http://www.paulcraigroberts.org/2017/07/31/washington-pushes-harder-russia-paul-craig-roberts/

 

Washington drückt Russland weiter in die Ecke

 

von Paul Craig Roberts, 31.07.2017

 

 

Einige Historiker glauben, dass die Ursache für den 2. Weltkrieg die Beschwichtigungspolitik des britischen Premierministers Chamberlain zu Hitlers Wiedergewinnung deutschen Territoriums war, das durch den Vertrag von Versailles anderen Ländern übertragen wurde, gegen das Versprechen des US-Präsidenten Woodrow Wilson an Deutschland, dass es keine Reparationen und keine Gebietsverluste geben würde, wenn Deutschland einem Waffenstillstand zur Beendigung des 1. Weltkriegs zustimmen würde.

 

Dem stimme ich nicht zu. Die Fakten scheinen klar. Die Ursache für den 2. Weltkrieg war die willkürliche und nicht durchsetzbare Garantie von Chamberlain an die polnische Regierung, dass, falls Polen sich weigere, deutsches Gebiet und Bevölkerung an Deutschland zurückzugeben, Großbritannien Polen zu Hilfe kommen würde. Als Deutschland und die Sowjetunion einen Vertrag zur Aufteilung Polens unter sich schlossen und angriffen, da hat Großbritannien wegen seiner dummen „Garantie“ Deutschland den Krieg erklärt, aber nicht der Sowjetunion. Da Frankreich aufgrund von Verträgen mit Großbritannien alliiert war, musste Frankreich auch den Krieg erklären. Wegen der Herrschaft der Propaganda im Westen weiß das kaum jemand, aber der 2. Weltkrieg begann mit der britischen und französischen Kriegserklärung an Deutschland. Dennoch wurden die überlebenden Mitglieder des deutschen Regimes in Nürnberg von den USA, UK, Frankreich und der Sowjetunion vor Gericht gestellt, weil sie einen aggressiven Krieg begonnen haben.

 

Obwohl es die allgemeine Meinung ist, dass Chamberlain durch das Fehlen einer britischen Antwort Hitler zu immer aggressiveren Taten ermuntert habe – warum weist niemand darauf hin, dass das Fehlen einer Antwort der russischen Regierung auf Washingtons aggressive Taten Washington ermutigt, immer aggressiver zu werden? Auch das führt zu Krieg.

 

Die russische Regierung hat wie die von Chamberlain nicht auf Provokationen geantwortet, weitaus gefährlichere als die vor denen Chamberlain stand, denn so wie Chamberlain will die russische Regierung lieber Frieden als Krieg.

 

Die Frage ist, ob die russische Regierung mit ihrer Nicht-Antwort auf illegale Sanktionen und propagandistische Beschuldigungen und Dämonisierungen einen Krieg vermeidet oder fördert. Russland hat Washington sogar erlaubt, an seinen Grenzen zu Polen und Rumänien ABM-Basen zu errichten. Das ist als würden die USA Russland erlauben, Raketen auf Kuba zu stationieren.

 

Russland ist im Nachteil, denn im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten ist Russland eine offene Gesellschaft und kein Polizeistaat wie die USA, wo Widerspruch kontrolliert und unterdrückt wird. Die russische Regierung ist durch ihre Entscheidung gehandicapt, ausländische Eigentümer eines Teils ihrer Medien zuzulassen. Sie ist durch ihre Entscheidung im Nachteil, Hunderte amerikanisch und europäisch finanzierter NGOs zu akzeptieren, die Proteste organisieren und ständig falsche Beschuldigungen über die russische Regierung bringen. Die russische Regierung lässt das zu, weil sie fälschlicherweise glaubt, Washington und seine Vasallen würden Russland als tolerante Demokratie betrachten und in der westlichen Familie der Nationen begrüßen.

 

Russland ist ebenso im Nachteil durch seine gebildete Oberschicht, Professoren und Geschäftsleute, die zum Westen neigen. Die Professoren wollen zu den Konferenzen der Harvard-Universität eingeladen werden. Die Geschäftsleute wollen in die westliche Geschäftswelt integriert werden. Diese Leute kennt man als „Atlantische Integrationisten“. Sie glauben, Russlands Zukunft hänge von der Akzeptanz durch den Westen ab und sind dazu bereit, Russland für diese Akzeptanz zu verraten. Einige in der russischen Jugend glauben sogar, in Amerika sei alles großartig und die Straßen seien mit Gold gepflastert. Und einige russische Medien lassen sich von den westlichen Presstituierten beeinflussen.

