Wow! Ron Unz ist schwer zu übersetzen, aber es lohnt!

 

http://www.unz.com/runz/american-pravda-breaching-the-media-barrier/

 

Pravda Amerika: Das Durchbrechen der Medienmauer

 

von Ron Unz, 24.10.2016

 

 

Anmerkung: Da ich seit ein paar Wochen mit Softwareproblemen zu kämpfen habe, entschied ich mich, ein strategisches Memo zu veröffentlichen, das ich vor einiger Zeit privat verteilt habe:

 

Vor zwei Jahren habe ich meine „Unz Review“ gestartet. Darin präsentiere ich eine breite Auswahl alternativer Blickwinkel, das allermeiste davon ist von den Massenmedien total ausgeschlossen. Ich habe auch eine Anzahl von Artikeln in meiner eigenen Serie „American Pravda“ veröffentlicht, wo ich mich auf die verdächtigen Sprünge und Lücken in den Geschichten unserer Medien konzentriere.

 

Die zugrundeliegende politische Strategie hinter diesen Bemühungen ist vielleicht schon zu Tage getreten und ich habe sie hier und dort manchmal erwähnt. Aber letzten Endes habe ich mich entschieden, die Gründe in dem angefügten Memo explizit zu erläutern.

 

Die Massenmedien sind die entscheidende Gegenmacht

 

Gruppen die eine Politik vertreten, die dem amerikanischen Establishment widerspricht, sollten erkennen, dass ihr größtes Hindernis für gewöhnlich die Massenmedien sind.

 

Sicher gibt es die durchschnittlichen politischen und ideologischen Gegner, aber die werden normalerweise von den mächtigen Medien inspiriert, motiviert, organisiert und betreut, was wiederum den wahrnehmbaren Rahmen eines Konflikts formt. Im Sinne von Clausewitz stellen die Medien für oppositionelle Kräfte oft das „Zentrum der Schwerkraft“ dar.

 

Die Medien sollten zu einem Hauptziel gemacht werden

 

Wenn die Medien die entscheidende Macht sind bei der Förderung von Opposition, dann sollte man sie zum ersten Ziel einer jeden politischen Strategie machen. Solange die Medien stark bleiben wird Erfolg schwierig sein, aber wenn der Einfluss und die Glaubwürdigkeit der Medien merklich schrumpft, dann werden die gewöhnlichen Oppositionskräfte viel von ihrer Wirkung verlieren. In vielerlei Hinsicht erschaffen die Medien eine Wirklichkeit, vielleicht geht darum der effektivste Weg zur Änderung der Wirklichkeit über die Medien.

 

Die Medien irgendwo in Misskredit zu bringen schwächt sie überall

 

Die Massenmedien existieren als ein makelloses Ganzes. Wenn man also die Medien in einem bestimmten Bereich schwächt oder in Misskredit bringt, dann reduziert das automatisch auch ihren Einfluss überall sonst.

 

 

 

Die Elemente einer Mediensichtweise, mit denen sich eine bestimmte Anti-Establishment-Gruppe konfrontiert sieht, können so stark und gut verteidigt sein, dass ein Angriff nicht effektiv ausgeführt werden kann, und solche Attacken können auch als ideologisch motiviert abgeschmettert werden. Daher ist manchmal eine indirekte Strategie die produktivere Strategie, nämlich die Mediensichtweise woanders zu attackieren, dort wo sie viel schwächer und weniger gut verteidigt ist. Noch dazu verschaffen solche leichten Siege eine größere Glaubwürdigkeit und mehr Schwung, was man später zu einem Angriff auf schwierigere Frontabschnitte verwenden kann.

 

Eine breite Allianz könnte das gemeinsame Ziel einer Schwächung der Medien unterstützen

 

Haben wir erst erkannt, dass die Schwächung der Medien ein primäres strategisches Ziel ist, dann ist es eine logische Folge, dass andere Anti-Establishment-Gruppen, die vor den selben Herausforderungen stehen, zu natürlichen, wenn auch zeitweiligen, Verbündeten werden.

 

Solche unerwartete taktische Allianzen können sich aus einem breiten Spektrum politischer und ideologischer Perspektiven zusammensetzen – Links, Rechts, oder anderes – und obwohl die einzelnen Gruppen langfristige Ziele verfolgen, die quer oder sogar in Konflikt miteinander liegen. Solange alle Elemente in der Koalition erkennen, dass die feindlichen Medien ihr größter und dringlichster Widersacher sind, können sie an ihrem gemeinsamen Ziel zusammenarbeiten. Nebenbei gibt das zusätzliche Glaubwürdigkeit und Aufmerksamkeit durch die Tatsache, dass sie sich in vielen anderen Dingen heftig widersprechen.

