https://www.rt.com/op-edge/403134-north-korea-nuclear-containment-john-pilger/

 

Die nordkoreanische Lösung hängt von der „Eindämmung der USA“ ab

 

Niemand will einen nuklearen Krieg, aber das ist die Richtung, die die USA und die NATO nicht nur gegenüber Nordkorea, sondern möglicherweise auch gegen China und Russland einschlagen, fürchtet der Journalist John Pilger. Mehr noch, er sagt, dass die Krise zu Nordkorea nur eine „Nebenveranstaltung für den Hauptauftritt ist“.

 

Am Dienstag sprach der Investigativjournalist und Dokumentarfilmer John Pilger mit Natasha Sweatte von RT America über die anscheinend eskalierende nukleare Lage auf der koreanischen Halbinsel.

 

Interview mit John PIlger, 13.09.2017

 

 

RT: Was sind Ihre Gedanken zu dem was der nordkoreanische Botschafter in Russland heute sagte, dass keine Sanktionen Nordkorea dazu veranlassen würden, seine Politik zu verändern, und hinzufügte, dass Nordkoreas Nuklearprogramm dazu beiträgt, dass sein Land mit der „feindlichen Politik“ der USA fertig wird? Glauben Sie nicht, dass das nur eine Ausrede für Kim Jong-un ist, sein Arsenal aufzubauen?

 

John Pilger: Schauen Sie, das Problem ist nicht Nordkorea. Das Problem ist nicht Russland. Das Problem ist nicht China. Das Problem sind die Vereinigten Staaten.

 

Es gab in der Vergangenheit eine Reihe von Abkommen, 1992, 1994, zwischen Nord- und Südkorea, um Korea atomwaffenfrei zu machen. Das Problem sind die Vereinigten Staaten, und man muss das auf breiterer Basis betrachten. Das Problem für den Rest der Welt ist jetzt eigentlich die Eindämmung der Vereinigten Staaten. Die USA haben während des Ersten Kalten Kriegs dauernd von der Eindämmung der Sowjetunion gesprochen, aber nein. Es geht um die Eindämmung der Vereinigten Staaten und offen gesagt war es schon immer so.

 

Ja, es ist ein unberechenbares Regime, aber es gibt überhaupt keinen Zweifel, dass Nordkorea angegriffen worden wäre wenn es keine Nuklearwaffen besitzen würde. Oder mit Nordkorea wäre etwas ähnliches oder das gleiche passiert wie mit Libyen und dem Irak und Syrien und Afghanistan.

 

RT: Wird China bei der Umsetzung der UN-Sanktionen mithelfen und glauben Sie, dass sich das Land über die jüngsten Aktionen aus Pyongyang alarmiert fühlt?

 

JP: Nein, China ist vor allem über die Vereinigten Staaten alarmiert, nicht über Nordkorea. Es gab schon immer die Besorgnis, dass Nordkorea die Vereinigten Staaten provozieren könnte, aber selbst diese Sanktionen, die der Sicherheitsrat beschlossen hat, die Sanktionen der UNO, China kann das immer umgehen. Sie verwenden die chinesische Währung, chinesische Firmen, daher funktioniert das sowieso nicht. Chinas größte Sorge ist, dass Pyongyang die USA provozieren könnte und das war schon immer aus historischer Sicht Chinas größte Sorge.

 

RT: Wenn wir von den Sanktionen reden, warum denken Sie, dass die Vereinten Nationen einige der größten ausländischen Einnahmequellen des Landes angreifen, aber das Erdöl außen vor lassen, das sie eindeutig für ihr riesiges Militär benötigen?

 

JP: Ehrlich gesagt, ich weiße es nicht. Und ich denke es spielt auch keine Rolle. Denn diese Sanktionen gegen Nordkorea werden einfach nicht funktionieren. Nordkorea hat über die Jahre einen Lebensstil entwickelt, eine Entwicklung genommen, eine Art, strategische Waffen zu entwickeln, in dem Bewusstsein, dass es nahezu ständig unter einer Art Belagerungszustand lebt. Daher glaube ich, dass diese Sanktionen überhaupt keine Rolle spielen.

 

Wie gesagt, Nordkorea wird in der Lage sein – sie haben Öl eh schon eingeschränkt – aber Nordkorea wird von China unterstützt werden. China macht es auf eine andere Art. Anstatt mit Koreanern handeln sie mit chinesischen Geschäftsleuten in Korea. Daher gibt es, wie bei allen Sanktionen, Wege, sie zu umgehen.

 

Sanktionen sind bei dieser ganzen Debatte auf gewisse Weise irrelevant. Es braucht einen Friedensvertrag mit Nordkorea, zwischen den Vereinigten Staaten und Nordkorea und der Regierung in Seoul.

 

Aber das Beunruhigendste an dem Ganzen ist, worauf es hinausläuft. Soweit ich sehen kann, wird darüber in den Vereinigten Staaten nicht berichtet: Eine Forschungsgruppe in Deutschland und verschiedene deutsche Zeitungen haben ein NATO-Dokument veröffentlicht, das besagt, dass die wichtigste Frage ist, ob die NATO tatsächlich ihre Nuklearwaffen aufstockt.

 

Und was das Dokument besagt ist, dass es der Anfang vom Ende des INF-Vertrags (Vertrag über nukleare Mittelstreckensysteme) ist. Das ist der wichtigste Vertrag des alten Kalten Kriegs. Wenn der erst einmal gebrochen ist, dann hat man die echte Bedrohung durch einen Nuklearkrieg zwischen den großen Mächten. Daher ist Nordkorea nur ein Nebenschauplatz. Das ist die das große Spiel.

 

RT: Und jetzt gibt es Gerüchte, dass Präsident Trump im November China besuchen wird und Sie wissen, er hatte Präsident Xi Jinping nach Mar-a-Lago eingeladen und ein paar nette Worte über den Präsidenten gesagt. Warum, glauben Sie, hat China bisher nicht richtig interveniert und mitgeholfen, die Spannungen zwischen den USA und Nordkorea zu entschärfen? Steht für China in Nordkorea finanziell zu viel auf dem Spiel?

 

JP: Ich denke dass China dazu beigetragen hat, die Spannungen zu vermindern. China und Russland haben einen strategischen Plan, den sie den USA vorgelegt haben und er wurde sofort zurückgewiesen. Darin heißt es, falls die Vereinigten Staaten und die Regierung in Südkorea die provozierenden Militärmanöver stoppen, die, wie sie es nennen, eine „Enthauptung“ des Regimes in Pyonyang beinhalten, falls sie diese provozierenden Übungen stoppen, dann wird Nordkorea auch mit den gegenwärtigen Tests aufhören.

 

China und Russland haben also tatsächlich positive Vorschläge unterbreitet. Wie ich schon eingangs sagte: Das wahre Problem bei all dem ist die Eindämmung der größten Nuklearmacht der Welt, den Vereinigten Staaten.

 

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