie man RT für immer aus den westlichem Funkäther verbannt. Seid ihr bereit? So geht es:

 

Lasst in den westlichen Massenmedien linke Ansichten und Anti-Kriegs-Stimmen zu.

 

Das ist alles. So einfach ist das Rezept zur Zerstörung von RT. Wenn die westlichen Medien aufhören würden, linke und Anti-Kriegsstimmen absichtlich aus dem allgemeinen Diskurs herauszuhalten, dann gäbe es keinen Nachfrage mehr nach RT. Denn der einzige Grund, warum jemand außerhalb Russlands RT schaut ist der, Perspektiven zu erhalten, die man sonst nirgendwo bekommt.

 

Ein paar linke, Anti-Kriegs- und Aktivismus-orientierte Programme bei Sendern wie BBC und MSNBC würden ausreichen um jedes Interesse an den RT-Programmen zu killen und ihnen das Publikum wegnehmen. Sie bräuchten dazu in ihren Programmen nicht einen einzigen Russen; es gibt genug einheimische Talente mit einer klaren anti-kriegerischen, antikapitalistischen, umweltschützenden Perspektive, um verlässlich Tag für Tag frische Inhalte zu präsentieren. Und das mickrige Budget von RT könnte dabei nicht mithalten.

 

Und sie würden damit RT nicht nur das Publikum wegnehmen, sie würden ihm auch seine Talente stehlen. Lee Camp von Redacted Tonight hat öffentlich gesagt, dass er nur bei RT ist, weil seine linke, anti-kriegerische Perspektive ihm überall anderswo die Türen verschlossen hat. Also ging er zu RT und dort machen sie keine Versuche, ihm vorzuschreiben was er sagen darf und was nicht. Die Talente müssten sich nicht auf RT verlassen, wenn sie ihre Gedanken für mehr Geld mit einem größeren Publikum teilen könnten.

 

Das ist eigentlich schon der ganze Trick von RT America: Leute wie Chris Hedges und Jesse Ventura wurden von den westlichen Massenmedien wegen ihrer Anti-Establishment-Ansichten geschasst. Also gingen sie zu RT, wo man ihnen eine Plattform bietet. Es gibt Amerikaner, die von solchen Ansichten angezogen werden, also richten sich ihre Augen auf das Programm von RT. Wenn es bei CNN Programme gäbe, die solche Ansichten zuließen, so würde das RT jede Nachfrage stehlen. Aber sie tun's nicht. Am nächsten kommen sie der Sache, wenn sie alle paar Jubeljahre Jill Stein im Programm haben, damit Chris Cuomo sie abkanzeln kann, weil sie nicht ordentlich beim Informationskrieg gegen Russland mitmacht.

 

(Anm.d.Ü.: Lee Camp auf RT: „Die Wahrheit über RT America“ Saugeile 12 Minuten!!

Hier nur zwei Zitate daraus von Chris Hedges:

Die herrschende Elite, die langsam kapiert, dass ihre herrschende Ideologie des globalen Konzernkapitalismus keine moralische oder intellektuelle Glaubwürdigkeit mehr besitzt, haben eine Feldzug gestartet, um ihren Kritikern die Plattformen zu rauben. Diese Angriffe innerhalb dieses Feldzugs beinhalten schwarze Listen, Zensur und Verleumdung von Dissidenten...“

 

Dieser ideologische Kollaps in den Vereinigten Staaten hat jene von uns, die den Konzernstaat angreifen, zu einer mächtigen Gefahr gemacht. Nicht weil wir eine große Anzahl von Menschen erreichen und ganz gewiss nicht, weil wir russische Propaganda verbreiten, sondern weil die Eliten keine glaubwürdigen Gegenargumente mehr haben.“)

 

 

Das ist ein todsicherer Weg um RT loszuwerden, ohne die US-Verfassung zu verletzen, ohne beispiellose Regierungszensur, oder ohne etwas mit dem Kreml zu tun zu haben. Aber wir wissen natürlich, dass das niemals passieren wird.

 

Es wird niemals passieren, denn RT ist gar nicht der wahre Feind. Die wahren Feinde sind Linke und anti-kriegerische Aktivisten.

 

Ja, die Tatsache, dass RT America jenen Amerikanern eine Plattform gibt, die gegen Krieg, Ökosterben und Plutokratie sind, ist die größte Sorge des US-Establishments. Im Januar letzten Jahres hat das Office of the Director of National Intelligence seinen heiß ersehnten Bericht über angebliche russische Einmischung in die Wahl 2016 veröffentlicht. Dieser enttäuschende Bericht lieferte nicht einen Beweis für die Anschuldigungen und erzählt stattdessen viel über RT-Sendungen, die den US-Plutokraten nicht in den Kram passen. Gemäß dem Bericht gehören zu den Verfehlungen von RT unter anderem:

  • Die Sendung zweier neuer Shows, die gegenüber der US-Regierung kritisch sind

  • Berichte über die Anfälligkeit der US-Wahlautomaten

  • Die Übertragung, Moderation und Werbung von Wahldebatten von Kandidaten dritter Parteien

  • Die Berichterstattung über die Occupy Wall Street Bewegung

  • Die Kritik am US Überwachungsstaat und die Behauptung über weitverbreitete Verstöße gegen Bürgerrechte, Polizeigewalt und den Einsatz von Drohnen

  • Die Kritik am „Wirtschaftssystem der USA, an der US-Währungspolitik, angeblicher Gier der Wall Street und den US-Staatsschulden“ und der Vergleich der Vereinigten Staaten mit dem Römischen Reich

  • Sendungen gegen das Fracking, die Betonung von Umweltfragen und die Auswirkungen des Gesundheitswesens

  • Widerstand gegen die westliche Intervention im Syrien-Konflikt und der Vorwurf an den Westen, er führe einen „Informationskrieg“ gegen die syrische Regierung

  • Der Versuch, RT America in den USA auszuweiten.

 

Was natürlich die Interessen und Sorgen von Millionen normalen Amerikanern betrifft. Auch sie sind Subjekte, die selten, wenn überhaupt, in den westlichen Massenmedien vorkommen.

 

Die Tatsache, dass es einen sehr einfachen Weg gibt um RT auszuschalten und die Anhänger des Establishments dennoch weiter Panikmache betreiben anstatt das Problem zu lösen, das sie angeblich haben, das sollte als stillschweigendes Eingeständnis verstanden werden, dass sie mit RT kein echtes Problem haben. Die einzigen Menschen, mit denen die Medienkonzerne (die im Besitz von Plutokraten sind) ein Problem haben, sind diejenigen, die sich den plutokratischen Interessen widersetzen, sei es die Oligarchie oder dass Kriegsgeschäft oder die Umwelt-mordenden Pläne mit den fossilen Brennstoffen.

 

Wenn ihr also wieder mal irgendeinen Anhänger des Imperiums über RT jammern hört, denkt daran: Sie haben kein Problem mit RT. Sie haben ein Problem mit euch.