 

Die Medien sind enorm einflussreich und kontrollieren ein riesiges Gebiet des Intellekts. Aber ein so allgegenwärtiger Einfluss hat auch zur Folge, dass die örtlichen Gegner zahlreich und weit verteilt sind. Sie alle sind bei ihren eigenen Partikularinteressen erbittert gegen die feindlichen Medien. Man kann das mit einem riesigen und mächtigen Imperium vergleichen, das durch eine breite Allianz vieler verschiedener rebellierender Gruppen zu Fall gebracht wird, die alle unterschiedliche Ziele haben. Zusammen überwältigen sie die imperiale Verteidigung, indem sie zugleich an vielen verschiedenen Orten angreifen.

 

Ein entscheidender Aspekt beim Schmieden solcher Rebellenallianzen ist der typischerweise enge Blickwinkel eines jeden einzelnen Mitglieds des Bündnisses. Die meisten Gruppen oder Individuen gegen die Positionen des Establishments neigen zu ideologischem Eifer in einer bestimmten oder zu einer kleinen Handvoll von Fragen, während sie sich für andere viel weniger interessieren. Da aufgrund der Massenmedien ihre Ansichten total unterdrückt werden, fördert jeder Platz, an dem ihre unorthodoxen Sichtweisen angemessen fair und gleich behandelt werden, anstatt lächerlich und abgekanzelt zu werden, beträchtlichen Enthusiasmus und Loyalität von ihrer Seite. Wenn sie auch zu den meisten anderen Angelegenheiten eher konventionelle Ansichten haben, wodurch sie gegensätzliche Ansichten mit der gleichen Skepsis oder Unbehagen wie alle anderen betrachten, so sind sie für gewöhnlich bereit ihre Kritik an breiteren Unterschieden zu unterdrücken, solange andere Mitglieder ihrer Allianz ihnen zu ihren eigenen Primärinteressen den selben Gefallen erweisen.

 

Greift die Sichtweisen der Medien dort an wo sie schwach sind und nicht dort wo sie stark sind

 

Greift man zu einer anderen Metapher, dann kann man die Establishment-Medien als eine große Mauer betrachten, die alternative Sichtweisen aus dem öffentlichen Bewusstsein fernhält und damit die Meinung auf ein eng begrenztes Feld aus akzeptablen Ansichten begrenzt.

 

Bestimmte Abschnitte dieser Medienmauer sind massiv und werden von mächtigen Eigeninteressen energisch verteidigt, das macht Angriffe schwierig. Aber andere Abschnitte, zum Beispiel ältere und unbekanntere, sind mit der Zeit vielleicht verwittert und ihre Verteidiger sind abgewandert. Die Mauer an diesen schwächeren Punkten zu durchbrechen ist wohl leichter und wenn diese Barriere erst einmal an mehreren Stellen durchbrochen ist, dann wird sie an anderen Stellen viel schwieriger zu verteidigen sein.

 

Ein Beispiel: Man stelle sich die Folgen vor, wenn zu einem bestimmten großen individuellen Ereignis bewiesen wird, dass die Sichtweise der etablierten Medien komplett falsch ist. Wenn dieses Ergebnis erst einmal in der Breite erkannt wird, dann wird die Glaubwürdigkeit dieser Medien auch in allen anderen Angelegenheiten, auch die gar nichts damit zu tun haben, in gewisser Weise gemindert. Normale Menschen würden logisch folgern, dass, wenn sich die Medien in so einem wichtigen Punkt geirrt haben, sie sich vielleicht auch in anderen Dingen irren. Und diese mächtige Sperre gegen Ungläubigkeit, die den Medien ihren Einfluss verleiht, wird weniger mächtig. Vielleicht werden sogar jene Individuen, die in ihrer Gesamtheit den Medienkörper bilden, zu ersten Selbstzweifeln bezüglich ihrer früheren Gewissheiten kommen.

 

Der entscheidende Punkt ist, dass solche Durchbrüche am leichtesten bei den Themen gelingen, die bloß noch von historischer Bedeutung erscheinen und völlig von praktischen Alltagskonsequenzen losgelöst sind.

