http://thesaker.is/how-russia-should-deal-with-the-pilban-syndrome-pbs/

 

Wie Russland mit dem „Pilban-Syndrom“ (PBS) umgehen sollte

 

Vom Saker, 09.07.2017 (viele links im Original!)

 

 

Ein Leser (Sunrise State) hat mir vor kurzem folgende Frage in den Kommentaren gestellt: „Was hältst du für die optimalste russische Strategie gegenüber Polen?“. Als ich das las dachte ich „das ist eine wirklich eine interessante Frage!“ Heute werde ich versuchen, das zu beantworten, Schritt für Schritt.

 

Zuerst die Diagnose.

 

Es gibt ein Polen-Syndrom. Wir können jede Menge Gründe dafür nennen, manche werden die Polen als die heldenhaften Opfer beschreiben, andere als die gierigen Hyänen. Aber für unsere Zwecke müssen wir gar nicht in der Geschichte wühlen um die ganze Liste der Symptome aufzuzählen, die zusammen das ergeben, was wir das „Polnische Syndrom“ nennen können:

 

  1. Eine Phobie (Hass und Furcht) gegen Russland und alles russische.

  2. Der starke Wunsch, „Teil des Westens“ zu sein (im Gegensatz zu einem eingebildeten „despotischen Asien“), während sie in Wahrheit wenig bis gar nichts mit besagtem „Westen“ gemein haben.

  3. Einen tiefen und bitteren Groll, dass sie immer wieder militärisch besiegt wurden und in Folge dessen auf eine grandiose Revanche hoffen.

  4. Ein tief sitzender Minderwertigkeitskomplex gegenüber dem Osten und dem Westen, wie er lyrisch in dem ukrainischen Slogan „lasst uns die Polen in russischem und jüdischem Blut ersäufen!“ zum Ausdruck kommt.

  5. Der Traum, dass die Orthodoxe Kirche endlich dem Papst unterstellt wird (oder wie in den letzten Forderungen, „Russland dem unbefleckten Herzen Marias zu weihen“)

  6. Eine tief sitzende Unsicherheit, die aus einer nicht enden wollenden Politik auf der Suche nach äußeren Alliierten entsteht, inklusive Hitler, um den „großen Kerl“ anzugehen.

  7. Eine Bereitschaft, alles zu sagen und alles zu tun, um den äußeren Alliierten dazu zu bringen, sie zu schützen und Russland zu bedrohen, oder besser noch, an dem lange ersehnten „Marsch auf Moskau“ teilzunehmen.

 

Ich wiederhole: Ob das das Resultat jahrhundertelanger russischer Unterdrückung, Imperialismus und Verfolgung ist oder das Resultat einer papistischen Ideologie, macht für unsere Zwecke überhaupt keinen Unterschied.

 

Und wenn wir uns die verschiedenen Symptome unseres „polnischen Syndroms“ ansehen, dann sehen wir sofort, dass das nicht nur für Polen oder die Polen gilt – die Ukrainer, insbesondere die Westukrainer, zeigen die selben Symptome wie ihre polnischen Nachbarn (so wie die Balten, aber die sind zu klein, schwach und zu unbedeutend um sie hier einzuschließen). Das Syndrom, das wir hier beobachten, ist daher kein rein „polnisches“, sondern ein osteuropäisches. Aber es „osteuropäisch“ zu nennen wäre auch nicht korrekt. Daher werde ich es für unsere Zwecke vereinfachen und es das „Pilban Syndrom“ (PBS) nennen, zu Ehren der zwei „großen Helden“ der polnischen und westukrainischen Nationalisten: Jozef Pilsudski und Stepan Bandera.

 

Zweitens, eine Vorhersage

 

Freunde, das Pilban Syndrom (PBS) wird uns erhalten bleiben. Erstens haben wir es mit einem Syndrom mit tiefen historischen Wurzeln zu tun. Zweitens haben Jahre kommunistischer Herrschaft, gefolgt von einem plötzlichen Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums, diesem Syndrom einen riesigen Aufschwung verliehen. Drittens verwendet das AngloZionistische Imperium, besonders in seiner gegenwärtigen Phase des Abstiegs, einen großen Teil seiner Ressourcen darauf, das PBS kräftig am Leben zu halten. Und schließlich wird das totale Scheitern der AngloZionistischen Politik in der Ukraine auf die eine oder andere Art wahrscheinlich sehr dazu beitragen, dass die Lebensfähigkeit des PBS erhalten bleibt. Und ich möchte hinzufügen, dass, während momentan Polen seine sehr ersehnten „Minuten der Berühmtheit“ genießt (indem sie für das Imperium gegen Russland sehr nützlich sind), dieser Tagtraum früher oder später zusammenbrechen wird und dieser unvermeidliche Kollaps zu einem starken Anstieg des PBS führen wird. Zusammengefasst: Das PBS wird bleiben und die Russen wären äußerst naiv zu hoffen, dass es einfach verschwindet.