 

Für die russische Regierung ist es eine schwierige Lage. Die Russen haben irrtümlich geglaubt, dass der Untergang der Sowjetunion uns alle zu Freunden machen würde. Es scheint als hätte nur Gorbatschow verstanden, dass der sowjetische Zusammenbruch alle Hemmnisse eines hegemonialen Verhalten Washingtons beseitigt hat. Wenige in Russland scheinen zu verstehen, dass das enorme Budget und die Macht des Militär/Sicherheitskomplexes, wovor Präsident Eisenhower 1961 warnte, zur Rechtfertigung einen Feind benötigt, und dass der sowjetische Zusammenbruch diesen Feind beseitigt hat. Sobald Russland für seine nationalen Interessen eintrat, da hat Washington die dringend benötigte „Feind“-Kategorie mit Putins Russland ersetzt.

 

Die russische Regierung und die Oberschicht waren extrem langsam dabei, das zu erkennen. Ja, nur einigen geht ein Licht auf.

 

Trotz der Zeichen an der Wand hat Russlands neuer UN-Botschafter Vasily Nabenzya am 29. Juli erklärt, dass Russland keine Alternative dazu habe „unter allen Umständen Brücken zu bauen. Wir werden kooperieren. Die Amerikaner können nicht ohne uns, und wir, wir können nicht ohne sie. Das ist eine objektive Realität.“

 

Das ist eine russische Kapitulationserklärung.

 

Auch Russlands stellvertretender Außenminister Sergey Ryabkow weigert sich, die Zeichen an der Wand zu erkennen. Er denkt, Washington und Moskau müssten „den Teufelskreis aus Vergeltungen durchbrechen und von Neuem beginnen.“

 

Am 30.Juli hat Russlands Präsident Putin endlich auf Obamas inszenierte Ausweisung russischer Diplomaten aus Washington letzte Weihnachten und die Beschlagnahme russischen Regierungseigentums in der Nähe Washingtons geantwortet und weist 750 „amerikanische Diplomaten“ aus. In Wahrheit sind das Agenten, die an der Untergrabung der russischen Regierung arbeiten. Putin hätte sie genauso gut verhaften lassen können. Es hat nur sieben Monate gedauert bis Russland auf Washingtons feindselige Taten gegen russische Diplomaten geantwortet hat.

 

Manchmal zeigt die russische Regierung etwas Aufmerksamkeit dafür, dass sie permanent als Washingtons Feind Nummer Eins bezeichnet wird. Putin erklärte die verspätete Ausweisung von US-“Diplomaten“ folgendermaßen: „Wir haben ziemlich lange gewartet, dass sich etwas zum Besseren verändert, wir hatten die Hoffnung, dass sich die Lage ändern würde. Aber es sieht so aus als würde sie sich in naher Zukunft nicht ändern... Ich habe entschieden dass es für uns an der Zeit ist zu zeigen, dass wir nicht alles unbeantwortet lassen.“

 

Nachdem er das gesagt hatte, nahm Putin alles zurück: Das wichtigste ist, dass wir auf auf vielen Gebieten vielfache Kooperationen haben. Natürlich hat Moskau viel zu sagen und es gibt eine Vielzahl von Bereichen, die wir möglicherweise kappen könnten und die für die US-Seite empfindlich wären. Aber ich denke wir sollten das nicht tun. Ich hoffe dass es nicht wo weit kommt. Momentan bin ich dagegen.“

 

Eine realistischere Antwort kommt von Dmitry Suslov, dem stellvertretenden Direktor des Russischen Rats für Auslands- und Verteidigungspolitik und Programmdirektor von Putins Valdai Discussion Club. Suslov versteht, dass die neuen illegalen Sanktionen gegen Russland, neben ihren Vorteilen für US Energiekonzerne auch ein Akt der Aggression gegen Russland sind, deren Zweck es ist, eine Verbesserung der bilateralen Beziehungen zwischen den USA und Russland unmöglich zu machen. Suslov sagte: „Es ist bereits heute klar, dass die USA unser Feind sind und für lange Zeit unser Feind bleiben werden. Russland muss sein staatliches Waffenprogramm anpassen um auf die unvermeidliche militärisch-politische Konfrontation mit den USA zu reagieren. Es muss Investitionen in die strategische Abschreckung geben, bei der Aufrechterhaltung des Systems garantierter gegenseitiger Zerstörung.“

 

Suslov fügt hinzu: „Vielleicht wäre es interessant, die Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten auf jenen Gebieten auszusetzen, die zuvorderst für die USA nötig sind. Beispielsweise sind die USA auf dem Gebiet der Raumfahrt von Russland abhängig. Vielleicht sollte man da einige Anpassungen vornehmen und Teile der Zusammenarbeit aufgeben. Es ist interessant, über eine verstärkte militärische Zusammenarbeit zwischen Russland und dem amerikanischen Kontinent nachzudenken – ich meine vor allem eine Kooperation mit Venezuela.“

 

In Washington würde jeder, der sich so weit wie Suslov von den Wahnvorstellungen entfernt hat, die die russische Entscheidungsfindung behindern, gefeuert werden. Es wird interessant sein zu sehen, ob Suslov mehr Realität als erlaubt in das russische Bewusstsein eingeführt hat über die Bedrohung, die aus Washington auf Russland zukommt.