 

Die verletzlichen „Verschwörungstheorien“ sollten durch effektive „Medienkritik“ erneuert werden

 

In den letzten Jahrzehnten haben das politische Establishment und seine verbündeten Medien eine wirksame intellektuelle Verteidigung gegen größere Kritik aufgebaut. Sie haben beträchtlichen Aufwand betrieben um den Gedanken einer sogenannten „Verschwörungstheorie“ zu stigmatisieren. Dieser schroff herabsetzende Terminus wird auf jede wichtige Analyse zu einem Geschehen angewandt, die stark von der offiziell verlautbarten Sichtweise abweicht. Und unterschwellig deutet der Ausdruck an, dass der Gegner ein ehrloser Fanatiker ist, der unter Wahnvorstellungen, Paranoia oder anderen Geisteskrankheiten leidet. Solche ideologischen Angriffe zerstören oft wirksam die Glaubwürdigkeit und dann können die tatsächlichen Argumente ignoriert werden. Eine einst harmlose Phrase wurde politisch „in eine Waffe verwandelt“.

 

Ein wirksames Mittel zur Umgehung dieses intellektuellen Verteidigungsmechanismus könnte jedoch sein, eine übergeordnete Strategie (Meta-Strategie) anzuwenden und solche „Verschwörungstheorien“ als „Medienkritik“ zu präsentieren.

 

Nach den üblichen Mustern in einer öffentlichen Debatte müssen Herausforderungen an die eingesessene Rechtgläubigkeit als „außerordentliche Behauptungen“ behandelt werden, die einer mit außerordentlichen Beweisen rechtfertigen muss. Diese Anforderung mag unfair sein, aber sie ist bei vielen öffentlichen Debatten Realität, und das Ganze beruht auf einer Grundlage, die von den scheinbar unparteiischen Medien gebildet wurde.

 

Da viele dieser Auseinandersetzungen ein breites Spektrum an komplexen Fragen und vieldeutigen oder zweifelhaften Beweisen enthalten, ist es oft extrem schwierig, irgend eine schlüssige unorthodoxe Theorie aufzubauen, eine die etwa einen Vertrauensgrad von 95% oder 98% erreicht. Daher lautet das Medienurteil fast unterschiedslos auf „Fall nicht bewiesen“ und die Herausforderer werden als geschlagen und unglaubwürdig abgeurteilt, selbst wenn sie überwiegend die Beweise auf ihrer Seite haben. Und wenn man sich dann laut über die unfaire Situation beschwert, dann wird diese akkurate Antwort von den Medien als weiterer Beweis zitiert, dass man fanatisch oder paranoid sei.

 

Nehmen wir aber an, man würde eine ganz andere Strategie anwenden. Anstatt einen „über alle Zweifel erhabenen“ Fall daraus zu machen, liefern die Aufklärer gerade einmal genügend Beweise und Analysen für eine 30% oder 50% oder 70% Chance dafür, dass die unorthodoxe Theorie wahr ist. Allein die Tatsache, dass keine nahezu sichere Behauptung aufgestellt wird, bietet eine wirksame Verteidigung gegen glaubwürdige Vorwürfe von Fanatismus oder wirrem Denken. Aber wenn das Thema von enormer Wichtigkeit ist und die unorthodoxe Theorie – wie meistens – von den Medien fast komplett ignoriert wird, selbst wenn die Wahrscheinlichkeit dass sie stimmt hoch ist, dann kann man die Medien wirkungsvoll angreifen und sie ob ihrer Faulheit und Inkompetenz lächerlich machen. Diesen Vorwürfen lässt sich schwer begegnen und da niemand behauptet, dass die unorthodoxe Theorie notwendigerweise richtig ist, nur dass sie vielleicht richtig ist, fallen alle Gegenanschuldigungen über verschwörerische Tendenzen in sich zusammen.

 

Und den Medien bliebe in der Tat als effektive Erwiderung auf diese Vorwürfe nur noch, alle komplexen Details zu der Frage zu untersuchen (dadurch würden sie selbst verschiedenen widersprüchlichen Fakten zu größerer Aufmerksamkeit verhelfen) und danach zu behaupten, es gäbe nur einen vernachlässigbar kleine Chance, dass die Theorie richtig ist, vielleicht 10% oder weniger. Damit wird die mutmaßliche Beweislast völlig umgedreht. Und da die meisten Mitglieder der Medien wahrscheinlich noch nie sich mit dem Thema befasst haben, wird ihre ignorante Darstellung für eine kenntnisreiche Dekonstruktion schwach und verwundbar sein.