 

Drittens, eine Warnung

 

Es gibt nichts, aber auch gar nichts, was die Russen tun könnten, um das Ausmaß des PBS zu mildern. Es ist von überaus großer Bedeutung zu verstehen, dass das PBS in seiner Natur und seinen Ursachen zutiefst ideologisch ist. Zu glauben, dass irgendwelche Aktionen (außer kurz vor einem kollektiven nationalen Selbstmord) jene besänftigen könnten, die an PBS leiden, ist illusorisch. Insbesondere der Fall Ukraine zeigt, dass sogar wenn die Russen ihnen Kredite, vorzügliche Handelskonditionen, Sicherheitsgarantien usw. geben, die ukrainischen Nationalisten das als einen heimtückischen Plan oder sonst was sehen um die Ukrainer zu täuschen. Wenn der Kreml morgen Lastwagen voller Gold in die Ukraine oder nach Polen schicken würde, dann würden sie das natürlich annehmen, aber sobald der letzte Lkw die Grenze überquert, würden die polnischen und ukrainischen Nationalisten ihr übliches Mantra anstimmen „noch ist Polen/die Ukraine nicht verloren“ (beide haben sie diese paranoiden Zeilen in ihren ähnlichen Nationalhymnen), zusammen mit ihrer üblichen Politik.

 

Viertens, die große Frage

 

Die große Frage lautet: Wie geht man mit solchen hasserfüllten Irren um, wenn sie deine Nachbarn sind? Aus russischer Sicht verändern dies Nachbarn ihre Position ständig in einem Spektrum zwischen „du gehst mir leicht auf den Sack“ bis zu „existentieller Bedrohung“. Das ist also nichts belangloses. Wenn die Russen etwas aus der Geschichte gelernt haben, dann das: Jedes Mal wenn Russland schwach war, dann sind die Polen einmarschiert. Jedes Mal. Die Ukraine ist ein anderer Fall, da es in der Geschichte nie so etwas wie einen „ukrainischen Staat“ gegeben hat. Seit jedoch die ukrainischen Nationalisten die selben PBS-Symptome wie ihre polnischen Brüder zeigen, können wir davon ausgehen, dass auch sie nur darauf warten, dass Russland schwach wird (aus welchen Gründen auch immer) um es anzugreifen. (In der Tat versprechen die „offiziellen“ Stellungnahmen der Führer der Nazi-Junta in Kiew mehr oder weniger genau das.) Russland hat alle möglichen Strategien gegenüber Polen ausprobiert, von einer echten Teilung bis zur Gewährung von Sonderrechten und der naiven Hoffnung, dass eine gemeinsame Haltung gegen Nazi-Deutschland eine gewisse, wenn schon nicht Brüderschaft, so doch wenigstens zivilisierte nachbarliche Beziehung erzielen würde. Nichts davon hat funktioniert. Es braucht eindeutig einen neuen Ansatz.

 

Fünftens, die offensichtliche Lösung

 

Okay, wir haben also festgestellt, dass PBS unheilbar ist, dass es bleiben wird, dass die Russen es nicht wirksam beeinflussen können und dass die vergangenen Politiken alle gescheitert sind. Was bleibt also übrig? Es bleibt eine offensichtliche Lösung:

 

Tu nichts. Habe keine Politik. Gib es auf. Ignoriere sie. Umgehe sie.

 

Der erste Grundsatz in der Medizin lautet. „Füge keinen Schaden hinzu“. Ich möchte meinen, dass jede russische Politik gegenüber an PBS leidenden Staaten Schaden hinzufügt und die Dinge nur schlimmer macht. Absolut nichts zu tun wird jedoch riesige Vorteile für Russland bringen. Überlegt mal. Nichts zu tun

 

  1. gibt den polnischen und ukrainischen Nationalisten am wenigsten Ausreden, sich auf eine eingebildete äußere Bedrohung zu konzentrieren und wird sie dazu zwingen, sich auf ihre eigenen inneren Problem zu fokussieren. Wenn man bedenkt, dass wir es mit hasserfüllten Ideologen und verblendeten Politikern zu tun haben, so werden sie sich wie die Ratten in einem Käfig aufeinander stürzen.

  2. ermöglicht es Russland, eine pragmatisch wirksame Haltung mit einer moralisch korrekten zu verbinden: egal, wie hasserfüllt und verblendet polnische und ukrainische Nationalisten sind, es ist nicht an den Russen darüber zu urteilen, sie zu erziehen oder ihnen sonstwie die Freiheit abzusprechen, so zu leben wie sie wollen. Sollen sie doch ihre eigene Gesellschaft aufbauen, sollen sie Russland wie ein kleiner Hund anbellen, der sich hinter einem „NATO-Zaun“ versteckt. Und sollen sie ihren „westlichen Traum“ nach ihren Herzenswünschen erfüllen.

  3. ermöglicht es Russland, die sehr nötigen Ressourcen dort zu investieren wo sie gebraucht werden, wo russisches Geld, Schweiß und Blut einen echten Gewinn für die Investitionen bringen. Die PBS-Staaten zu ignorieren wird Russland anfangs Geld kosten, stimmt, aber auf mittlere und langfristige Sicht wird es Russland Milliarden von Rubel sparen.

 

Wenn ich sage „tu nichts“, dann beziehe ich mich jedoch nur auf jene Politik, die Erwartungen betrifft, dass wenn Russland „X“ tut, die polnischen und ukrainischen Nationalisten „Y“ tun. Ein Beispiel für eine solche verfehlte Politik wäre, wenn man von den Polen erwarten würde, dass sie russisches LNG-Gas kaufen würden, wenn die Russen bessere Preise anbieten würden. Das wird nicht passieren – vergiss es, Wladimir!

 

Was Russland als eine Bedingung ihrer „Tu nichts“-Politik tun müsste, wäre eine neue Politik aus rein einseitigen Handlungen zu entwerfen. Was meine ich damit?

 

Erstens, Russland muss seine eigene Sicherheit in militärischer, ökonomischer und politischer Hinsicht sicherstellen . Russland muss die PBS-Staaten so betrachten wie die Holländer die Nordsee: die wissen, wenn ihre Dämme brechen, dann wird das Wasser der Nordsee sofort einen großen Teil des holländischen Landes überschwemmen. Die holländische Deichkontrolle geht nie davon aus, dass sich das Wasser der Nordsee anders verhalten wird, dass man es davon überzeugen könnte dass es nicht eindringt. Nein, für Holland ist es äußerst einfach: wenn unsere Dämme brechen, dann wird uns die Nordsee überfluten. Und hier liegt der Schlüssel: Die Holländer nehmen das der Nordsee nicht übel. Dasselbe für die Russen: sie sollten es den polnischen und ukrainischen Nationalisten nicht übel nehmen, sie sollten einfach dafür sorgen, dass die russischen Dämme (die russischen Streitkräfte) nicht brechen, das ist alles.

 

Zweitens: Russland muss seine Wirtschaft komplett von den PBS-Staaten entkoppeln. Ja, das wollen auch die Nationalisten. Also sollen sie's haben! Der russische Handel und die Investitionen mit den PBS-Staaten sollten auf genau Null schrumpfen. Moderne Technologien machen es sehr einfach, diese Länder zu umgehen und Nord-Stream ist der beste Beweis, dass Russland und Deutschland zusammen Geschäfte tätigen können, ohne die Verrückten zwischen ihnen zu beteiligen. Allen die sagen, das höre sich extrem an, möchte ich antworten: Wenn Russland der Tu-154 der polnischen Luftwaffe nicht erlaubt hätte nach Smolensk zu fliegen, dann wäre der ganze irre Scheiß, den wir heute erleben, nicht passiert. Warum soll man mit jemandem zusammenspielen, der einen immer für alles beschuldigt? Das ergibt keinen Sinn. Ich würde sogar die russischen Vertretungen aus diesen Ländern abziehen und ihre Diplomaten aus Russland werfen (sollen doch die Schweizer ihre Vertreter sein, so wie es die USA mit dem Iran oder Kuba machen). Warum? Wenn morgen der polnische Botschafter in Moskau auf einer gefährlichen Kreuzung ums Leben kommt oder in seiner Badewanne ausrutscht, dann werden die Polen sofort erklären, dass der KGB ihn getötet habe (der KGB existiert seit 1991 nicht mehr, aber was soll's). Wer braucht so einen Mist? Ich denke niemand. Daher sage ich: Entkoppelt alles was man entkoppeln kann, sollen die Nationalisten ihren Traum haben und sollen die Russen ihren viel benötigten Frieden und ihre Ruhe an ihren Westgrenzen haben.

 

Drittens: Halte die Beziehungen auf Nichtregierungsebene offen. Kulturelle Beziehungen, kleine Handelsgeschäfte, Tourismus etc. Es ist nicht nötig irgendwelche Mauern zu bauen (Das machen übrigens die Ukrainer und Letten bereits, und nicht sehr effektiv), oder gegenüber den gewöhnlichen Polen und Ukrainer garstig zu sein. Während es auf Regierungsebene immer heißen sollte „Danke, aber wir sind nicht daran interessiert“, so sollte Russland auf humanitärer Ebene offen bleiben und polnische und ukrainische Menschen willkommen heißen. Die Wahrheit ist, dass es immer noch einige geistig gesunde polnische und ukrainische Menschen gibt, die genau den ideologischen Unsinn ihrer Führer durchschauen, die weit von einer Russophobie entfernt sind und oft russische Dinge wertschätzen. Warum sollen sie unter dem Verhalten ihrer Führer leiden? Russland wäre viel besser dran, wenn es alles unternehmen würde um diese Menschen in Russland willkommen zu heißen und dass sich ihre Haltung gegenüber den PBS-infizierten Nationalisten nicht auf die geistig gesunden Menschen bezieht. Jedoch muss Russland auch damit aufhören so zu tun als wäre alles in Ordnung und dazu muss es erklären, dass ab jetzt ihre Politik gegenüber den PBS-Regimen gar keine Politik mehr ist.

 

Zusammenfassung

 

Ich denke, dass meine Vorschläge einfach, geradlinig, günstig, sicher, moralisch korrekt und überaus machbar sind. Ja, das ist natürlich zu einem gewissen Grad undiplomatisch, denn es beinhaltet die offizielle Erklärung, dass Russland überhaupt nichts mit den PBS-infizierten Regimen zu tun haben will. Da ich aber kein Diplomat bin (Gott sei Dank!), kann ich hier etwas sagen, was russische Diplomaten nicht können: die meisten Russen spüren einen tiefen Ekel und Verachtung für die polnischen und ukrainischen Nationalisten und es wird höchste Zeit, dass russische Diplomaten und Entscheidungsträger damit aufhören, anderes vorzugaukeln.

 

Jahrhundertelang haben russische Führer immer nach Westen geschielt, als die wichtigste strategische Richtung. Und das ist nach geografischen und wirtschaftlichen Faktoren der damaligen Zeit verständlich, denn das machte den Westen wesentlich wichtiger als den Süden oder den Osten (ganz zu schweigen vom Norden). Aber das verändert sich gerade, sehr rasch. In Wahrheit werden die EU und die USA für Russland zunehmend irrelevant, dessen Zukunft liegt im Süden, im Osten und sogar im Norden. Die gute Nachricht ist, dass Putin und seine wichtigen Minister all das sehen (und aus diesem Grund war, im Gegensatz zu dem was der Westen sieht, für Russland das große Ereignis auf dem G20-Gipfel Putins Treffen mit Xi). Zentralasien, der Nahe Osten, der indische Subkontinent, China, Sibirien und die Arktis – das sind die Regionen, in denen sich Russlands Zukunft entscheiden wird und wo Russland seine meisten humanen und materiellen Ressourcen investiert. In einem haben die ukrainischen Nationalisten absolut Recht: während man geographisch als „Europa“ betrachtet wird, ist die russische Nation (im Gegensatz zur herrschenden russischen Elite) viel näher an seinen Nachbarn im Süden und Osten als am sogenannten „Westen“. Es wird höchste Zeit für das russische Volk, zu seiner wahren und historischen Heimat zurückzukehren: der immensen eurasischen Landmasse.

 

Wenn wir die internen Bestandteile des AngloZionistischen Imperiums betrachten, so sehen wir, das für Russland die USA weiterhin die größte Bedeutung haben, gefolgt von der Europäischen Union, aber bereits weniger, und dann kommen die PBS-Staaten, die im Grunde für Russland ohne Bedeutung sind. Russland kann es sich daher leicht leisten, die PBS-Staaten umfänglich zu ignorieren, solange es sein Militär stark hält um mit jeder möglichen Attacke oder militärischen Provokation aus dem Westen fertig zu werden (und das russische Militär schafft das leicht).

 

Noch eines: Es ist traurige Wahrheit, dass die USA immer mehr PBS-infiziert werden, dank der Neokons und ihrer giftigen Russophobie (die UN-Nikki hat gerade erklärt: „Wir können Russland nicht vertrauen und wir werden Russland nie vertrauen“). Stimmt, die USA sind nicht Polen, und Russland kann es sich nicht leisten sie zu ignorieren. Aber solange es vorsichtig, Schritt für Schritt und vor allem in aller Ruhe geschieht, kann und sollte Russland damit anfangen, sich selbst nicht nur von den USA zu entkoppeln, sondern vom gesamten US-kontrollierten internationalen Finanzsystem und seine Vermögen und Investitionen zu der offensichtlichen Alternative zu verlagern. China und den Rest der eurasischen Landmasse.

 

Abschließend möchte ich sagen, dass das, was ich mit meinen Gedanken oben geschildert habe, bereits vor unseren Augen geschieht. Nicht so viel wie ich mit wünsche, so schnell wie ich es mir wünsche, aber es geschieht. Am schnellsten mit der Ukraine, am langsamsten mit den USA. Aber es geschieht. Und dafür sei Gott gedankt!

 

 

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